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Windkraft-Plan für sieben Kommunen

Teilflächennutzungsplan genehmigt Windkraft-Plan für sieben Kommunen

Die Rechtssicherheit ist hergestellt: Sieben Kommunen haben sich abgestimmt, wo Windkraftanlagen entstehen können. „Wildwuchs“ wird es somit keinen geben.

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Andreas Schulz (Ebsdorfergrund, von links), Peter Gefeller (Staufenberg), Claudia Schnabel (Fronhausen), Rainer Kaps (Hessen Agentur),Hennig Bick (RP), Dietmar Kromm (Reiskirchen), Annette Bergen-Krause (Allendorf/Lumda), Dirk Haas (Buseck) und Kurt Hillgärtner (Rabenau) freuen sich über die Genehmigung der Pläne.

Quelle: Patrick Dehnhardt

Staufenberg. „Wir wollen die Flächen bestimmen und nicht die Projektierer.“ So begründete Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller am Montag, warum sich sieben Kommunen landkreisübergreifend vor über zwei Jahren zusammenschlossen, um gemeinsam Flächen für die Windkraft festzulegen. Und nicht Stromkonzerne, sondern die Bürger sollten dabei mitreden können. Gestern übergab Henning Bick vom Regierungspräsidium Gießen die Genehmigung für den aus dieser Zusammenarbeit entstandenen Teilflächennutzungsplan Windenergie in Staufenberg.

Der Plan definiert nicht nur genau, wo Windkraftanlagen errichtet werden dürfen. Er bedeutet auch, dass auf allen anderen Flächen keine Windräder mehr genehmigt werden können. Dadurch habe man Rechtssicherheit geschaffen, sagte Bick.

Diese habe man als kleine Kommune allein kaum stemmen können, sagte Allendorfs Bürgermeisterin Annette Bergen-Krause. Zudem habe man nun eine abgestimmte Planung, die nicht an der Gemeindegrenze aufhöre. Wie wichtig solche Absprachen sind, stellte man im Ebsdorfergrund schmerzhaft fest. Denn die Nachbarstadt Amöneburg habe Windanlagen direkt an der Grenze zum Ebsdorfergrund genehmigt und deinen damit vor vollendete Tatsachen gestellt, sagte Bürgermeister Andreas Schulz (Ebsdorfergrund).

Diese Zusammenarbeit ist hessenweit einzigartig

Es ist ein kleiner Meilenstein, der den sieben Kommunen Ebsdorfergrund, Fronhausen, Staufenberg, Allendorf/Lumda, Buseck, Rabenau und Reiskirchen geglückt ist. Denn bisher ist noch nirgends in Hessen ein solcher Flächenplan zur gezielten Ansiedlung von Windkraft gelungen und auch der Plan des Regierungspräsidiums Gießen für die Erneuerbaren Energien ist von dieser Stufe noch weit entfernt.

Die Akten zu dem Verfahren sind aufeinandergestapelt so hoch wie ein großer Meilenstein: ein Meter. Sie enthalten etwa Einwendungen von der oberen und unteren Naturschutzbehörde, Hinweise auf Bodendenkmäler, Richtfunkstrecken des Handynetzes oder auch zu einer Nachttiefflugstrecke für Helikopter der Bundeswehr, berichtete Mathias Wolf vom Planungsbüro Holger Fischer.

Zunächst war man mit 29 möglichen Flächen gestartet. „Da waren einige Bürgermeister erst perplex“, sagte Fischer. Um die Bevölkerung nicht zu erschrecken - insgesamt 55000 Menschen leben in dem vom Plan umfassten Gebiet mit 280 Quadratkilometern -, wurden zunächst die Einwendungen der Fachbehörden eingearbeitet. Daraufhin viel schon ein Großteil der Flächen weg.

In der nächsten Runde wurden die Parlamentarier der sieben Kommunen informiert, bevor vier Informationsveranstaltungen für die Bürger stattfanden. Denn diese wollte man bewusst mit ins Boot holen und mitsprechen lassen, damit der fertige Plan auf möglichst breite Akzeptanz trifft. Besonders aus Ilschhausen kamen Hinweise, denn hier ließ wurde zunächst eine Umzingelung durch Windräder befürchtet. »Daraufhin haben wir dann den Leidenhöfer Kopf als Fläche herausgenommen«, sagte Schulz. Die Bürger hätten sich hier zur Hälfte mit ihren Forderungen durchsetzen können.

Auch in den Parlamenten der Kommunen wurden die Pläne vorgestellt, diskutiert und mit den Stimmen von 250 Parlamentariern auf den Weg gebracht. Letztlich sind fünf Flächen übrig geblieben: Eine liegt nordöstlich von Bersrod (Reiskirchen), zwei weitere sind die bereits mit Windrädern bebauten Flächen bei Geilshausen und Rüddingshausen (beide Rabenau). Zwischen Nordeck-Winnen und dem Ebsdorfergrund ist die vierte Fläche gelegen. Hier läuft beim RP das Genehmigungsverfahren für zwei private Anlagen. Zwischen Ilschhausen, Hassenhausen und Staufenberg ist die fünfte Fläche. Auf Fronhäuser Gemarkung wird hier seit einigen Jahren von privater Seite ein Windpark geplant. Die Zahl der Anlagen habe sich mit dem Fortschritt der Technik aber auf drei reduziert, sagte Fronhausens Bürgermeisterin Claudia Schnabel.

An diesen Park will man sich mit der Energiegesellschaft Lumdatal sprichwörtlich ankoppeln. Denn nachdem der Flächennutzungsplan nun genehmigt ist, wollen die Kommunen dort gemeinsam Windkraftanlagen errichten und sich mit dem Betreiber die Infrastruktur wie etwa Transportwege und Stromleitungen teilen. Während der Strom ins Netz eingespeist wird, soll der Ertrag daraus in die kommunalen Kassen fließen. Gebaut werde daher nur, wenn sich die Investion auch lohne, sagte Rabenaus Bürgermeister Kurt Hillgärtner im Gespräch mit unserer Zeitung. Über die Energiegenossenschaft könnten sich auch Bürger beteiligen. „Wenn wir schon den Landschaftsschaden haben, wollen wir nicht noch den Nutzen abgeben“, sagte Schulz.

Gefeller kritisierte, dass die derzeitige Gesetzgebung von Land und Bund zu den erneuerbaren Energien der genossenschaftlichen Beteiligung im Weg stehe. Als diese in der gesamten Republik Solar- und Windparks auf den Weg gebracht hatten, hätten die großen Konzerne sich noch zurückgelehnt. Nun überlasse man dieses Feld aber allein den „Global Players“. Hier müsste die Nische für genossenschaftliches Engagement wieder geöffnet werden.

von Patrick Dehnhardt

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