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Wie dicht sind die Roßberger Atommüll-Fässer?

Radioaktiver Abfall Wie dicht sind die Roßberger Atommüll-Fässer?

Im Lager in Brunsbüttel ist fast jedes dritte kontrollierte Atommüll-Fass beschädigt. Probleme soll es auch in der Landessammelstelle im Roßberger Wald geben, meldete der NDR gestern. Das verunsichert Anwohner, der Betreiber beruhigt.

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Mitten im Wald oberhalb von Roßberg befindet sich, gesichert durch Zaun und Stacheldraht, die Landessammelstelle für radioaktive Stoffe.

Quelle: Thorsten Richter

Roßberg. Die NDR-Sendung „Panorama 3“ wertete für ihre Recherche unter anderem Stellungnahmen von den Aufsichtsbehörden der Bundesländer über den Zustand der Atommüllbehälter in der Bundesrepublik aus.

Auch die Landessammelstelle in Roßberg taucht in diesen Berichten auf. Beim NDR hieß es dazu gestern unter Berufung auf Informationen aus dem hessischen Umweltministerium: „Mehrere Lagerbehälter mit Atommüll wiesen in der Vergangenheit Korrosionsschäden auf.“ Genauere Informationen lieferte der Sender zunächst nicht.

Im Ebsdorfer Grund sorgte die Nachricht verständlicherweise für Irritationen und Unruhe. Mehrere Bürger aus der Gemeinde erkundigten sich bei der OP nach der Sammelstelle im Roßberger Wald. Sie hatten aus den Nachrichten von dem Thema und zum Teil auch erst von der Existenz des Zwischenlagers erfahren. Die Befürchtung, dass möglicherweise rostige oder undichte Behälter mit radioaktiven Stoffen auf dem Gelände lagern, wies das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG), das die Sammelstelle im Auftrag des Landes betreibt, allerdings als unbegründet zurück.

Die Landessammelstelle im Wald bei Roßberg gibt es schon seit 1967, von 1992 bis 1996 wurde sie auf die heutige Größe erweitert und modernisiert. Damals klagten Anwohner dagegen und erreichten auch einige Veränderungen bei der Umsetzung der Pläne.

Gremium lobt Informationspolitik des Betreibers

Und sie erhalten seither auch regelmäßig Informationen über das, was nach Roßberg gebracht und wieder weggefahren wird - im eigens eingerichteten „Kontrollausschuss“ der Landessammelstelle, in dem neben den Bürgermeistern der Gemeinden Ebsdorfergrund und Rabenau auch Vertreter der örtlichen Bürgerinitiative und des BUND sitzen. Dieses Gremium trifft sich ein- bis zweimal im Jahr, so Ebsdorfergrund-Bürgermeister Andreas Schulz. Und die Beteiligten erlebten die Informationspolitik des Betreibers nach ihren Worten bislang auch als äußerst transparent und offen.

„Bisher habe ich mich immer gut informiert gefühlt“, sagte Schulz der OP. Ute Niehues, die damals zu den privaten Klägern gehörte, sieht das ähnlich: „Unsere Fragen werden ernstgenommen und Anregungen auch aufgegriffen“, so die Roßbergerin, die aber auch zu bedenken gibt, dass sie kein Experte sei, vieles also auch nicht überprüfen könne. Von möglichen Schäden an Fässern hatten weder Schulz noch Niehues bis gestern gehört.

Beim HLUG betonte man gestern ausdrücklich, dass sich „in der Landessammelstelle Ebsdorfergrund keine Fässer in einem Zustand befinden, der eine Freisetzung von Radioaktivität auch nur vermuten lässt“. HLUG-Sprecher Helmut Weinberger: „Daher besteht keinerlei Gefährdung für Personal oder Umgebung der Landessammelstelle.“ Was aber möglicherweise zu der NDR-Information über Korrosionsschäden geführt hat, steckt in einer weiteren Antwort aus dem HLUG.

Der Strahlenschutzbeauftragte für die Landessammelstelle, Thomas Allinger, bestätigt, dass es nicht auszuschließen sei, dass „immer mal wieder an einem Fass Rost auftritt. Sprecher Weinberger erklärt, dass die eingelagerten Fässer regelmäßig auf ihren Zustand geprüft würden. Vorhandener Flugrost werde beseitigt, auffällige Fässer unter besondere Überwachung gestellt „oder in Überfässer eingestellt, um sie zu sichern“. „In den vergangenen Jahrzehnten“ seien so „circa zehn Fässer entsprechend behandelt“ und so „jegliche Gefährdung bereits im Vorfeld vermieden“ worden, so Weinberger weiter.

von Michael Agricola

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Radioaktiver Müll
In der Landessammelstelle Ebsdorfergrund lagern Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Müll. Keines der Fässer stellt jedoch eine akute Gefahr dar, wie es ein NDR-Bericht Anfang der Woche Glauben machen konnte.Foto: Tobias Hirsch

Die Nennung in einem Fernsehbericht über Risiken durch marode Atommüllfässer in Deutschland brachte die Landessammelstelle Ebsdorfergrund offenbar zu Unrecht in die Diskussion.

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