Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Peer Steinbrück bleibt auf dem Fahrersitz

Große Koalition? Peer Steinbrück bleibt auf dem Fahrersitz

Peer Steinbrück macht sich Gedanken, wer nach der Bundestagswahl vom 22. September „im Fahrersitz“ einer großen Koalition sitzen soll.

Voriger Artikel
U wie wie ungültige Stimmen
Nächster Artikel
Ü wie Überhangmandat

Der Kanzlerkandidat der SPD Peer Steinbrück (r) spricht am 11.09.2013 in Mönchengladbach (Nordrhein-Westfalen) in der Wahlarena nach der Sendung mit den Zuschauern. Steinbrück stellte sich live den Fragen von Studiogästen. Foto: Oliver Berg/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Quelle: Oliver Berg

Berlin. Bei der ARD-Wahlarena in dieser Woche ging der SPD-Kanzlerkandidat mit dieser bangen Gegenfrage auf das staunende Publikum zu. Die Umfrageinstitute versprechen keine klaren Mehrheitsverhältnisse. Angela Merkel, die CDU-Chefin, ist erstaunlich guter Laune. Die FDP hat sich auf die Union als alleinigen Koalitionspartner „zurzeit“ festgelegt. Und Peer Steinbrück hat das Gefühl, er mache mittlerweile einen richtig guten Wahlkampf, leider renne ihm die Zeit davon. Das alles lässt viel Platz für immer neue Spekulationen.

Seit der schmerzhaften SPD-Pleite bei der Bundestagswahl vor vier Jahren, als es das historisch niedrigste Nachkriegsergebnis gab, ist klar, am Wahlabend sollte man möglichst schnell Fakten schaffen. Damals ließ sich SPD-Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier ganz rasch grünes Licht für eine Wiederwahl als Fraktionsvorsitzender geben. In der Wahlnacht vor acht Jahren hatte Gerhard Schröder, damals noch Kanzler, Angela Merkel im vollen Adrenalinrausch öffentlich den Satz entgegengeschleudert, die SPD werde sie „nie“ zur Regierungschefin wählen. Wenig später gab es doch die große Koalition und Schröder war weg.

Steinbrück will bleiben

Für Peer Steinbrück steht mittlerweile fest, dass der Spitzenwahlkämpfer selbst die TV-Häuptlingsrunde an diesem Wahlabend bereichern wird. Weder SPD-Chef Sigmar Gabriel noch einer der SPD-Ministerpräsidenten solle die Deutungshoheit am Wahlabend haben, lautet die Begründung. Steinbrück will noch bleiben, egal wie die Wahl ausgeht.

Steinbrück hat nach zehn Monaten eher depressiv stimmender Wahlkampf-Akrobatik seit kurzem wieder zu sich selbst gefunden. Bei der ARD-Wahlarena an diesem Mittwoch tänzelte er 75 Minuten lang gekonnt durchs Studio und bemühte sich um kurze, knappe Antworten auf die Publikumsfragen. Bei ihm war die Einschaltquote deutlich besser als zwei Tage zuvor an gleicher Stelle bei Angela Merkel. Selbst die Gruppe der Jung- und Nichtwähler fand den Sozialdemokraten offenbar interessanter. Nur die Frauen nicht - wie immer. All das macht Steinbrück Mut auf mehr. Er behauptet, würde der Wahlkampf noch zwei Wochen länger dauern, dann käme die SPD deutlich gestärkt heraus. Hinzu kommt, dass die Union erkennbar die AfD-Konkurrenz fürchtet.

Es gibt Hinweise aus der SPD, dass Steinbrück am Steuer und im Fahrersitz bleiben will. Fest steht, sollte der „Plan B“ zum Tragen kommen - keine rot-grüne Regierungschance - dann will der Kanzlerkandidat auch als Spitzenverhandler für eine große Koalition dabei sein. Er selbst habe ja nur klipp und klar ausgeschlossen, persönlich in eine große Koalition unter CDU-Führung einzusteigen („Das muss ich mir nicht noch einmal antun!“).

Gute Kontakte zur FDP

Steinbrück hält sich von Haus aus auch zugute, dass er exzellente Kontakte zur FDP pflegt. Auch sein Studienfreund und FDP-Strippenzieher Wolfgang Kubicki weist immer wieder demonstrativ auf das „vernünftige Denken“ des SPD-Kanzlerkandidaten hin. Zwar haben die Liberalen gestern Abend in Mainz demonstrativ ein glasklares Nein zur rot-gelb-grünen Ampelkoalition verabschiedet. Aber was im Fall des Falles mitten in der Legislaturperiode sein könne, ist damit nicht beantwortet.

So gedeiht am Ende einer wirren Prognoselage kurz vor der Wahl ein ganz besonderes Koalitionsspiel: Würde eine nach der Wahl aus der Not heraus geborene große Koalition vor der Zeit enden, stünde dann mit Steinbrück im Wartestand doch noch eine Ampel-Alternative bereit.

von Dieter Wonka

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Peer Steinbrück in Marburg

Eines der Lieblingsworte von Peer Steinbrück während seines Auftritts im Cineplex ist „Kreisverkehr“. Damit meint der SPD-Kanzlerkandidat das Agieren Merkels; er selbst wolle der Politik wieder eine Richtung geben.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Bundestagswahl

Wahl-Berichterstattung

Top 3 und Flop 3 der Wahllokale: Kandidaten im Vergleich

Altkreis Marburg entscheidet für Löber

Bis ganz zum Schluss musste Angelika Löber zittern: Nach 23 Uhr am Sonntagabend stand fest, dass die Lahntalerin in den Hessischen Landtag einzieht. mehr

KommentareKommentar