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„Wir fühlen uns über den Tisch gezogen“

Frust in Hassenhausen „Wir fühlen uns über den Tisch gezogen“

„Die machen doch eh, was sie wollen, wozu soll ich noch zu Anliegerversammlungen kommen?“, fragt sich ein Hassenhäuser und erntet knapp 20-fache Zustimmung.

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Anlieger aus Hassenhausen nahmen am Donnerstag die Baustelle in Augenschein und schoben Frust.

Quelle: Götz Schaub

Hassenhausen. Die Straßen „Zur Umgehungsstraße“ und „Zwester-Ohm-Straße“ in Hassenhausen werden nach der Kanalerneuerung und der Verlegung einer neuen Wasserleitung grundhaft saniert und mit einem Gehweg ausgestattet. So hat es das Fronhäuser Parlament im Dezember beschlossen. Die Bauarbeiten haben nun auch schon begonnen (die OP berichtete am Dienstag). Zähneknirschend nahmen damals diese Entscheidung auch jene Anlieger hin, die sich, was die Straßen angeht, für eine einfache Wiederherstellung ausgesprochen hatten. Doch mittlerweile fühlen sie sich vom Gemeindevorstand und insbesondere von Bürgermeister Reinhold Weber „über den Tisch gezogen“.

„Wenn wir beispielsweise jetzt in der OP lesen müssen, dass laut Bürgermeister bei der letzten Anliegerversammlung sich die Mehrheit für eine Pflasterung ausgesprochen hat, dann ist das gelogen“, sagte Herbert Bodenbender am Donnerstagabend bei einer in Eigenregie einberufenen Anliegerversammlung, an der 20 Personen teilnahmen. Warum sagt er „gelogen“, obwohl er selbst nicht daran teilgenommen hatte? Weil er das Abstimmungsergebnis kennt. „Und weil der Bürgermeister genau weiß, dass eine Person mitgestimmt hat, die gar nicht Anlieger ist. Sonst wären acht dafür und acht dagegen gewesen." Zwölf weitere Bürger hatten sich aus Verunsicherung noch nicht festlegen wollen. Mit dieser „eigentlich unberechtigt abgegebenen Stimme“ könne nicht von einer Mehrheit gesprochen werden, zumal offensichtlich noch ganz viele Anlieger Informationsbedarf hätten. Aber das habe man ja von Seiten der Gemeinde schon oft ignoriert, obgleich es einige Versammlungen gegeben hatte, so die geballte Meinung der Anwesenden. So wisse niemand, warum der Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke nur einen Anteil von 180000 Euro trage, während die Gesamtkosten für die Straße bei 1,1 Millionen Euro liegen. Ernst Breitstadt, selbst Anlieger, sagte in seiner Funktion als Ortsvorsteher, dass der Ortsbeirat nach seinem Beschluss, das Votum der Anlieger als Stellungnahme abzugeben, keinerlei Informationen mehr von der Gemeinde bekommen habe.

Nun geht die Angst um, dass man mit dem Pflaster erneut etwas aufgedrückt bekommt, was man nicht haben wolle. Pflaster sei deutlich geräuschintensiver als andere Lösungen, weiß Bodenbender, der sich dazu Fachauskunft eingeholt hat. Die Anlieger kamen überein, die Kommunalaufsicht des Landkreises zu bitten, nachzuforschen, ob die „Falschinformation“ zum „Pflasterbeschluss“ Auswirkungen auf das Abstimmungsverhalten im Gemeindevorstand hatte, der sich „einstimmig“ für eine Pflasterung ausgesprochen habe. Zudem behalten sich die Anlieger vor, einen Rechtsanwalt damit zu beauftragen, jene Zahlen einzufordern, die sie als zahlende Anlieger bisher noch nicht präsentiert oder erklärt bekommen haben. Besonders wichtig ist ihnen dabei das Zustandekommen der Kostenschätzung, die unmittelbare Auswirkung auf die Summen haben wird, die sie beizusteuern haben. „Wir möchten Transparenz für die Bürger haben“, so einer der Anlieger. Die anderen pflichten ihm bei.

Verärgert sei man auch über die Kürze der Zeit, in der jetzt alles über die Bühne gehe. Niemand habe eben mal so das nötige Geld zu Hause rumliegen. Es gehe einzig darum, dass die Gemeinde die geringsten Kosten habe, die Anlieger müssten hingegen alles schlucken. Bodenbender über Bürgermeister Weber: „So, wie er sich uns gegenüber verhalten hat, ist er ganz sicher keiner mehr von uns, wie er es auf seinen Wahlplakaten in Anspruch genommen hat.“

von Götz Schaub

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