Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
Schenk mir einen bunten Luftballon ...

Parteien im Wahlkampf Schenk mir einen bunten Luftballon ...

Samstagmorgen in der Oberstadt. Es regnet. Kein guter Tag für die vielen Parteimitglieder, die an den Wahlkampfständen ausharren, um auch die letzten Unentschlossenen noch zu überzeugen.

Voriger Artikel
Ü wie Überhangmandat
Nächster Artikel
Zwangsweise Nichtwähler

Reiche Ausbeute: Die OP-Redakteure Anja Luckas und Tim Gabel nach ihrem Ausflug in die Oberstadt.

Quelle: Thorsten Richter

Wir bleiben stehen. Doch wir wollen an diesem Morgen nicht über Politik reden. Wir sind auf der Jagd - nach Werbegeschenken. Ein Protokoll.

Auf dem Marktplatz empfängt uns die FDP, unschwer zu erkennen an dem blau-gelben Sonnenschirm. Auch Christoph Ditschler, Direktkandidat für die Landtagswahl, trägt Gelb. „Wir haben uns für nützliche Dinge entschieden“, sagt er und drückt uns einen Schwamm (blau-gelb, versteht sich) in die Hand. Dazu gibt es Gummibärchen, einen Chip für den Einkaufswagen, ein Skat-Spiel, Kugelschreiber und Luftballons. Und für Hunde liegt auch noch ein kleines Leckerli bereit. Nicht schlecht. „Informationsbroschüren werden meist von Schülern verlangt“, weiß Ditschler, „für den Politikunterricht“. Ansonsten reiche den meisten Bürgern ein Flyer.

Die gibt‘s auch bei der SPD reichlich. Dazu: Aufkleber, Luftballons, Kugelschreiber, Post-its, einen Block mit Einkaufszetteln. Streichhölzer haben die Sozialdemokraten auch im Angebot - zwei sind allerdings schon abgebrannt, denn „Auch hier sind wieder nur die Roten zu gebrauchen“. Für die Kleinen halten sie den Wa(h)lfisch für die Badewanne. „Was glauben Sie, wer da plötzlich alles Kinder hat...“, sagt Gabriele Leder. Leider muss sie uns aber enttäuschen. „Hätte, hätte Fahrradkette“, den Flaschenöffner mit dem Steinbrück-Spruch, kann sie leider nicht anbieten.

Direkt daneben: die Grünen. Ein klitzekleiner Tisch, aber die umstehenden Pfeiler und Laternen sind mit Sonnenblumen geschmückt. In Sachen Werbegeschenke ist bei den Grünen Schmalhans Küchenmeister. Anstatt Luftballons gibt es hier ein grünes Windrad, Ende des Angebots. „Wir geben den Leuten keinen Krimskrams, sondern Inhalte mit nach Hause“, sagt Christa Perabo und gibt uns die Heftchen „Hessen wechselt in Kürze“ und „Neun Gründe für Grün“ mit auf den Weg.

Bei der CDU fahren Theodor Gölzhäuser und Co. eine andere Strategie: „Durch die Umfragen sind sich inzwischen viele schon ziemlich sicher, wie die Wahl ausgeht über Inhalte reden wir hier nur noch selten“, sagt er. Dafür betreibt die CDU den Geschenke-Wahlkampf offensiv. Ein Luftballon-Beauftragter versorgt die politikmüden Oberstadt-Touristen schon Meter vor dem Stand. An dem liegen dann Basics wie Kugelschreiber, Post-its und Pfefferminz und als Spezialität zur Landratswahl ein Erfrischungstüchlein mit dem Konterfei von Marian Zachow.

Lebhafter Wahlkampf am Stand der Linken: ein Passant wirft den Genossen am Rand der Sachlichkeit vor, sie wären die zweite SED. „Die können uns ja sagen, was an unserem Programm Scheiße ist, aber einfach die alten Vorurteile rauskramen...“, Sebastian Chwala schüttelt den Kopf, gibt uns aber noch Gummibärchen, Pfefferminz und Kugelschreiber.

Etwas weiter ab vom trubeligen Marktgeschehen finden sich die Stände der Klein- und Kleinstparteien. Da kann man richtige Schätze finden. Die Öko-Demokraten von der ödp verteilen einen Fahrradsattel-Regenschutz mit Parteilogo und Kressesamen. Die Eurokritiker der AfD wollen wohl nicht nur mit den Griechenland-Hilfen sparsam sein. Auch Werbegeschenke gibt es hier nicht, bloß einen Aufkleber: „Gib Deutschland eine Chance“.

von Tim Gabel und Anja Luckas

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Wahl-Berichterstattung

Top 3 und Flop 3 der Wahllokale: Kandidaten im Vergleich

Altkreis Marburg entscheidet für Löber

Bis ganz zum Schluss musste Angelika Löber zittern: Nach 23 Uhr am Sonntagabend stand fest, dass die Lahntalerin in den Hessischen Landtag einzieht. mehr

KommentareKommentar