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Wie wollen Sie bezahlbaren Wohnraum schaffen?

Eine Frage, sechs Antworten Wie wollen Sie bezahlbaren Wohnraum schaffen?

Was werden Sie im Bundestag tun, damit im Landkreis ausreichend zusätzlicher und bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird?

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Quelle: Thorsten Richter

Sören Bartol (38), Diplompolitologe (SPD)

Ich setze mich dafür ein, dass das SPD-Aktionsprogramm für eine solidarische Stadt und bezahlbares Wohnen umgesetzt wird, an dem ich mitgearbeitet habe. Dazu gehört, die Mietpreisspirale zu stoppen und den Neubau gezielt zu fördern. Neben der Fortführung der Mittel für die soziale Wohnraumförderung will die SPD Genossenschaften fördern, die neu bauen. So schaffen wir Wohnungen auch für mittlere Einkommen. Wir wollen, dass öffentliche Grundstücke nicht immer nur an den Meistbietenden gehen, sondern ihre Vergabe daran geknüpft wird, dass bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird. Der altersgerechte Umbau ist eine große Zukunftsaufgabe. Mein Ziel ist, dass jeder Mensch in Würde bis ins hohe Alter in den eigenen vier Wänden und im vertrauten Wohnumfeld leben kann. Gegen die steigenden Energiekosten, die immer mehr zu einer zweiten Miete werden, wollen wir das energetische Sanieren und Bauen, aber auch die dezentrale Wärme- und Energieversorgung im Quartier verlässlich fördern.

Jörg Behlen (45), Landwirt (FDP)

Die Länder auffordern, die Grunderwerbssteuer möglichst zu senken, denn die dreisten Erhöhungen der vergangenen Jahre belasten Eigentümer und Mieten gleichermaßen.
Einer weiteren Überregulierung des Wohnungsmarktes (zum Beispiel Mietpreisbremse) würde ich die Zustimmung verweigern. Wer bitte soll sein Geld in Wohnraum investieren, wenn dieser Bereich immer weiter drangsaliert wird? Entweder wir wollen nur noch Staatsbauten wie in der DDR mit günstigen Mieten, oder wir erkennen an, dass private Initiative bessere Ergebnisse bringt.

Janis Ehling (27), Student (Die Linke)

Notwendig ist eine Offensive für den sozialen Wohnungsbau. Alle Bundes- und Landesregierungen haben in der Vergangenheit auf den Markt als Steuerungsinstrument gesetzt. Die Folgen sind steigende Mieten und Verdrängung ärmerer Mieter/innen in Ballungszentren und Universitätsstädten wie Marburg. In Hessen ist die Zahl der Sozialwohnungen in den letzten 20 Jahren von 205 000 auf 123 000 geschrumpft. Diese Entwicklung möchte ich umkehren. Bundesweit müssen rund 150 000 Sozialwohnungen jährlich entstehen, davon mindestens 4000 in Hessen. Der Bund muss Länder und Kommunen finanziell besser ausstatten, um sozialen Wohnungsbau zu fördern. Deshalb würde ich mich im Bundestag für die Einführung der Vermögenssteuer als Millionärssteuer einsetzen, die den Ländern zugutekommt. Mieten müssen gedeckelt werden. Kommunen sollen das Recht erhalten, Höchstmieten festzulegen. Wohnungsleerstand im ländlichen Raum muss mit einer guten Infrastruktur und besseren ÖPNV-Anbindungen begegnet werden.

Stefan Heck (30), Rechtsanwalt, (CDU)

Die Wohnraumsituation im Landkreis Marburg-Biedenkopf ist sehr unterschiedlich: Während in der Stadt Marburg Wohnungen gesucht werden, haben es Vermieter in unseren Dörfern oft schwer, ausreichend Mieter zu finden. Deshalb ist es für die Lösung des Wohnraumproblems zunächst einmal unerlässlich, das Leben auf dem Land attraktiver zu machen: Wir brauchen bessere Verkehrsanbindungen durch die A 49 und die B 252, eine flächendeckende Gesundheitsversorgung und überall schnelles Internet. Nur dann werden auch künftig Menschen bereit sein, sich neu in unseren Dörfern niederzulassen.
Im Bundestag möchte ich zudem mit gezielten Anreizen mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen. Die CDU hat bessere Abschreibungsmöglichkeiten für den Mietwohnungsbau in ihrem Wahlprogramm verankert. Ich möchte außerdem den sozialen Wohnungsbau stärken, damit auch mehr bezahlbare Studentenwohnungen in Marburg entstehen. Wir brauchen zudem endlich eine wirkungsvolle Mietpreisbremse, damit Wohnen bezahlbar bleibt.

Matthias Knoche (51), Kaufmännischer Prokurist bei der GeWoBau, Bündnis 90/Die Grünen

Unser Landkreis hat zwei Gesichter. In Neustadt oder Biedenkopf gibt es keine Wohnungsnot. Hier brauchen wir eine großzügige öffentliche Förderung für diejenigen, die nicht in ein Altenheim wollen und für diejenigen, die ihr Haus oder ihre Wohnung mit erneuerbaren Energien beheizen wollen.
Die Wohnungsnot in den Städten ist nicht vom Himmel gefallen. Bund und Länder haben im letzten Jahrzehnt die Wohnraumförderung um unglaubliche 60 Prozent zusammengestrichen. Für Marburg ist das bitter: Vor allem kleine Haushalte, Studierende, Alleinerziehende, Azubis und Alleinlebende mit niedrigem Einkommen zahlen den Preis. Ich werde mich gemeinsam mit Bundestagsabgeordneten anderer Uni-städte für ein Sonderbauprogramm „Soziale UniStadt“ einsetzen, damit im nahen Umfeld der Universität studentischer Wohnraum entsteht. Dies wird den städtischen Wohnungsmarkt entlasten.
Bezahlbar bleibt Wohnraum aber nur, wenn wir zusätzlich zum Neubau anspruchsvoll energetisch modernisieren. Wir Grünen wollen die Fördermittel für die Gebäudesanierung auf jährlich 2 Milliarden Euro anheben und einen Energiesparfonds mit 3 Milliarden Euro einrichten.

Michael Weber (44), Gen-Ingenieur, Piraten Partei

Ich möchte dafür werben, dass die Stadt Marburg ein integriertes Stadtentwicklungskonzept auf Basis der langjährigen Vorarbeiten seiner Agendagruppen vorlegt, in dem zwecks Wohnraumschaffung, Lärmreduktion und Schadstoffverringerung im Bereich Gisselberg bis Cölbe die Untertunnelung und Überbauung der B3a-„Stadtautobahn“ als zentraler Bestandteil enthalten ist. Nach dem Vorbild von Saarbrücken sehe ich gute Chancen für Marburg, für die Umsetzung EU-Mittel und auch Gelder von Bund und Land zu erhalten. Auch die Bewerbung zur Bundesgartenschau kann in ein solches Konzept integriert werden, um weitere Finanzierungsmöglichkeiten zu erschließen. Und nein, es geht nicht darum, alles in einem Rutsch zu schaffen – auch Teilstücke zu realisieren wäre schon ein erheblicher Gewinn. Der Wohnraumgewinn bietet zudem eine weitere Möglichkeit zur Teilgegenfinanzierung.
Ein zweiter wichtiger Ansatz im Kontext zur Thematik Wohnraummangel ist die Umgestaltung des Konzepts ÖPNV. Marburg Stadt und Marburg Kreis könnten diesbezüglich zusammengeschlossen werden. Es sollte ein solidaritätsbasierter fahrscheinloser ÖPNV etabliert werden, der für alle gleichberechtigt nutzbar ist, die Außenbezirke solide anbindet und diese somit auch als Wohnraum kurzfristig attraktiver macht.

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