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Zeit ist reif für die „Zeiteninsel“

Aktueller Stand zum Freilichtmuseum Zeit ist reif für die „Zeiteninsel“

„Die Zeiteninsel ist archäologisch nicht der Nabel der Welt, aber gewiss eine bedeutende archäologische Ader“, so Dr. Andreas Thiedmann, Vorstand der Zeiteninsel-Genossenschaft.

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Ein Angelhaken ziert das neue Logo der Zeiteninsel.

Weimar. 11000 Jahre Siedlungsgeschichte sind rund um die Zeiteninsel bei Argenstein archäologisch nachzuweisen. Wer hätte das gedacht? Das Zusammenspiel von Zufällen, klugen Ideen, Menschen mit Visionen und den Willen, etwas „Unmögliches“ möglich zu machen haben das Projekt Zeiteninsel von einer groben Skizzierung zu einem Plan werden lassen, der jetzt langsam auf die Zielgerade kommt. Landrätin Kirsten Fründt nutzte die Gunst der Stunde und gönnte sich in ihrer ersten Arbeitswoche eine umfassende Informationsveranstaltung zum Stand der Dinge rund um die Zeiteninsel, die im Rathaus der Gemeinde Weimar stattfand. So ist sie in Sachen „Zeiteninsel“ up to date, was sicher wichtig ist, schließlich ist das Projekt, ausgestattet mit einer fast Fünf-Millionen Euro-Förderung durch das Land Hessen das bedeutendste touristisch ausgerichtete Projekt des Landkreises.

Wer sich noch keine rechte Vorstellung von dem machen kann, was die Zeiteninsel darstellen soll, sollte sich das Wochenende 17. und 18. Mai schon mal notieren. Anlässlich des Museumstages werden rund 100 Akteure Vor- und Frühgeschichte zum Anfassen und Erleben bieten. Denn darum geht es auf der Zeiteninsel. An fünf Stationen soll Geschichte in jeglicher Form erlebbar werden. Claus Meiritz, der sich mit dem Thema Vermittlungskonzepte auseinandersetzt, weiß worauf es ankommt: „Der Erfolg der Zeiteninsel wird sich danach richten, welche Aufmerksamkeit wir erreichen.“ Deshalb sind die Zielgruppen weit, aber auch genau so gefasst, dass man ihnen etwas bieten kann. „Wir sprechen hier von Radfahrern, die den Radfernweg nutzen, der praktisch am Museum vorbeiführt. Das sind rund 270000 Nutzer im Jahr. Dann haben wir Kulturtouristen, Schulklassen und Jugendgruppen, Familien mit Kindern und Reisegruppen.“

Je länger Besucher bleibt, desto zufriedener geht er

Begehbare Modelle, Mitmach- und Probierstationen, die Darstellung des Alltags im Mesolithikum, in der Jungsteinzeit, in der Bronzezeit, in der Eisenzeit und in der römischen Kaiserzeit soll eine solche Faszination auf die Besucher ausüben, dass sie davon anderen erzählen, sie motivieren selbst dorthin zu kommen oder sie bei einem weiteren Besuch einfach mitnehmen.

„Wir müssen den Besuchern etwas bieten. Mit zunehmender Verweildauer steigt auch dessen Zufriedenheit über den Besuch bei uns.“ Leitsysteme sollen es den Gästen einfach machen, sich auf dem Areal zurechtzufinden. Sie sollen wählen können, ob sie sich zusätzlich über Info-Punkte, Audioguides oder gar Smartphone-Apps weitergehend informieren lassen wollen. Ein ansprechender Museumsshop und auch eine Gastronomie seien mit einzuplanen.

Für Schüler und Jugendgruppen soll es Programme mit Workshops geben, die ihnen Themen für eine ganze Woche am Ort liefern können, „So könnten sie dort beispielsweise nur mit einem Überlebenspaket mit Dingen aus der jeweiligen Zeit ausgerüstet, versuchen durch einen ganzen Tag zu kommen“, so Meiritz.

Es sei wichtig, an allen Tagen Menschen als Darsteller vor Ort zu haben, die Besucher animieren, selbst handwerkliche Tätigkeiten auszuprobieren und die Besuchern vom Leben in der jeweiligen Zeit erzählen können. Darüber hinaus soll es noch Event-Tage mit speziellem Programm geben, so dass Fans der Vor- und Frühgeschichte immer wieder den Weg nach Argenstein finden. Darüber hinaus soll die Zeiteninsel als Ort archäologischer Funde auch dem wissenschaftlichen Anspruch gerecht werden, indem dort Tagungen, Symposien und Seminare stattfinden können.

Was Kinder und Jugendliche angeht, will man in diesem Jahr erste Erfahrungen sammeln, indem die Ferienspiele der Gemeinde Weimar zum Teil auf dem Gelände der Zeiteninsel ausgetragen werden.

Dr. Andreas Thiedmann informierte darüber, dass die Parkplatzfrage mit einem Grundstückskauf erledigt werde. Zum Eingang der Zeiteninsel müssen Besucher dann rund 350 Meter Fußweg bewältigen. „Wir warten noch auf den Bewilligungsbescheid des Landes“, verrät Thiedmann der OP. Sobald dieser da sei, könne auch die Bautätigkeit in Angriff genommen werden.

Was wurde in den vergangenen 23 Jahren im Vorfeld der Kiesgewinnung und der Herrichtung neuer Straßentrassen gefunden? Darüber gab Dr. Christa Meiborg von der Abteilung Archäologische Denkmalpflege am Landesamt für Denkmalpflege in Marburg, Auskunft. Letztendlich tausende Nachweise aus nicht weniger als 11000 Jahre Siedlungsgeschichte an der Lahn auf dem Areal der heutigen Gemeinde Weimar. Als „archäologisches Sahnestück“ bezeichnete sie einen fast vollständigen Grundriss eines Hauses aus der Jungsteinzeit, der 1999 freigelegt wurde. Und ein Fund schaffte es nun in das neue Logo der Zeiteninsel: ein Angelhaken aus der Bronzezeit.

Der wissenschaftliche Beirat bringt seine ganze Erfahrung mit in das Projekt Zeiteninsel ein. Damitsehen sich die Macher jetzt gut aufgestellt.

„Die Gründung des wissenschaftlichen Beirats verstehen wir als elementaren Baustein für das Erreichen unseres Ziels“, sagt Dr. Andreas Thiedmann, Vorstand der Zeiteninsel eG.

Der Beirat besteht aus sechs Experten, die mit ihren Fachkenntnissen dazu beitragen wollen, dass das Freilichtmuseum ein Erfolg wird.

Mit dabei aus heimischer Sicht ist Professor Siegfried Becker vom Institut für Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg. Des Weiteren gehört dem Gremium an der frisch in Ruhestand gegangene langjährige Hessische Landesarchäologe Professor Egon Schallmayer, der das Projekt schon lange mit begleitet hat. Dr. Andrea Hampel ist Chefin des Denkmalpflegeamtes der Stadt Frankfurt. Unter ihrer Leitung wurden 1992 im Untergrund des Frankfurter Doms zuvor völlig unbekannte merowingische Vorgängerbauten entdeckt, unter anderem auch ein mit reichen Beigaben und Schmuck ausgestattetes Grab eines Mädchens.

Dr. Roeland Paardekooper, kommt aus den Niederlanden und hat über das Thema Freilichtmuseen in Europa promoviert.

Karl Banghard ist zusammen mit Paardekooper Leiter des archäologischen Freilichtmuseums Oerlingshausen in Nordrhein-Westfalen, das sich thematisch auch mit der Vorgeschichte auseinandersetzt.

Professor Claus von Carnap-Bornheim ist Prähistoriker, Museumsleiter und Landesarchäologe von Schleswig-Holstein. Das klingt zunächst sehr weit weg, doch wurde er an der Philipps-Universität Marburg promoviert und habilitierte sich dort auch. Also kennt er sich auch hierzulande gut aus.

Das Gremium hat am Freitag unmittelbar noch seiner Konstituierung seine fachliche und inhaltliche Arbeit aufgenommen und einen ersten Empfehlungskatalog erarbeitet, „den es von uns vor Ort nun abzuarbeiten gilt“, so Thiedmann.

von Götz Schaub

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