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Zurück in die ganz ferne Vergangenheit

Steinzeit-Tage auf der Zeiteninsel Zurück in die ganz ferne Vergangenheit

Viele wichtige Entdeckungen und Entwicklungen wie die „Zähmung“ des Feuers, die Erfindung des Rades, der Beginn der Sesshaftigkeit und die Entwicklung der Landwirtschaft sowie künstlerischer Ausdrucksweisen fallen in die Steinzeit.

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Steinzeittage auf der Zeiteninsel Argenstein: Zoe (9 Jahre) und Torsten Jäger stellten Schmuck her mit Stella (12 Jahre) und Eleni (10 Jahre).

Quelle: Thorsten Richter

Argenstein. „Ein Steinabschläger braucht vor allem einen großen Vorrat Heftpflaster“, verkündete Dr. Robert Graf seinen Zuhörern scherzhaft. Tatsächlich sind die Klingen, Pfeil- und Speerspitzen, die der Archäologe aus Winhöring (Landkreis Altötting), international gefragter Experte für die Epoche der Steinzeit und für Experimental-Archäologie, aus Feuerstein und Obsidian (vulkanisches Gesteinsglas) herstellte, rasiermesserscharf.

Fasziniert folgten Alt und Jung seinen Erläuterungen und Vorführungen der verschiedenen Schlag- und Drucktechniken, mit deren Beherrschung Graf sicher auch in der bis vor etwa 5000 Jahren dauernden Steinzeit gefragt gewesen wäre.

Viele wichtige Entdeckungen und Entwicklungen wie die „Zähmung“ des Feuers, die Erfindung des Rades, der Beginn der Sesshaftigkeit und die Entwicklung der Landwirtschaft sowie künstlerischer Ausdrucksweisen fallen in die Steinzeit.

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Auch andere technologieorientierte der insgesamt 15 Stände bei den Steinzeit-Tagen, die am Wochenende auf dem Gelände des archäologischen Freilichtmuseums „Zeiteninsel“ stattfanden, waren laut Dr. Andreas Thiedmann mit hochkarätigen Fachleuten besetzt.

Beispielsweise war Anne Reichert aus Ettlingen dabei, die deutsche Koryphäe für die Verarbeitung von Pflanzenfasern. Aus Linden-, Ulmen- oder Pappelbast oder Brennnesseln entstanden textile Produkte wie Umhänge oder Hüte in der Steinzeit, führte sie vor. Gerhard Kalden aus Homberg/Efze zeigte die Bearbeitung von Tierfellen und Leder.

Dr. Sonja Guber vom Bieneninstitut Kirchhain erläuterte die Honiggewinnung vom Honigjagen in der Mittelsteinzeit bis zu Anfängen der Imkerei in der Jungsteinzeit. Und Archäotechniker Wulf Hein aus Birstein, ­unter anderem Experte für Knochen- und Elfenbeinbearbeitung, zeigte eine Vielzahl selbst gemachter Werkzeuge und Waffen, wie sie in der Steinzeit genutzt wurden, und wusste aus eigenen Versuchen Interessantes über deren Verwendung und Effektivität zu berichten.

So sollte man mit einem Speer, den man mit einer Schleuder wirft, mindestens 20 Meter Abstand vom Ziel halten. Erst nach dieser Strecke hat sich die Waffe, die anfangs hin und her schwingt, auf ihrer Flugbahn stabilisiert. Dann aber entwickelt sie eine gehörige Durchschlagskraft. Auf einem Schrottplatz seien „steinzeitliche“ Speere bei Tests durch Türen von Autos eingedrungen und auf der anderen Seite wieder ausgetreten. Das Schleudern von Speeren durfte­ man ebenso selbst ausprobieren wie das Feuermachen mit ­einem Bogen, eine steinzeitliche „Bohrmaschine“, Schmuckherstellung aus Ton und Stein, Felszeichnungen ritzen oder malen und verschiedene andere Dinge mehr.

Eine spannende und anschauliche Art der Geschichtsvermittlung, die bereits Vorfreude auf die ­Eröffnung des Museums macht, wenn alles klappt, in drei Jahren. Die Preisträger-Entwürfe für das zukünftige Besucherzentrum auf dem Gelände wurden ebenfalls am Wochenende präsentiert.

Weitere Infos im Internet unter www.zeiteninsel.de

von Manfred Schubert

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