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Hahns halbherzige Distanzierung von Behlen

FDP-Äußerungen Hahns halbherzige Distanzierung von Behlen

Jörg Behlen hat die Grünen mehrfach als "Ökofaschisten" bezeichnet. Die Kritik folgte auf dem Fuß - und eine halbherzige Distanzierung der hessischen FDP-Spitze.

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Die Grünen sind „Ökofaschisten“, kommentiert FDP-Bundestagskandidat Jörg Behlen die Forderungen der Grünen nach einem „Veggie-Tag“.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Der Landesvorsitzende Jörg-Uwe Hahn und Fraktionschef Wolfgang Greilich sagten dem Radiosender HR-Info, die Wortwahl des Marburger Kandidaten Jörg Behlen sei nicht der Stil der FDP Hessen. Personelle Konsequenzen werde es keine geben. Eine inhaltliche Distanzierung sieht aber anders aus, sagt nicht nur die Grüne Spitzenkandidatin für die Landtagswahl, Angela Dorn. Die Marburgerin bezeichnete die Äußerungen als „Geschichtsvergessenheit“ und den Vorschlag absurd, „den Faschismus mit diesen Gräueltaten“ als Vergleich heranzuziehen.

Behlen nennt die Grünen auf seiner Facebook-Seite gleich an mehreren Stellen „Ökofaschisten“. Den Vorschlag eines vegetarischen Tages konterte er mit dem Verweis auf kollektives Eintopfessen unter den Nationalsozialisten. Als Vergleich zieht der Landwirt ein nationalsozialistisches Plakat mit einen Suppentopf heran, neben dem der Slogan „80 Millionen eint das“. „Das Eintopfplakat war ein Werbemittel der Nazis, um kollektives Handeln anzupreisen. Mir sind keine Reichsgesetze bekannt, in denen Kantinen der Eintopftag vorgeschrieben wurde. Damit wird dezidiert nicht behauptet, wer anderen das Essen vorschreibt, würde Konzentrationslager betreiben wollen. Es geht einzig um die Frage, was wir im Namen des Kollektivs an Vorschriften erdulden wollen“, schreibt Behlen.

Für Dorn sind diese Äußerungen nicht nachvollziehbar. „Der Veggie-Tag soll den Kantinen einen Anreiz geben“, der sich im Falle einer Regierungsbeteiligung der Grünen dann auch finanziell widerspiegeln soll. „Wie so ein fleischloser Tag ausgeführt werden soll, ist aber den Kantinen überlassen“, sagte Dorn. Der hessische Grünen-Vorsitzende Tarek Al-Wazir reagierte ebenfalls empört. „Solche perfiden Vergleiche der Politik einer demokratischen Partei wie der Grünen mit den menschenverachtenden Verbrechen des Faschismus und seiner Opfer in Europa verbieten sich für jeden aufrechten Demokraten“, sagte er.

Behlen kritisiert, dass Bezeichnungen in der medialen Berichterstattung aus dem Zusammenhang gerissen worden seien. Der Landwirt hatte das Aufräumen in dem „rot-grünen Sumpf“ von Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel nach einem FAZ-Bericht gelobt. Einen Artikel über die Grünen mit Äußerungen des Parteivorsitzenden Cem Özdemir kommentierte er mit „diese Ökofaschistidioten sind derart hirnverbrannt“. Die Angreifer auf den AfD-Vorsitzenden bezeichnete Behlen als „rot-grün-braunen Mob“.

Bereits im Juni hatte der hessische FDP-Landtagsabgeordnete Alexander Noll den Grünen wegen ihrer Forderung nach einem Tempolimit „Ökofaschismus“ vorgeworfen. Schon damals forderte die Partei eine Entschuldigung, was die FDP ablehnte. Damals sagte Landeschef Jörg-Uwe Hahn in einem Interview mit der HNA, er fände das Wort „nicht so schlimm“, auch wenn er selbst es nicht benutzen würde.

„Als Vorsitzender der FDP kann sich Hahn nicht einfach heraushalten, sondern muss eine klare Ansage machen. Solche Aussagen verbieten sich für jeden aufrechten Demokraten“, sagte der Grünen-Parteivorsitzende Tarek Al-Wazir. Dorn sieht in den Äußerungen nicht den demokratischen und liberalen Geist der FDP. „Dies ist mit der Tradition der Liberalen nicht vereinbar.“

von Andreas Arlt und unserer Agentur

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