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Kirsten Fründt hat 
Spaß am Mitgestalten

Kandidatin im Porträt Kirsten Fründt hat 
Spaß am Mitgestalten

„Ich habe in den vergangenen Wochen unglaublich viel Neues über den Landkreis gelernt“, sagt die SPD-Kandidatin Kirsten Fründt. Nun brennt sie darauf, für die Menschen in allen Teilen des Kreises tätig werden zu dürfen.

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Die beiden Landratswahl-Finalisten im OP-Interview.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Von sieben Bewerbern haben sie es in die Endrunde geschafft: Am 22. September entscheiden die Bürger, wer ins Kreishaus einzieht. Vor der Stichwahl präsentieren wir Ihnen Kirsten Fründt (SPD) oder Marian Zachow (CDU) die beiden Finalisten in Einzelporträts.

Man sieht Kirsten Fründt nicht an, dass sie schon knapp drei Monate Volldampfwahlkampf hinter sich hat. Ausgeruht und ausgeglichen steht sie morgens um 9 Uhr bei einer Kanne Darjeeling-Tee Rede und Antwort und wirkt dabei so, als hätte sie den ganzen Tag Zeit für ein entspanntes Gespräch. Dabei wartet der nächste Termin schon.

Ein Grund, dass die 47-Jährige die stressige Zeit ohne Sommerurlaub und zeitweise Feierabend-Wahlkampf neben dem Job so gut durchgehalten hat, ist sicher der Sport als Ausgleich für die Arbeit, zugleich eines ihrer Lebensthemen. Die „Aufladestation“ für ihren Akku steht aber zu Hause: es ist ihre Familie. Auf die morgendlichen Yogaübungen mag sie nur ungern verzichten, auf die täglichen Gespräche mit ihrem Mann und den beiden Töchtern könnte sie es gar nicht, sagt sie – und auch nicht „morgens auf zwei Tassen Cappucchino, ohne die geht es nicht“.

Wendepunkt: Jetzt ist Fründt Funktionärin

Entspannung findet sie normalerweise auch bei der Arbeit im heimischen Garten, die in diesem Sommer allerdings dem Wahlkampf zum Opfer fiel. Für die Leiterin des Fachdiensts Sport bei der Stadt Marburg steht Bewegung nicht nur im beruflichen Alltag im Mittelpunkt, er hat sie von Kindesbeinen an begleitet. Angefangen bei den Gaukinderturnfesten, „bei denen ich dabei war, seit ich laufen konnte.“ Später widmete sie sich dem Geräteturnen („Am Schwebebalken und beim Bodenturnen war ich gut, Reck und Stufenbarren war nicht so toll“), spielte Volleyball, wurde Übungsleiterin und später Erste Vorsitzende im TSV Marburg-Ockershausen, einem der größten Vereine der Stadt.

Dieser Schritt von der aktiven zur Funktionärin sei für sie zugleich eine Art Wendepunkt gewesen, aus dem sie auch für die anstehende Herausforderung Motivation zieht. Da sei ihr bewusst geworden, welche gesellschaftliche Bedeutung der Sport über die Bewegungsangebote hinaus im sozialen Bereich habe. Und dass sie Spaß daran hat, daran mitzugestalten.

Manche sehen Kirsten Fründt als „unerfahrene politische Quereinsteigerin“. Manches, was ihr nach gesagt werde, stimme aber nicht, wendet sie ein. Etwa, dass sie außerhalb Marburgs nicht bekannt wäre. „Ich habe im Wahlkampf selbst gemerkt, dass ich über meine bisherigen Tätigkeiten ziemlich gut vernetzt bin.“ Viele seit Jahren eingeschlafene Kontakte seien in den vergangenen Wochen zudem wieder „aufgewacht“, als Menschen, die sie aus den Augen verloren hatte, plötzlich an den Wahlständen vor ihr standen.

Zu Unrecht werde ihr auch „fehlende Verwaltungserfahrung“ zugeschrieben. „13 Jahre Arbeit in der Verwaltung“ und nachweisliche Führungserfahrung hält sie dagegen. Natürlich ist der Job an der Spitze der Kreisverwaltung mit ihren gut 1 200 Mitarbeitern nochmal eine Hausnummer größer, das weiß die 47-Jährige. Sie würde auch lügen, sagt sie, wenn sie nicht zu­gäbe, dass sie in den vergangenen Wochen manchmal wachgelegen und gedacht habe: Was mache ich hier eigentlich?“ Doch sie sei ein überaus positiver Mensch, 
































der keine Angst vor Herausforderungen habe. Mit dem Landratsposten sei „eine unglaubliche Verantwortung verbunden“, sagt die studierte Agrarwissenschaftlerin. „Es ist auch wichtig, dass man einen gesunden Respekt vor einer Aufgabe behält, um die Bodenhaftung nicht zu verlieren.“ Aber sie habe zu der Kandidatur nicht überstürzt oder leichtfertig „Ja“ gesagt, betont Fründt: „Ich übernehme gern Verantwortung. Ich weiß, was ich kann und ich weiß, ich kann das.“

Mehr Bürgerbeteiligung- und Information

Eine Herausforderung würde im Falle des Wahlsiegs sicher der Umgang mit den Mitarbeitern in der Kreisverwaltung sein, die sich nach 18 Jahren Robert Fischbach an einen neuen Chef gewöhnen müssen. Mit ihr würde wohl ein anderer Stil einziehen. Sie habe gute Erfahrungen damit gemacht, den Mitarbeitern genügend Raum zum Mitzugestalten zu geben, sagt Fründt. So sei Teamarbeit Erfolg versprechend. Auch in der Kreisverwaltung wüssten die Mitarbeiter schließlich, was sie tun.

Auch mehr Bürgerbeteiligung und -information hat sie sich auf die Fahnen geschrieben, nicht zuletzt, damit den Menschen klarer wird, „was der Landkreis überhaupt macht“. Denn das längst nicht jeder weiß, hat sie in den vergangenen Wochen im Wahlkampf ebenfalls erfahren – bis hin zu dem Irrglauben, dass man als Marburger den Landrat nicht mitwählen dürfe.

Auch Kirsten Fründt hat viel Neues erfahren auf ihren Werbetouren durch den Kreis – etwa, was die Vielfalt der Bratwürste auf den Dorffesten angeht. Die Qualität vieler kultureller Angebote in den Dörfern sei ihr so nicht bewusst gewesen, gibt sie zu. Es sei spannend zu beobachten, dass es auch im Landkreis unterschiedliche Mentalitäten gebe. Überall aber sei das Miteinander gut ausgeprägt. Dass das erhalten bleibt, dafür will sie als Landrätin mit sorgen. Denn Ehrenamtliche brauchten auch Unterstützung.

„Wir können es uns nicht leisten, Menschen zu verlieren, die sich engagieren. Deshalb dürfen wir sie nicht überfordern“, – vor allem in kleinen Vereinen, wo bürokratische Neuerungen wie die aktuelle Umstellung des Bankeinzugs auf das europäische Sepa-Verfahren eine Herausforderung sein könne. Umso wichtiger sei es, dass der Landkreis Beratung und Hilfe bietet und Akteure vernetzt, damit das Rad nicht jedes Mal neu erfunden werden müsse.

Und wenn es bei allem Engagement nicht klappt am 22. September? „Dann ist es für mich trotzdem keine verlorene Zeit gewesen“, sagt Fründt, „denn ich habe in diesen Wochen unglaublich viel über den Landkreis und seine Menschen gelernt. Das kann mir keiner nehmen“.

von Michael Agricola

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