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Fründt siegt nicht nur in Marburg, McGovern zu oft nur die Nummer drei

Analyse Fründt siegt nicht nur in Marburg, McGovern zu oft nur die Nummer drei

Auch die Auswahl von sieben Kandidaten hat die Wahlbeteiligung an der Landratswahl nicht wesentlich verbessern können. Fast zwei von drei Wählern blieben auch diesmal zu Hause.

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Abgang eines Wahlverlierers: Dr. Karsten McGovern verlässt das Kreishaus, nachdem er die Stichwahl in zwei Wochen mit 21,6 Prozent der Stimmen verpasst hatte.Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Im Vergleich zu der Wahl vor sechs Jahren stieg die Wahlbeteiligung immerhin von 30,8 auf 36,4 Prozent, das sind etwa 11000 Wähler mehr als 2007. Beim Wahlausgang blieben die Sensationen aus. Dass die beiden größten Parteien ihre Kandidaten auch in die Stichwahl bringen würden, vor allem bei einer niedrigen Wahlbeteiligung, ist nicht besonders überraschend.

Leidtragender und Verlierer des Wahltags war Dr. Karsten McGovern (Grüne), der deutlich mehr Stimmen aus dem Lager des Koalitionspartners CDU gebraucht hätte, um die Stichwahl zu erreichen. Auch die Kandidatur des parteilosen Kai-Uwe Spanka tat letztlich vor allem dem mit einem kleinen „Amtsbonus“ ins Rennen gegangenen Vizelandrat weh. McGovern punktete zwar in der Kernstadt, wo er hinter Kirsten Fründt, aber meist vor Marian Zachow lag. Doch in den Marburger Stadtteilen und außerhalb der Universitätsstadt gelang es ihm zu selten, an Zachow vorbeizuziehen.

 

Zwar lag er am Ende in Marburg insgesamt knapp vor Zachow auf Platz zwei, doch außerhalb der Universitätsstadt hatten seine Ergebnisse zu große Abweichungen, um den durchweg recht stabil punktenden SPD- und CDU-Konkurrenten gefährlich werden zu können. So gewann McGovern nur wenige Wahlbezirke, zum Beispiel in Amönau, Schwabendorf, Steinperf, im Haus des Gastes in Gladenbach und der Marburger Altstadt. Das war zu wenig, um in die Stichwahl einzuziehen, deren Terminierung parallel zu Bundes- und Landtagswahl nicht zuletzt auf Wunsch McGoverns von der Kreistagsmehrheit so durchgesetzt worden war.

Letztlich spiegelt McGoverns Ergebnis nicht mehr als das derzeitige Wähler-Potenzial der Grünen wider, und das, obwohl der 49-Jährige alles getan hatte, um nicht als „grüner“ Kandidat wahrgenommen zu werden. Auch bei der Kreistagswahl vor zwei Jahren lagen die Grünen mit 24 Prozent in Marburg und 16 Prozent kreisweit in diesem Bereich.

Deutlich mehr Marburger gehen diesmal zur Wahl

Wahlsiegerin Kirsten Fründt von der SPD behielt in ihrer Heimatstadt Marburg fast erwartungsgemäß die Oberhand. Für das Gesamtergebnis von Bedeutung: Diesmal wählten im Vergleich zur Landratswahl 2007 deutlich mehr Marburger (36 statt 27 Prozent), zudem lag die Wahlbeteiligung in Marburg diesmal im Kreisschnitt, vor sechs Jahren deutlich darunter. Da die Marburger Wähler bei dieser Wahl allein 30 Prozent der gesamten abgegebenen Stimmen ausmachen, ist das gute Abschneiden hier schon die halbe Miete zum Erfolg. Aber auch im Rest des Landkreises zeigte Fründts kurzer, aber engagierter Wahlkampf Wirkung. Fast überall mobilisierte sie das Wählerpotenzial der SPD.

Ihr Hauptkonkurrent Marian Zachow war vor allem im Ostkreis und in manchen Hinterlandgemeinden stärker. Die Mehrheit erreichte Zachow allerdings nur in fünf Kommunen: in Gladenbach, Bad Endbach, Amöneburg, Neustadt und Stadtallendorf. Alle anderen gingen, wenn auch bisweilen knapp, an Fründt - mit einer Ausnahme: der Hochburg des parteilosen Bewerbers Kai-Uwe Spanka. Der Wetteraner Bürgermeister holte in seiner Stadt gut 42 Prozent, schlug sich aber auch insgesamt achtbar.

Ohne Parteiapparat im Rücken und als letzter ins Rennen gegangen, sammelte er zusammen immerhin knapp 12 Prozent der Stimmen. Sein Problem: Er punktete zwar im Nordkreis, wo er bekannt ist, überdurchschnittlich. Das war dennoch zu wenig, um in die Nähe der Stichwahl zu kommen, zumal auch die Wahlbeteiligung dort nicht entscheidend höher war als im Rest des Kreises.

Das Hinterland wählte, nachdem der dort sonst souverän siegende Lokalmatador Robert Fischbach weg war, uneinheitlich. Ein Grund für das schwächere Abschneiden des CDU-Bewerbers ist dort aber möglicherweise auch in recht guten Ergebnissen McGoverns zu sehen. Der Grüne lag dort fast durchweg über seinem prozentualen Gesamtergebnis.

Anna Hofmann (Linke) und Jens Fricke (Piratenpartei) hatten erwartungsgemäß mit dem Landratsrennen nichts zu tun. Während Fricke mit 1,1 Prozent zumindest das Ergebnis seiner Partei aus der Kommunalwahl 2011 (1,37) bestätigte, blieb Hofmann ein gutes Stück darunter (2,8 gegenüber 4,3 Prozent).

Kein Wahlprotest, aber mehr Briefwähler in Wollmar

Die im Vorfeld harsch kritisierte Terminkollision von Grenzgangfest in Wollmar und Landratswahl wirkte sich in der Wahlbeteiligung dort am Ende kaum aus. Sie sank in der Gemeinde Münchhausen geringfügig von 38,7 auf 37,9 Prozent. In Wollmar selbst machten am Sonntag allerdings nur 13 Prozent der Wahlberechtigten ihr Kreuz (2007: 40,8). Aufgefangen wurde das durch einen deutlichen Anstieg der Briefwähler, wahrscheinlich vorwiegend aus Wollmar. In der Gemeinde Münchhausen nutzten 20 Prozent der Wähler die Möglichkeit der früheren Stimmabgabe, 2007 waren es nur 6,5 Prozent gewesen.Im 875-Jahre-Fest-Dorf Niederweimar gingen gestern 27,7 Prozent zur Wahl, vor sechs Jahren waren es mit 29,6 Prozent nicht entscheidend mehr gewesen.

von Michael Agricola

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