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Beim Thema Flächenverbrauch haben die Bauern Verbündete

Landratswahl Beim Thema Flächenverbrauch haben die Bauern Verbündete

„Landwirte im Fokus“: Vier Landratskandidaten stellten beim Kreisbauernverband ihre Vorstellungen zum Ländlichen Raum vor.

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Die Bauern spielen im Landkreis eine gewichtige Rolle - entsprechend bemühen sich die Landratskandidaten um ihre Stimmen.

Quelle: Wolfgang Dirscherl / pixelio.de

Marburg. „Ich sitze neben dem künftigen Landrat oder der künftigen Landrätin, aber noch keiner weiß, wer es ist“, freute sich Kreisbauernverbandsvorsitzender Erwin Koch am Montagabend über das kompetent besetzte Podium. Enttäuscht war er nur über die recht spärlich besetzten Stühle im Publikum im Gasthaus Carle. Schließlich ist die Zusammenarbeit mit den Landwirten ein Schwerpunkt in der Arbeit eines Landrats.

Eingeladen hatte der Bauernverband zu diesem Thema nur die vier wohl aussichtsreichsten Kandidaten bei der Landratswahl. Und die waren sich über die Bedeutung der Bauern für den Kreis einig, ebenso darüber, dass der Strukturwandel in der Landwirtschaft die größte Herausforderung für die heimischen Betriebe sein wird.Den Fachbereich Ländlicher Raum, der beim Kreis unter anderem für die Beratung der Landwirte, für Agrarförderung, aber auch für das Veterinärwesen zuständig ist, sahen die Landwirte im Publikum wie die Kandidaten Marian Zachow (CDU), Dr. Karsten McGovern (Grüne), Kirsten Fründt (SPD) und Kai-Uwe Spanka (parteilos) als gut aufgestellt an.

Gleichwohl sprachen sich Fründt und Zachow für eine noch stärkere Begleitung und Hilfestellung aus. Zachow verwies auf seinen Ansatz einer Zukunftsstiftung, die - nicht nur für Landwirte - Beratung für Investitionsprojekte leiste, den Weg zu Förderungen ebnen könne, als Ansprechpartner diene, sodass man nicht selbst bei den Ämtern „von Pontius zu Pilatus rennen“ müsse. Wer investieren wolle, müsse als Partner, nicht als Bittsteller wahrgenommen werden. Kirsten Fründt ermutigte die Landwirte, ihre Betriebe wieder stärker auf mehrere Standbeine auszurichten („Man darf nicht den Fehler machen, sich auf ein Produkt zu beschränken“), wie alle anderen Kandidaten sieht sie eine große Chance dafür in der Bioenergie und der Direktvermarktung in der Region.

Gefördert werden solle das auch, so waren sich alle vier Bewerber einig, durch entsprechend intensive Beratung der Verbraucher, Bewusstsein für die Qualität der heimischen Waren zu schaffen, damit die Menschen künftig häufiger zu regionalen Lebensmitteln greifen als zu Supermarktfleisch oder -gemüse. Wetters Bürgermeister Kai-Uwe Spanka sah keine Notwendigkeit für eine „Zukunftsstiftung“ á la Zachow, vielmehr sollten zunächst alle Möglichkeiten genutzt werden, die Gesetze böten. Dazu zähle auch, „dass das Bauen im Außenbereich für die Landwirte weiter möglich sein muss“.

Die Privilegierung sei oft nötig, weil es für die Erweiterung oder Neuausrichtung von Betrieben im Ort oft keinen Raum, Konflikte mit Nachbarn oder artgerechter Haltung gebe. Vizelandrat Karsten McGovern unterstrich, dass er die bisherige Arbeit des für die Landwirte zuständigen Landrats Robert Fischbach („gute Beratung, gute Fortbildungen“) uneingeschränkt fortsetzen wolle, vor allem aber seinem Credo folgen werde, pragmatisch vorzugehen, das heißt, die Spielräume, die Gesetze böten, auch im Interesse der Landwirte zu nutzen. Chancen sieht auch McGovern noch in Erneuerbaren Energien - nicht mehr in großen Biogasanlagen, wohl aber in lokaleren Projekten.

Fründt will einen Runden Tisch

Er wolle zum Beispiel gern gemeinsam mit Landwirten im Hinterland entsprechende Modellprojekte anstoßen, um das Grünland ebenfalls in die Energiegewinnung besser miteinbeziehen zu können. Einig waren sich die Kandidaten, dass es nicht so weitergehen könne, dass der Flächenverbrauch für neue Straßen, wachsende Siedlungen und entsprechende Ausgleichsmaßnahmen stets zu Lasten der landwirtschaftlichen Flächen gehe.

Marian Zachow sprach sich dafür aus, dass künftig statt Ausgleichsflächen eher Ausgleichszahlungen stärker gewichtet werden sollten. Kai-Uwe Spanka sieht Flurbereinigungsverfahren im Zuge von neuen Straßen als sinnvoll an, will sich unter anderem aber auch dafür einsetzen, dass die Außenentwicklung (immer mehr Neubaugebiete an Ortsrändern) stark reduziert wird.

Kirsten Fründt sprach sich für einen Runden Tisch aus, denn auf die „Ressource Land“ griffen neben den Bauern viele zu, sei es Straßenbauer, Wasser- und Bodenverband oder Erholungssuchende. Gemeinsam sollten sensible Bereiche festgelegt werden, um Konflikte zu vermeiden. Auch Karsten McGovern wünscht sich, dass bei der Auswahl von Ausgleichsflächen darauf geachtet werden sollte, dass man Brachflächen ökologisch aufwertet - anstatt „gutes Ackerland in Sumpf“ umzuwandeln, wie es Erwin Koch drastisch umschrieben hatte.

von Michael Agricola

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