Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Wildernde Hunde gefährden Rehe

Appell an Halter Wildernde Hunde gefährden Rehe

Allein im Stadtgebiet von Marburg werden jährlich 50 Rehe von wildernden Hunden gerissen.

Voriger Artikel
Swingender Auftakt auf der Kirchwiese
Nächster Artikel
Drei Autos und ein Lkw krachen ineinander

Hunde haben einen Jagdinstinkt und verfolgen Wildtiere. Jäger appellieren an die Halter, ihre Tiere anzuleinen.

Quelle: Fotos: Bernd Fischer, Willi Rolfes, Montage: Sven Jeske

Heskam. Am vergangenen Sonntagvormittag wurde zwischen Heskem und Mölln eine tragende Ricke von einem oder mehreren Hunden gerissen. „Dies ist bereits der dritte bekannte Vorfall dieser Art im Revier Heskem“, sagt Tierarzt Dr. Wolfram Lemmer. Den Hunden könne man diesbezüglich keinen Vorwurf machen: „Es ist völlig normal für die meisten Hunde, Wild zu verfolgen, zu jagen und auch zu töten - dieses Verhalten ist den Tieren angeboren“, so Lemmer. Der Tierarzt appelliert an alle Hundehalter, ihre Vierbeiner an der Leine zu führen. Insbesondere in den Setz- und Brutzeiten des Wildes, sprich wenn die Tiere Junge bekommen, was im Frühjahr der Fall ist.

Das gerissene Reh in Heskem ist kein Einzelfall. Wolfgang Höhl, stellvertretender Vorsitzender der Hegegemeinschaft Marburg 6 sowie Jagdaufseher im Stadtwald beziffert die Zahl im Marburger Stadtgebiet auf 50 Fälle im Jahr. Vor zirka vier Wochen musste er nach Gisselberg, um ein von zwei Hunden angefallenes Reh zu erlegen. Der Anblick, der ihn erwartete, war kein schöner. Ein total verbissenes Reh und zwei Hunde voller Blut im Maul.

Viele wissen nichts über Jagdinstinkt der Hunde

„Die Halterinnen waren fix und fertig“, sagt Wolfgang Höhl. Sie haben nicht damit gerechnet, dass ihre Hunde ein Reh anfallen würden. Und genau das ist das Problem: „Vielen ist nicht bewusst, welchen Jagdinstinkt ihre Hunde haben“, so Höhl. Wenn er im Stadtwald unterwegs ist und Leuten mit freilaufenden Hunden begegnet, spricht er sie an und erklärt, warum das Anleinen so wichtig ist.

„Die meisten zeigen dann auch Verständnis“, sagt der Jagdaufseher. Es ginge ja auch keinesfalls um eine Konfrontation mit den Hundehaltern, sondern um ein Miteinander. Zudem könne es auch für die Hunde gefährlich werden, wenn sie in Wald und Feld frei laufen: „Treffen sie auf eine Bache mit Frischlingen, haben Hunde keine Chance.“

Immer mehr Wildtiere fallen Hunden zum Opfer

„Seit den 1990er Jahren verzeichnen die Jäger eine stetige Zunahme von Wildtieren, die wildernden Hunden zum Opfer gefallen sind“, sagt Dr. Klaus Röther, Pressesprecher des Landesjagdverbandes Hessen.

In stadtnahen Feld- und Waldgemarkungen würden jährlich pro Jagdrevier mit einer durchschnittlichen Größe von vier Quadratkilometern häufig zwei bis drei Rehe gerissen. Manchmal seien es bis zu acht und mehr Rehe. Insgesamt geht der Landesjagdverband von mindestens 3000 Wildtieren aus, die von freilaufenden Hunden pro Jahr gerissen werden. Im Kreis Marburg-Biedenkopf werden jährlich etwa drei Fälle angezeigt, sagt Pressesprecher Dr. Markus Morr. „Die Fälle werden bei uns aber auch nur bekannt, wenn sie zur Anzeige gebracht werden“, so Morr. Die Dunkelziffer sei sehr hoch, so Klaus Röther. Verletzte Tiere, die dem Hund noch entkommen konnten, würden sich in Hecken und dichten jungen Waldbeständen verkriechen und würden in aller Regel nicht gefunden, so Röther, der selbst einen Wald in Mardorf gepachtet hat.

Kommunen können eigene Regeln aufstellen

Auch im Hinterland gibt es immer wieder mal Probleme mit wildernden Hunden, doch zurzeit habe sich die Problematik eingedämmt, sagt Karl Leinbach, Vorsitzender der Jäger­vereinigung Hinterland. „Nach dem Jagdschutzgesetz gibt es keine Anleinpflicht für Hunde“, erklärt Markus Morr. „Kommunen können aber ihre eigenen Regeln aufstellen und so sollte sich jeder Hundebe­sitzer erkundigen, ob es eine Anleinpflicht gibt.“

„In Niedersachsen gibt es eine Anleinpflicht für Hunde während der bereits erwähnten Brut- und Setzzeit“, sagt Wolfgang Höhl. Die Hunde müssen vom 1. April bis Mitte Juli an die Leine. Es gehe ja auch noch um den Schutz der Kitze, sagt Höhl. Eine Rehmutter lasse ihre Jungen allein und komme nur zum Füttern vorbei. Die Kitze blieben währenddessen ruhig an ihrem Platz sitzen und seien eine leichte Beute.

Zudem müsse berücksichtigt werden, dass es nicht nur um die Rehe ginge, sondern auch um die Bodenbrüter, so Höhl. Dazu zählen zum Beispiel der Fasan und die Stockente. Nach dem Hessischen Jagdschutzgesetz handelt ordnungswidrig, wer seinen Hund unbeaufsichtigt in einem Jagdbezirk laufen lässt. Das bedeutet, der Hund muss sich jederzeit von seinem Halter zurückrufen lassen, auch wenn er Wildtiere sieht. Anderenfalls kann die Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße bis zu 25000 Euro geahndet werden.

von Heike Horst

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr