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Wie die Scheune zum Büro wird

Dorfentwicklung Wie die Scheune zum Büro wird

Wenn aus einem Getreidelager in einer Fachwerkscheune das Büro einer Unternehmensberatung wird, dann steckt manchmal nicht nur ein persönlicher Traum dahinter, sondern auch ein Zuschuss vom Land.

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Reinhold Preiß (links) hat auf seinem Fachwerkhof in Wittelsberg mit Hilfe der Dorfentwicklung umgebaut und saniert. Mit Burkhard Kuhl vom Fachdienst Dorfentwicklung schaut er sich im alten Getreidelager der Scheune um. Das 110 Jahre alte Gebäude beherbergt moderne helle Büroräume mit ursprünglichem Charme dank der freigelegten Fachwerkbalken.

Quelle: Carina Becker

Wittelsberg. Die alten Eternitplatten sind verschwunden. Eine schimmernde Verkleidung aus natürlichen Schieferplatten hat sie ersetzt. Der Charme einer alten Fachwerkfassade ist zurückgekehrt. Auf solche Effekte setzt das Dorfentwicklungsprogramm, das in Wittelsberg seit 2009 läuft. Bereits 16 private Projekte von Haus- und Hofeigentümern sind in dem Dorf im Ebsdorfer Grund mit Landesmitteln umgesetzt worden - bei einer Gesamtinvestitionssumme von fast 480000 Euro und Landeszuschüssen von zusammen rund 155000 Euro.

„Hier gibt es viel zu tun - und die Dorferneuerung macht vieles möglich“, sagt Reinhold Preiß und schaut sich auf seinem Hof im Ortskern von Wittelsberg um. 2009 startete das Dorfentwicklungs-Programm - und von Anfang an hat Preiß die Möglichkeiten genutzt. Die Fassadenerneuerung, der Umbau eines Scheunenteils zu Büroräumen, die Erneuerung des Scheunendachs und dann noch bevorstehende Arbeiten an Fachwerk-Fassade und Sockel des Wohnhauses - Preiß hat in den vergangenen Jahren schon gut 100000 Euro investiert, 30 Prozent der Kosten geschultert durch die Landeszuschüsse.

Schreibtisch steht, wo früher tonnenweise Getreide lagerte

Für den 48-Jährigen eröffnet dies neue Perspektiven für Wohnen und Arbeit unter einem Dach, denn der Betriebswirt und Wirtschaftspädagoge berät bundesweit tätige Unternehmen nun von Wittelsberg aus - und sitzt dort am Schreibtisch, wo früher 200 Tonnen Getreide lagerten. „Es hat auch viel Eigenleistung erfordert“, berichtet er und denkt an den Scheunenumbau im Jahr 2010 zurück. Für den früheren Landwirtschaftsmeister, der beruflich umsattelte, als er mit dem Bauernhof nicht mehr genug Geld verdiente, war es der richtige Weg. „Hier gibt es immer noch genug zu tun“, sagt er und schaut sich auf seinem Gehöft um. Weitere Arbeiten am Haus stehen in diesem Jahr an - und wie auch alle weiteren Bewohner des alten Ortskerns von Wittelsberg kann auch Preiß die Dorfentwicklung noch bis 2018 für seine Vorhaben nutzen. „Seine privaten Projekte kann jeder anmelden, sofern sie der Verschönerung des Ortsbildes dienen“, sagt Burkhard Kuhl, der beim Fachdienst Dorf-und Regionalentwicklung des Landkreises für das Antrags- und Bewilligungsverfahren zuständig ist. Vom neuen Gartenzaun über Arbeiten an Fachwerkhäusern bis hin zu Scheunenumbauten, beispielsweise auch für Ferienwohnungen, sei vieles denkbar.

Ab 10000 Euro steigt das Land in die Investition ein

Die Regeln: Es müssen förderfähige Kosten von mindestens 10000 Euro nachgewiesen werden. Die Höhe der Zuwendung beträgt maximal 35 Prozent der förderfähigen Nettokosten bis zu einer Summe von höchsten 45000 Euro. Und bei einem Gesamtzuschuss von mehr als 25000 Euro muss der Bauherr vorher mindestens drei vergleichbare Kostenangebote einholen. Private Investoren aus Wittelsberg, die jetzt tätig werden wollen, können sich an die Gemeinde wenden, an das Beratungsbüro SP Plus oder an den Landkreis (siehe Infokasten „Kontakte“).

Auch die kommunale Seite stößt in Wittelsberg viele Dorferneuerungsprojekte an. Bislang sind zwölf Vorhaben vorgesehen - damit Investitionen von fast 850000 Euro. Als Zuschuss vom Land kommen rund 530000 Euro, der Löwenanteil der Kosten. An nächster Stelle steht die Umfeldgestaltung von Bürgerhaus und Hirtenwiesenstraße mit neuer Straßenaufteilung und Parkbuchten. Außerdem entsteht ein Mehrzweckplatz.

von Carina Becker

Ansprechpartner und kostenlose Beratung

Für private Investitionen mit Unterstützung aus der Dorfentwicklung gibt es kostenlose Beratung.

Ansprechpartner:
Gemeinde­ Ebsdorfergrund, Fachbereich Bauen, Anke Schmidt, Telefon 06424/30430, E-Mail:schmidt@ebsdorfergrund.de;
Beratungsbüro SP Plus, Hartmut Kind, Telefon 05151/40150538, E-Mail:hartmut.kind@sp-stadtundregion.de;
 Landkreis Marburg-Biedenkopf, Fachdienst Dorf- und Regionalentwicklung, Burkhard Kuhl, Telefonnummer 06421/4056119, E-Mail: kuhlb@marburg-biedenkopf.de.

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