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Ein Gallier, Lucy von den Peanuts oder Mecki?

Landratswahl am Sonntag Ein Gallier, Lucy von den Peanuts oder Mecki?

Sieben treten an, sechs muss man ernstnehmen, vier haben eine gute Chance, zumindest auf eine Stichwahl. Ein Versuch der Einordnung des Landratswahlrennens.

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So sieht der Stimmzettel für die Landratswahl aus. Allerdings ohne die Köpfe. Der Zettel wurde aus technsichen Gründen nach Platz 5 abgetrennt. Nach Jens Fricke folgen noch Kai-Uwe Spanka und Mirco Rosenberger.

Quelle: Grafik/Montage: Vera Lehmann

Marburg. Am Sonntag gilt es. Nach mehr als 18 Jahren wird der Landrat ab Februar 2014 nicht mehr Robert Fischbach heißen. Dass das Rennen um dessen Nachfolge so spannend wird, hat Gründe. Der CDU ist es in all der Zeit nicht gelungen, einen „natürlichen Nachfolger“ für Fischbach aufzubauen. Am nächsten kommt dem noch der Kandidat der Grünen, der in den vergangenen zehn Jahren als Stellvertreter reibungslos mit Fischbach zusammengearbeitet hat. Doch dazu später mehr.

Allerdings hatten die beiden großen Parteien im Vorfeld so ihre Last mit der Kandidatenfindung. Kirsten Fründt war nicht mal im Gespräch, als es im vergangenen Jahr um die Kandidatenkür der SPD ging. Sie schlüpfte in Rekordzeit in die Lücke, die der überraschende Rückzug von Amöneburgs Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg hinterließ. Ob das der Situation geschuldete, aber selbstgewählte Image als „Quereinsteigerin mit dem Blick von außen“ das Manko der geringeren Bekanntheit außerhalb Marburgs aufwiegt, darüber werden die Wähler entscheiden. Genauso wie über die Tatsache, dass mit ihr eine Vertraute des Marburger Oberbürgermeisters das Landratsamt übernehmen würde. Das könnte außerhalb Marburgs nicht jeder als vorteilhaft empfinden.

Auch CDU-Mann Marian Zachow war vor zwei Jahren mit seinem Wechsel auf die Pfarrstelle in Caldern aus der Kommunalpolitik und dem Kreistag ausgeschieden und dem Blick der Öffentlichkeit so weitgehend entzogen. Bekannt war er von jeher eher in sozialpolitischen Kreisen. Den Nachteil, ohne Stimme im Kreistag, die Debatten nur wortlos auf dem Besucherstuhl verfolgen zu können, versuchte er mit dem wohl intensivsten Wahlkampf aller Kandidaten wettzumachen.

Mehrere Monate lang war der vom Dienst freigestellte Theologe in den Dörfern und Städten unterwegs, um Klinken zu putzen. Diesen Aufwand konnten oder wollten die Mitbewerber nicht treiben. Ob er sich am Wahltag ausgezahlt hat, lässt sich schlecht prognostizieren und noch weniger anschließend nachweisen.

Der Landrat und der Kandidat

Das Fleißkärtchen ist Zachow dafür immerhin sicher. Dennoch trägt auch er einen kleinen Makel mit sich herum. Zwar ließ sich Landrat Fischbach mit Zachow auf Wahlplakaten ablichten, doch dass der nicht „sein“ Kandidat ist, verhehlt er keineswegs - ohne es laut auszusprechen. So überließ er in diesem Sommer fast alle wichtigen Termine des Kreises, auch die, die der Landrat sonst als Chefsache betrachtet hätte, ohne Not seinem Stellvertreter Karsten McGovern (Grüne).

Dennoch kann sich auch der stellvertretende Landrat nicht sicher sein, dass der „Amtsbonus“ ihn in die Stichwahl oder weiter trägt. Zumal McGovern kürzlich beim Baustart der neuen Bundesstraße252 in Wetter als Vertreter des Landkreises - wenig „staatsmännisch“ - die Mitwirkung am Spatenstich verweigerte, aus Protest gegen das umstrittene Vorgehen des Landes. Das wird ihn möglicherweise mehr Sympathien gekostet als ihm eingebracht haben.

Unklar bleibt, ob McGovern aus dem CDU-Lager nennenswerte Stimmenanteile für sein Programm des „Erfolgreich weiter“ bekommt. Sonst könnte es eng werden. Denn auch wenn das Wählerpotenzial der Grünen in den vergangenen Jahren deutlich angewachsen ist, ist längst nicht jeder mit der schwarz-grünen Kreiskoalition einverstanden gewesen - zumal die Kreisgrünen daran auch festhielten, als vor zwei Jahren eine Parlamentsmehrheit mit der SPD möglich wurde.

Spanka könnte allen Stimmen klauen

Einen Strich durch die Rechnung machen könnte manchen Rechnereien auch die Kandidatur des parteilosen Bürgermeister Kai-Uwe Spanka. Der sprang zwar reichlich spät, nach dem Abgang seines Amtskollegen Richter-Plettenberg, auf das Bewerberkarussell auf - wohl zu spät, um im Wahlkampf noch große Kampagnen auf den Weg bringen zu können. Sein Argument, dass ein Bürgermeister zur Wahl stehen sollte, weil diese den Kreis gegenüber den Kommunen stets kritisiert und in die Pflicht genommen hätten, ist bei einer Handvoll im Kreistag vertretener Bürgermeister auch nicht unbedingt zwingend.

Dennoch kann Spanka den Parteikandidaten weh tun. Dass er aus allen politischen Wählerschichten Stimmen ziehen kann, hat er bei zwei Direktwahlen in Wetter bewiesen, zuletzt mit mehr als 70 Prozent Zustimmung. Und Bekanntheit brachte ihm - wenn auch eher ungewollt - zuletzt die bundesweite Berichterstattung über die Blitzer an der B252.

Bleiben noch Anna Hofmann von der Linken und Jens Fricke von der Piratenpartei. Allein vom Wählerpotenzial ihrer Parteien sind sie wohl ohne Chance, auch für eine mögliche Stichwahl. Beide haben einen engagierten Wahlkampf betrieben, zugleich aber auch öffentlich gesagt, dass sie die Bühne der Landratswahl vor allem dafür nutzen wollen, die jeweiligen Parteiinhalte weiterzutragen.

All diese Eindrücke aus dem Wahlrennenn sagen noch nichts darüber aus, wer dann tatsächlich im ersten Wahlgang oder in der Stichwahl am 22. September triumphieren wird. Denn das entscheidet sich auch über weitere Faktoren: etwa die Mobilisierung der Wähler durch die Parteien, die Parteitreue oder die Wahlbeteiligung, die in den vorangegangenen, aus Zweikämpfen bestehenden, Landratswahlen bei jämmerlichen 31 (2007) und 35 (2001) Prozent lag.

Fair und vorsichtig

Bemerkenswert war der faire Umgang der Bewerber untereinander im Wahlkampf, aber auch die manchmal übertriebene Vorsicht, keinen Fehler machen zu wollen. Bestes Beispiel dafür waren die Aufwärmfragen während der Podiumsdiskussion der OP in Cölbe, wo nach persönlichen Vorlieben gefragt wurde. Es wurde viel drumrumgeredet, einzig bei der Frage nach der Comicfigur, die sie gern verkörpern würden, wurden die Kandidaten konkret: Marian Zachow votierte für den Igel Mecki. Gleich dreimal fielen gallische Namen, nämlich Obelix (Hofmann), Asterix (McGovern) und Miraculix (Spanka). Kirsten Fründt entschied sich für Lucy von den Peanuts und Jens Fricke wählte den Kater Garfield. Dass sich die Landratswahl an dieser Frage entscheidet, steht aber nicht zu befürchten.

Ach ja. Da war ja noch ein Kandidat. Mirco Rosenberger tritt zwar bereits zum zweiten Mal zur Landratswahl an, eine Rolle spielt er aber auch diesmal nicht. Manche der Aussagen auf die Fragen der OP waren zwar amüsant, doch sein einziger - eher einsilbiger - Auftritt auf einem Podium (beim DGB in Marburg) verstärkten die vorhandenen Zweifel, dass diese Sätze von ihm selbst stammen.

Live Blog und aktuelle Wahlergebnisse

Am Sonntag werden wir auf op-marburg.de ab 18 Uhr die Wahlergebnisse abbilden. Sie können live mitverfolgen, wie ein Wahlbüro nach dem anderen die Stimmergebnisse bekanntgibt. Neben den Ergebnissen werden wir live von der Wahl-Party im Landratsamt bloggen. In das Blog können Sie sich einbringen und Fragen oder Ihre Meinung kundtun. Darüberhinaus finden Sie bei uns online auch noch einmal alle bisher erschienenen Artikel, in denen die Kandidaten ihre Pläne erklären.

von Michael Agricola

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