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Politik ist gut – aber nicht alles

Sandra Laaz Politik ist gut – aber nicht alles

Alleinerziehende Mutter, Hobby-Gärtnerin, Politi­kerin und immer ohne „Lappen“ unterwegs – all das ist Sandra Laaz. Der 43-Jährigen bedeutet ihr Leben als Politikerin viel, aber längst nicht alles.

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Quelle: Thorsten Richter

Mitten im Gemüse­beet geht es dem Salat an den nicht vorhandenen Kragen. Sandra Laaz macht kurzen Prozess – ein fester Griff, ein schneller Schnitt, und das rötlich schimmernde Gewächs landet im Korb. Die Arbeit auf dem Feld lenkt ab – ist entspannender Gegenpol zum Wahlkampf.
Als Mitglied bei Solwi (Solidarische Landwirtschaft) erhält Sandra Laaz einmal in der Woche frisches Gemüse vom Biobauern. Die gemeinschaftliche Arbeit auf dem Kirchverser Feld gehört für die 43-Jährige dazu. Ehrensache. Und die schmutzigen Hände sind auch kein Problem – der Transfer aus der Marburger Oberstadt zum 25 Kilometer entfernten Gemüsefeld schon eher: „Ich habe nie einen Führerschein gemacht. Entweder werde ich mitgenommen oder ich fahre mit dem Taxi“, sagt die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag. Wirklich schlimm findet sie das Leben ohne „Lappen“ nicht: „Ich bin oft mit dem Fahrrad unterwegs.“ Zudem sei der öffentliche Nahverkehr – im Vergleich zu anderen Landkreisen – recht gut ausgebaut. Aber besser geht es immer, findet Laaz: „Das Land finanziert den ÖPNV nicht ordentlich. Die Fahrpreise werden ständig erhöht – hier muss etwas passieren und das Land wieder mehr in die Pflicht genommen werden.“
Es ist eine tiefe Verbundenheit mit dem Landkreis, die Laaz umtreibt. In Marburg ist sie geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen, und hier hat sie ihre beiden Kinder zur Welt
gebracht. Häufig sieht man die Tagesmutter in der Oberstadt, wo sie wohnt und auch mit ihrer Kleinkinder-Gruppe unterwegs ist. Leicht zu erkennen ist sie dann zusammen mit den fünf kleinen Gestalten, die händchenhaltend durch die engen Gassen laufen. Der Beruf der Tagesmutter sei eine verantwortungsvolle Aufgabe, „die aber auch sehr viel Spaß macht“, sagt Laaz. Die Politik dürfe jedoch nicht zur Belastung werden. „Es ist nicht gut, in Gegenwart der Kinder gestresst zu sein.“

Schön, Ideen gemeinsam umzusetzen

Konfrontation gehöre aber nun mal zur Politik. Eine echte Probe für das Gemüt, oder etwa nicht? „Ja klar ist es nervig, wenn es nicht vorwärts geht, wenn es persönliche Anfeindungen gibt. Aber genauso schön ist es, wenn man eine Idee gemeinsam umsetzen konnte.“ So spielt die Politik eine wichtige, aber nicht die erste Rolle im Leben der 43-
Jährigen: „Meine Familie steht ganz klar im Mittelpunkt bei dem, was ich tue.“
Ihr geht es darum, das Privatleben ihrer Familie zu schützen. Gar nicht so einfach, wenn man bedenkt, welche Möglichkeiten das Internet mittlerweile bietet. „Man muss schon genau überlegen, was man ins Netz stellt. Ich versuche da eine strikte Trennung zwischen privatem und politischem Leben“, sagt Laaz.

"Es muss nicht immer der Grünkernbratling sein"

Diese Trennung einzuhalten, wird jedoch schwierig, wenn es um Themen geht, die unmittelbaren Einfluss auf die eigenen Lebensumstände nehmen. Im Fall von Sandra Laaz betrifft dies unter anderem den Veggi-Day. Eine Idee, die zunächst einmal gut sei, sagt die Grüne. Aus Erfahrung weiß sie, dass in den meisten Schulen ein hoher Anspruch von seiten der Eltern an die Verpflegung ihrer Kinder gestellt werde. „Regional soll es sein, am besten bio, dann noch Fleisch und natürlich alles zusammen noch möglichst günstig.“ Forderungen, die Kantinen zumeist nicht erfüllen könnten. Ein Tag ohne Fleisch wäre eine Möglichkeit, Abhilfe zu schaffen, meint Laaz: „Es muss ja nicht immer der Grünkernbratling sein“.
Und welche Themen beschäftigen die Tagesmutter sonst noch? „Die Entscheidung zum ärztlichen Bereitschaftsdienst halte ich für einen ganz großen Fehler, den ich sofort wieder rückgängig machen würde, wenn ich könnte.“ Die weiten Wege, die die Patienten im Kreisgebiet in Kauf nehmen müssten, um ärztliche Hilfe zu bekommen, seien nicht tragbar.
 

Betroffene ins Boot holen

„Für ein gutes Klima in Hessen“ steht auf den Flyern, mit denen Laaz für sich und ihre Partei wirbt. Ein Klima, das ihrer Meinung nach nicht ohne Windkraft auskommt. Konflikte entstünden häufig deshalb, weil die Windräder an den historischen Gemarkungen aufgestellt würden, die die Gemeinden voneinander trennen. „Klar, dass sich Empörung regt, wenn eine Nachbargemeinde die Windräder vor die Nase gestellt bekommt“, sagt Laaz. Hier müsse man besser vermitteln und „die Betroffenen mit ins Boot holen“.
Laaz ist stets um ein Miteinander bemüht, was ihr politische Konkurrenten schon mal als Schwäche auslegen. Sie selbst kann damit gut leben, im Wissen, dass es auch ein Leben
außerhalb der Politik gibt.

Steckbrief

Name: Sandra Maria Laaz
Alter: 43
Geburtsort: Marburg
Familienstand: ledig
Beruf: Tagesmutter
Was für ein Auto fahren Sie?: „Keines – ich habe keinen Führerschein.“
Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?: „Wahlkampf auf karibisch“ von V. S. Naipaul.
Ihr politisches Vorbild? : „Ich habe kein direktes Vorbild vor Augen, finde aber toll, was Martin Luther King erreicht hat.“
Für welches Themengebiet würden Sie sich bei „Wer wird Millionär“ eignen?: „Zu Kinderliedern könnte man mich bestimmt anrufen.“
Wovon haben Sie keine Ahnung?: „Wie man einen Weihnachtsstern über den Winter bekommt.“

von Dennis Siepmann

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