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Auf die Bürger kommt was zu

OP-Wahlforum zur Landratswahl Auf die Bürger kommt was zu

350 Besucher informierten sich beim Wahlforum der OP am Donnerstagabend über die Kandidaten zur Landratswahl am 8. September. Auch der scheidende Landrat Robert Fischbach (CDU) und sein Vorgänger Kurt Kliem (SPD) machten sich ihr eigenes Bild.

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Klare Unterschiede bei den Prioritäten

Angeregte Diskussionen der Landratskandidaten (von links): Jens Fricke (Piraten), Anna Hofmann (Linke), OP-Lokalchef Till Conrad, Marian Zachow (CDU), Dr. Karsten McGovern (Grüne), Kai-Uwe Spanka (parteilos), Kirsten Fründt (SPD) und OP-Redakteur Götz Schaub.

Quelle: Nadine Weigel

Cölbe. Verzichten mussten sie dabei in der Gemeindehalle Cölbe auf den persönlichen Eindruck vom Pogo-Partei-Kandidaten Mirco Rosenberger. Der APPD-Vertreter hatte sich krank gemeldet. Die übrigen sechs Kandidaten offenbarten in vielen Punkten ähnliche Vorstellungen, zum Beispiel, was den Erhalt und die Sanierung der Kreisstraßen angeht. Bei der Frage nach dem Erhalt der ländlichen Schulstandorte und der Beurteilung der Qualität der Schulbetreuung war die Übereinstimmung allerdings schnell aufgebraucht.

Foto: Nadine Weigel

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Dr. Karsten McGovern (Grüne) als amtierender Schuldezernent und Fischbach-Stellvertreter sah sowohl das bestehende, trotz geringer Mittel stetig ausgebaute Angebot des Kreises in der Grundschulbetreuung, als auch den vom Kreis erarbeiteten und gerade vom Land genehmigten Schulentwicklungsplan als Erfolg an. Dieser setzt bei gefährdeten Standorten auf Verbundschul-Lösungen statt auf Schließungen.

Für die Aussage, dass damit Schulschließungen in den kommenden Jahren verhindert würden, erntete er jedoch gleich dreimal „Gegenrede“ von seinen Mitbewerbern Jens Fricke (Piratenpartei), Kai-Uwe Spanka (parteilos) und Anna Hofmann (Die Linke). Hofmann argumentierte, der Schulentwicklungsplan sei nur unter Vorbehalt genehmigt, kleine Schulen stünden weiterhin unter Beobachtung und seien in der Gefahr, geschlossen zu werden.

Klare Kante und Alternativen zur klassischen Klasse

Jens Fricke verwies darauf, dass der Schulentwicklungsplan auf erheblichen Druck des Bildungsministeriums so beschlossen worden sei. „Da hätte man klare Kante zeigen müssen“, sagte er und ruhig auch einen Konflikt mit dem Land und die Nichtgenehmigung des Plans riskieren sollen. „Dann wüssten die Bürger wenigstens Bescheid“ - wer dafür verantwortlich ist.

 

Kai-Uwe Spanka, Bürgermeister von Wetter, kritisierte, dass der Schulentwicklungsplan zwar für mehrere Jahre fortgeschrieben werde, aber dabei nicht berücksichtige, wie schnell sich die Schülerzahlen vor Ort, manchmal von einem Schuljahr zum anderen, änderten. Er fordert, dass das Land, das für das Personal in Schulen zuständig ist, der Kreis als Schulträger, aber auch die Kommunen vor Ort viel stärker zusammenarbeiten und entscheiden müssten, auch zum Beispiel bei der Betreuung. Eine gute Lösung seien in kleinen Standorten auch altersgemischte Klassen.

Dass der in vielen Orten weiter nötige Ausbau von Betreuungsangeboten für Schulkinder angesichts knapper Kassen schwer ist, machten alle Bewerber deutlich. Die Vorstellung, der Kreis könnte diese als freiwillige Leistung definierten Schulbetreuungsangebote noch deutlich stärker finanzieren, sah McGovern als nicht realistisch an. In der bestehenden Haushaltslage dürften freiwillige Leistungen nicht weiter erhöht werden.

Ehrenamtliche dürfen keine Lückenbüßer sein

SPD-Kandidatin Kirsten Fründt hielt ein Umdenken für nötig: in Wahrheit handele es sich doch nicht um freiwillige, sondern um notwendige Leistungen, um „den sozialen Frieden“ aufrecht und den ländlichen Raum attraktiv zu erhalten. Es dürfe nicht sein, dass Familien sich aus solchen Erwägungen dagegen entschieden, in die „Gemeinde A oder B zu ziehen“. Kirsten Fründt und Kai-Uwe Spanka setzen Hoffnungen auf verstärkte Kooperation und neue Modelle der Betreuung zusammen mit Bürgern und Vereinen - die aber frühzeitig in die Überlegungen eingebunden werden müssten, so Fründt.

Auch Marian Zachow von der CDU will bei diesem Thema „die Schule im Dorf lassen“ und sieht in ehrenamtlichem Engagement eine Chance, allerdings nicht, wenn die Bürger nur als Lückenbüßer herhalten sollten. „Das ist mit mir nicht zu machen“, so der Calderner Pfarrer. Stattdessen will er zum Beispiel die Wirtschaft ins Boot holen und auch ihren Beitrag zu Betreuungsprojekten einfordern. Schließlich profitierten von guten Schulen und Betreuung alle.

Deutlich wurde bei allen Kandidaten, dass sie wohl stärker als je zuvor auf die „Ideen der Bürger“ (Zachow) und deren Mithilfe beim Erhalt von Infrastruktur setzen. Ob Bürgerhaushalt (Hofmann), Ideenwerkstatt und lokale Bürgerdarlehen (Zachow) oder die Beteiligung an Genossenschaften (Spanka, McGovern): Das Expertenwissen der Bürger ist heiß begehrt. Diese Erkenntnis brachte OP-Moderator Götz Schaub gegenüber dem Publikum treffend, mit einem Augenzwinkern, auf den Punkt: „Sie sehen: Egal, wen sie am 8. September wählen - es kommt Arbeit auf Sie zu.“

Weiterer Bericht folgt.

von Michael Agricola

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