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Fremd-Häme und Selbstkritik bei den Grünen

Auch erfolglos: Fremd-Häme und Selbstkritik bei den Grünen

So geht Jubel: Als um 18 Uhr das FDP-Ergebnis über die Leinwand flimmert, reißen fast 2000 Grüne in der Berliner Columbiahalle die Hände hoch. Dem politischen Erzfeind droht nach der ersten Prognose von 4,7 Prozent der Gang in die außerparlamentarische Opposition.

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Die Spitzenkandidaten Jürgen Trittin (r.) und Katrin Göring-Eckardt bedanken sich bei der Basis. Foto: Jens Büttner

Quelle: Jens Büttner

Berlin. Doch die Ernüchterung folgt nur Sekunden später: Bei 8,0 Prozent verharrt der grüne Balken. Das sind satte 20 Prozent weniger als in den Umfragen im April 2011 nach dem Fukushima-Gau. Ein langes „Oohhhhhh“ zieht durch den Saal. Das war es dann also mit der so schön geplanten Wahlparty. Die Grünen hatten mit einem mäßigen Ergebnis gerechnet nach den Diskussionen der vergangenen Wochen. Doch dass es so dicke kommt, dass die Partei nur einstellig ist und vielleicht das zweitschlechteste Wahlergebnis seit 1998 einfährt - damit nicht.

„Wir haben unsere Ziele nicht erreicht“, sagt Fraktionschef und Spitzenkandidat Jürgen Trittin nüchtern. Da ist es schon 18.45 Uhr. Eine dreiviertel Stunde hat die Grünen-Spitze die Anhänger zunächst warten lassen, weil man noch auf bessere Hochrechnungen hoffte. Der Saal hält sich mit Bier und Brezeln bei Laune. Außerdem werden bei jeder neuen Hochrechnung zur AfD „Nazis raus“-Rufe laut.

Trittin unendlich müde

Trittin sieht unendlich müde aus. Die letzten Wochen haben Spuren hinterlassen. Genau wie Co-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt kündigt er an, die Niederlage in Ruhe zu analysieren und sich vor allem „gemeinsam aus dem Loch“ herauszukämpfen. Doch ob es dazu kommt, ist fraglich. „Es ist alles offen“, heißt es aus dem Parteirat, der schon am Nachmittag fiebrig tagte. Das bezieht sich sowohl auf mögliche Koalitionen wie auf die künftige Besetzung der Parteispitze. Schwarz-grüne Befürworter findet man in der Columbiahalle zwar eher selten, doch intern gehen die Planspiele weiter. „Ich wäre nicht unglücklich, wenn uns eine Alleinregierung der Union erspart bleibt“, orakelt Parteichef Cem Özdemir. Er gilt als möglicher Türöffner für Schwarz-Grün. Offiziell sagt er dazu am Sonntagabend erstmal nichts. Einer seiner mächtigsten Verbündeten ist Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Der poltert dagegen: „Wir können sicher nicht alles richtig gemacht haben. Auch die Steuer­politik gehört dazu.“ Und: „Bei Sondierungen ist man immer dabei.“ Das klingt nach Abrechnung und nach Angebot.

Gespräche mit der CDU?

Klar ist: Die Tage nach der Wahl werden für die Grünen mindestens so turbulent wie die vor der Wahl. Noch am Abend trafen sich Realos und Linke in getrennten Runden. Heute tagen die Gremien. Dann wird es zunächst darum gehen, ob und in welcher Form überhaupt Sondierungsgespräche mit der Union geführt werden.

Dafür braucht man Trittin schon noch, heißt es süffisant in der Parteispitze. Erst danach könnte es eng werden für den Fraktionschef. Angeblich steht der bayerische Verkehrsexperte Anton Hofreiter als Nachfolger bereit. Die Realos könnten Trittin in seiner schwächster Stunde stürzen, die Parteilinke baut schon mal vor: „Das Ergebnis ist zu schlecht, um es allein ihm und Göring-Eckardt anzulasten“.

von Patrick Tiede

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