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Zusammenhalt und Willensstärke

Serie "50 mit 50" Zusammenhalt und Willensstärke

Es sind nicht die Narben an ihren Beinen, die ihre Lebensgeschichte erzählen. Es ist das Lächeln in ihrem Gesicht. Claudia Schneider hat im Jahr 2014 viele Gründe zu feiern: Sie hat ihr wohl größtes Lebensziel erreicht.

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In Leidenhofen hat Claudia Schneider den Ort gefunden, an dem sie glücklich ist.

Quelle: Marie Lisa Schulz

Leidenhofen. Sie war immer eine von vielen. Aber einen Namen, eine Identität, die hatte sie immer. Bis zu dem Tag, als sie für ein paar Stunden zu einer Unbekannten wurde. Eine junge Frau ohne Namen und erst recht ohne Erinnerung. Beim Überqueren der Biegenstraße erfasste sie ein Auto. 27 Jahre ist das nun her. Die Knie wurden zertrümmert, der Kopf schlug auf. Dunkelheit. Sie lag auf dem Boden, ihre Ausweispapiere zu Hause auf dem Küchentisch. Aus einer von vielen wurde eine Besondere. Die, deren Namen niemand im Klinikum kannte. Erst als sie wieder aufwachte, kehrte nach und nach die Erinnerung zurück. An den eigenen Namen, das eigene Leben, die eigene Geschichte. Erst dann wurde aus Patientin ohne Identität wieder Claudia Schneider. Eine junge Frau, die gelernt hatte, sich durchzusetzen. In jeder Lebenslage.Die bereit ist, für ihre Ziele zu kämpfen und einzustehen.

Ihr Ziel damals: wieder gesund werden und als Kinderkrankenschwester weiter arbeiten. Gegen 600 Mitbewerber hatte sie sich schließlich durchgesetzt und die Ausbildung absolviert. Damals wie heute ist das ihr Traumberuf. „Es kommt so viel zurück von den Kindern“, sagt sie. Claudia Schneider kämpfte verbissen. Gegen die Schmerzen und gegen die schlechten Heilungsprognosen, die ihr die Ärzte machten. „Ich wollte mit aller Gewalt in diesem Beruf bleiben.“

Heute, 27 Jahre später, erinnern zahlreiche Narben an ihren Beinen und Armen an den schweren Unfall. Absatzschuhe kann sie keine tragen - will sie aber auch nicht. Sich künstlich größer machen - das ist ohnehin nicht ihre Art. Trotzdem scheint sie in den vergangenen Monaten ein bisschen gewachsen zu sein. Vor Stolz. 2014 ist für Claudia Schneider ein besonderes Jahr. 5o ist sie geworden. Zeit für eine kleine Zwischenbilanz. Sie ist glücklich. Und stolz. Auf ihren Sohn und ihre beiden Töchter - und ein bisschen auch auf sich selbst. Weil sie alle drei mit einem guten Gefühl ins Leben entlassen kann. Sie alle haben ihren Schulabschluss gemacht - sie alle haben feste Zukunftspläne. Claudia Schneider ist alleinerziehend. Sie hat den Alltag mit drei Kindern allein bestritten. Voller Einsatz im Beruf, voller Einsatz zu Hause. Nach einer Acht-Stunden-Schicht im Krankenhaus folgte der ganz normale Alltag: putzen, kochen, einkaufen, Trost spenden, Vokabeln abfragen, die Kinder zu Terminen fahren, da sein.

Ihre Jüngste Tochter ist kürzlich erst 19 Jahre alt geworden, hat gerade erst das Abitur bestanden. Und Claudia Schneider atmet zum ersten Mal seit Jahren durch. „Es war viel. Aber wir haben es geschafft. Jetzt ist alles offen. Meine Kinder zu begleiten, das war mein Ziel. Und das habe ich jetzt erreicht. Ich finde, darauf darf ich auch ein bisschen stolz sein.“

Darf sie. Der Stolz lässt sie glücklich aussehen. So, als sauge sie das Leben nur so in sich auf. Und das Leben, das spielt für die 50-Jährige in ihrem Heimatort Leidenhofen. Links neben ihr wohnt ihr Sohn, zwei Häuser weiter, auf einem Hof, ihr Bruder und ihre Mutter. „Wir wohnen alle nebeneinander. Jeder hat seinen Freiraum und trotzdem geht hier alles Hand in Hand“, sagt sie. Die Familie ist ihr wichtig. Sie gibt ihr Halt, sie ist ihr Lebensmittelpunkt. „Ich bin mit zwei Omas aufgewachsen. Mit meinem Bruder habe ich mich bis heute nicht gestritten. Es war einfach immer einer da.“ Besonders in der Zeit, als sie sich selbst allein fühlte. Ihre Eltern und ihr Bruder packten mit an. Halfen, als es darum ging, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen.

Sie ist ein Kind aus der Zeit des Babybooms. Nie allein. Immer viele. Beim Spielen im Dorf. In der Schule. Auf dem Arbeitsmarkt. „Es war schon anstrengend sich durchzusetzen“, sagt die 50-Jährige rückblickend. Anstrengend - aber lohnenswert. Denn Claudia Schneider hat ihr Lebensziel erreicht: Sie ist glücklich.

von Marie Lisa Schulz

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