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Zu jung fürs Doppelgrab

Friedhofsordnung Zu jung fürs Doppelgrab

Die Zugangsvoraussetzungen für den Kauf einer Doppelgrabstätte gehörten zu den Themen, mit denen sich die Gemeindevertretung Ebsdorfergrund am Montag beschäftigte. Nur wer das 55. Lebensjahr vollendet hat, darf in der Gemeinde Ebsdorfergrund ein solches Grab kaufen.

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Über den Tod hinaus miteinander verbunden sein: Wenn der Ehepartner stirbt, entscheiden sich Hinterbliebene mitunter für ein Doppelgrab. Im Ebsdorfer Grund gibt es dafür Einschränkungen.

Quelle: Thorsten Richter

Dreihausen. Der Vorstoß kam von Gemeindevertreter Michael Preiß aus der Fraktion von ÜBE / FWG – und er blieb ohne Erfolg. Preiß hatte beantragt, eine Regelung aus der Friedhofsordnung aufzuheben. Diese besagt, dass nur Doppelgrabstätten auf den gemeindlichen Friedhöfen bei einem Sterbefall abgegeben werden, wenn die für die zweite Grabhälfte vorgesehene Person bereits das 55. Lebensjahr vollendet hat zu dem Zeitpunkt, da die erste Person stirbt.

Preiß war überzeugt, dass diese Regelung, die einst aus der Platznot auf den Friedhöfen heraus entstanden sei, nun nicht mehr gebraucht werde. Durch veränderte Grabstellennutzung mit alternativen Bestattungsformen wie beispielsweise Urnengräbern sei inzwischen ausreichend Platz vorhanden.

Die Grünen pflichteten Preiß bei und unterstützten seinen Antrag. Es gehe um Pietät – und nicht etwa um wirtschaftliche oder sonstige Erwägungen, erklärte Fraktionsvorsitzende Irene Soltwedel-Schäfer und verwies darauf, dass man die Familien individuell entscheiden lassen müsse, auf welche Art und Weise sie bestattet werden wollen. „Jeder sollte sich das selbst aussuchen können“, betonte sie und griff zugleich die SPD an. „Fragen Sie sich jetzt hier wirklich mal, was das Richtige ist und sitzen Sie hier nicht als schweigende Mehrheit.“

Werner Böckler (SPD) war empört. „Wir haben in unserer Fraktion sehr offen über das Thema diskutiert. Und wir haben die Regelung damals aus guten Gründen eingeführt“, sagte er. Seine Befürchtung war, dass viele Menschen wieder zur Erdbestattung zurückkehren würden, wenn es bei der Belegung von Doppelgräbern keine Einschränkungen mehr geben würde – und dann könnte es wiederrum Platzprobleme geben.

Bürgermeister Andreas Schulz erinnerte daran, dass das Parlament seinerzeit ganz bewusst entschieden habe und nicht etwa die Bestattung in Doppelgräbern komplett abgeschafft, sondern nur eingeschränkt habe. „Dass es erst ab dem 55. Lebensjahr geht, hat seinen Sinn – man kann dann ja noch mal einen anderen lieben Menschen finden. Und dann kommt es später zu Situationen, wo eine Doppelgrabhälfte unbelegt bleibt oder sogar noch ein zweites Doppelgrab benötigt wird.“ Außerdem belege ein Doppelgrab mitunter 60 Jahre lang seinen Platz auf dem Friedhof, wenn der hinterbliebene Partner noch 30 Jahre lang lebt.

ÜBE und FWG trugen den Antrag des Abgeordneten Preiß mit, die Grünen ebenfalls – das waren sechs Ja-Stimmen. Vertreter aus SPD und CDU kamen zusammen auf 18 Nein-Stimmen. Vier SPD-Vertreter enthielten sich der Abstimmung.

Gemeinde fördert Flüchtlingsunterbringung

Während der Sitzung legte Bürgermeister Schulz den Haushalt 2015 vor (die OP berichtete). In seinen Ausführungen zum Etat kündigte Schulz an, dass die Gemeinde im kommenden Jahr eine Summe von 45000 Euro als eigene und freiwillige Leistung bereitstellen werde, um für Flüchtlinge eine gute Willkommenskultur zu schaffen. In der Gemeinde gibt es kaum Leerstand – deshalb kommen im Ebsdorfer Grund bislang nur wenige Flüchtlinge unter. Die Kommune wolle deshalb für die Bürger in allen Ortsteilen einen Anreiz schaffen, freie Wohnungen und leerstehende Gebäude an den Landkreis für die Unterbringung von Flüchtlingen zu vermieten.

Neben den Mietkosten, die zumeist oberhalb des örtlichen Mietpreisniveaus liegen und vom Landkreis getragen werden, gibt die Gemeinde als Bonus noch etwas obendrauf: jeweils einmalig 1200 Euro für die Unterbringung von fünf Personen, 2500 bei zehn Personen und 4000 Euro bei 15 Personen – immer für die erste Unterbringung je Ortsteil.

„Wir wollen damit eine gute Integration erreichen. Die Flüchtlinge sollen sich möglichst auf alle Ortsteile verteilen – das kommt uns allen zugute“, sagte Schulz und betonte, wie wichtig es sei, dass die Kommune den Menschen ein herzliches Willkommen bereite. Er erinnerte an die Flüchtlinge, die nach dem Zweiten Weltkrieg in den Ebsdorfer Grund kamen. „Sie waren ein Segen für unsere Gemeinde und wir können auch jetzt froh sein, wenn wir neue Menschen dazubekommen.“

Weiterer Beschluss vom Montagabend: Das Gemeindeparlament entschied einstimmig, dass die Kommune die Kindergruppe „Bullerbü“ übernehmen wird, nachdem der Verein „Kinder im Grund“ sich zum Jahresbeginn 2015 liquidiert hat. Bis dahin wird die Gemeinde eine Bürgschaft in Höhe von 3500 Euro für den Verein übernehmen, um die Liquidität zu sichern.

von Carina Becker

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