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„Wenn keiner vorgeht, passiert auch nichts“

Erwin Junker „Wenn keiner vorgeht, passiert auch nichts“

Seit mehr als 40 Jahren setzt sich Erwin Junker für die Gemeinde Ebsdorfergrund und ihre Bewohner ein, gründete und leitete zahlreiche Vereine. Für sein herausragendes Engagement erhält er am Montag eine hohe Auszeichnung.

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Ein Mann der Tat: Erwin Junker aus Hachborn ist 74 Jahre alt – und will sich nach jahrzehntelanger ehrenamtlicher Arbeit auch weiterhin engagieren.

Quelle: Ina Tannert

Hachborn. Gemeindevorstand, Vereinsgründer, Eigenleister - sein Leben lang hat sich Erwin Junker aus Hachborn unermüdlich für seine Gemeinde eingesetzt. Am Montag wird er dafür mit dem Verdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Im Jahr 1940 wurde Junker als viertes von sechs Kindern in Mornshausen (Dautphetal) geboren. Er wuchs in einer strengen und fürsorglichen Familie auf, die ihn bis heute stark prägte, erzählt er aus seinem bewegten Leben. Insbesondere sein Vater Ernst Junker war für ihn immer einer der aktivsten Menschen und wurde schon in jungen Jahren zu seinem „Helden, der ihm gesellschaftliches Engagement vorlebte“. Mitte der 50er Jahre absolvierte Junker eine Schreinerlehre, arbeitete jahrelang im Betrieb eines Verwandten und zog schließlich nach Hachborn. Mitte der 70er Jahre legte er seine Meisterprüfung ab, absolvierte mehrere Aus- und Weiterbildungen und wurde 1979 schließlich Lehr- und Ausbildungskraft im Berufsfortbildungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Cölbe. Dort stieg er bis zum Leiter der schulischen Einrichtung auf.

Die Arbeit mit jungen Menschen war für ihn immer ein „Highlight“ in seinem Leben, erzählt der jung gebliebene Rentner. Aufgrund einer schweren Krebserkrankung seiner Frau Anna schied er 1997 aus dem Erwerbsleben aus. Zwei Jahre später starb seine Frau nach fast 40 gemeinsamen, glücklichen Ehejahren. Gemeinsam mit ihr war er 1962 nach Hachborn gezogen, das Ehepaar bekam eine Tochter und zwei Söhne.

Im Ebsdorfer Grund widmete sich Erwin Junker jahrzehntelang der Kommunalpolitik. Er ist seit 1965 im Vorstand des SPD-Ortsvereins und war mehrere Jahre als Gemeindevertreter tätig. Seit den 60er Jahren ist er zudem in zahlreichen weiteren Vereinen aktiv, trat der Freiwilligen Feuerwehr, dem Sportverein Hachborn, dem Gesangverein, später dem OHGV Dreihausen bei und war an der Gründung des Motorsportvereins Lahnberge sowie dem Partnerschaftsverein der Gemeinde beteiligt.

In nahezu allen Organisationen war er lange Jahre im Vorstand tätig. „Ich war als Vorreiter immer mit an vorderster Stelle, so bin ich einfach“, erzählt er lachend. Ebenfalls ehrenamtlich betätigte er sich als aktives Mitglied der Ukraine-Moldavien-Hilfe, übernahm als freiwilliger Lkw-Fahrer zahlreiche humanitäre Hilfstransporte nach Osteuropa. Daneben war er für mehrere Jahre Schöffe am Marburger Land- und Amtsgericht.

Seit 1985 bis heute ist er im Gemeindevorstand von Ebsdorfergrund tätig. Vor vier Jahren übernahm er für einige Zeit das Amt des Ersten Beigeordneten und war Stellvertreter von Bürgermeister Andreas Schulz. Diese Zeit bezeichnet er stolz als die „Krönung seiner Laufbahn“.

Seine Gemeinde mitzugestalten und mitverwalten zu können, habe ihm immer große Freude gemacht. Auch wenn seine politische Tätigkeit nicht immer einfach war. Er sei nie ein „Abnicker“ gewesen, er habe die diskussionsfreudige Zusammenarbeit genossen, betont Junker. Im Laufe der Jahre hat er immer wieder bei ehrenamtlichen Aus- und Umbauaktionen der Gemeinde mit angepackt, stand in der ersten Reihe bei Bauarbeiten in Eigenleistung.

Er muss einfach immer etwas zu tun haben

So bei der Dorferneuerung, wo Junker beim Ausbau des Hachborner Bürgerhauses oder des Kindergartens mithalf. „Mein ganzes Leben bin ich voran marschiert, wenn keiner vorgeht, passiert auch nichts“, sagt er stolz. Solange seine robuste Gesundheit mitspielt, will er seine ehrenamtliche Tätigkeit weiter ausführen. „Ich muss einfach immer etwas zu tun haben“, erzählt der aktive 74-Jährige. Auch seiner größten Leidenschaft, dem Reisen per Wohnmobil, will der „notorische Autofahrer“ sich weiterhin mit Lebensgefährtin Elisabeth Koch ausgiebig widmen.

Für seine langjährige politische Tätigkeit wurden ihm bereits die silberne und die goldene Ehrennadel der Gemeinde sowie im Jahr 2002 der Landesehrenbrief verliehen. Vor drei Jahren wurde er zum Gemeindeältesten ernannt.

Am Montag erhält Erwin Junker das Bundesverdienstkreuz in der Ordensstufe Verdienstkreuz am Bande. Über die Auszeichnung freut er sich sehr, erzählt er gerührt. Die Medaille will er jedoch nicht für sich, sondern „im Namen aller Menschen“, die ihn „bei seinen Taten unterstützten“, entgegennehmen.

von Ina Tannert

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