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Wenn Katzen zur Plage werden

Kastrationspflicht für Katzen Wenn Katzen zur Plage werden

Müssen bald im Grund Besitzer freilaufender Katzen ihre Tiere verpflichtend kastrieren lassen? Die Gemeinde will darüber nur politisch diskutieren, wenn acht von elf Ortsbeiräten das so wollen. Danach sieht es nicht aus.

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Wollen Katzenbesitzer sicher sein, dass ihre freilaufende Katze sie nicht mit Nachwuchs überrascht, sollten sie sie kastrieren lassen. Der Eingriff kostet beim Tierarzt zwischen 60 und 90 Euro.

Quelle: Pixabay.com

Ebsdorfergrund. Streunende Katzen werden im Gegensatz zu streunenden Hunden oftmals zum idealisierten, ja idyllischen Ortsbild eines intakten Dorfes gezählt, das sich noch etwas von der guten alten Zeit bewahrt hat. Katzen gehören eben zum schönen Leben auf dem Lande mit dazu, lernen die Kinder bereits im Kindergartenalter aus ersten Wissensbilderbüchern. Und natürlich gehören dann auch Katzenbabys mit dazu, die im Stroh herumtollen und sich streicheln lassen.

Nun, die Realität ist da weit weniger romantisch. Denn Katzen auf dem Lande bleiben nicht selten sich einfach selbst überlassen. Sie werden nicht gepflegt, nicht entwurmt und schon gar nicht mit Leckerlis gefüttert. Dabei müssen die Katzen nicht zwangsläufig vom Bauernhof stammen, weiß Sabine Bender-Wehn aus Ebsdorf, die sich seit vielen Jahren schon ehrenamtlich um die Schicksale verwilderte Katzen kümmert.

Vielen von ihnen ist nur ein kurzes Leben beschieden, sie verschwinden von der Bildfläche, sind einfach nicht mehr da, sterben irgendwo im Unterholz oftmals qualvoll und langsam an Krankheiten und erlittenen Verletzungen.

Doch es gibt immer wieder neue Katzen, denn Katzen vermehren sich schnell. Bereits fünf oder sechs Monate alte Katzen können schon wieder selbst Nachwuchs bekommen. Im Dezember werden es jetzt zwei Jahre, dass Sabine Bender-Wehn via Zeitung explizit auf das Problem verwilderter Katzen in der Gemeinde Ebsdorfergrund aufmerksam machte.

Derzeit beschäftigen sich alle Ortsbeiräte im Grund mit der möglichen Einführung einer Kastrationspflicht für Katzen. „Der Gemeindevorstand möchte ohne den Rückhalt der Ortsbeiräte nichts in der Richtung initiieren“, erläutert Ebsdorfergrunds Bürgermeister Andreas Schulz auf Anfrage der OP. Und er formuliert dazu eine klare Ansage: „Als erste Voraussetzung für die Einführung einer Kastrationspflicht für Katzen sieht der Gemeindevorstand eine mehrheitliche Zustimmung in acht von elf Ortsbeiräten als erforderlich an.“

Problem fokussiert sichauf Rauischholzhausen

Warum diese hohe Hürde? Weil mit dem Erlass auch Verpflichtungen und Kosten für die Verwaltung zu erwarten sind. Erst vor einem Jahr hatte der Gemeindevorstand sich schon einmal mit dem Thema beschäftigt und den Verwaltungsaufwand in keinem Verhältnis zum angestrebten Nutzen gesehen. „Wir haben aber jetzt bewusst alle Ortsbeiräte mit eingebunden und sie vorab schriftlich mit einem großen Infopaket über die Vor- und Nachteile einer Kastrationspflicht informiert“, so Schulz.

Der Erlass würde schließlich alle Katzenbesitzer treffen und sicher zu großem Unmut führen. Deshalb sei es wichtig, die Meinungen aus den Ortsgremien einzufordern, um sich auch ein Bild zur Verhältnismäßigkeit machen zu können.

Man möchte aber auch umfassend informieren und bietet deshalb jedem Ortsbeirat an, Tierschützerin Sabine Bender-Wehn in seine Sitzung einzuladen, damit sie von ihren Erfahrungen berichten und für ihr Anliegen werben kann.

Im Ortsbeirat Rauischholzhausen steht das Thema während der heutigen Sitzung (20 Uhr, Alte Schule) an. Ortsvorsteher Helmut Vogler geht davon aus, dass es einiges zu diskutieren geben wird. Er berichtet von durch Menschen verursachte Katzenansammlungen, die durchaus für Nachbargrundstücke große Auswirkungen haben. Auch im Park gebe es streunende Katzen. Dabei konnte in Zusammenarbeit mit Bender-Wehn bereits eine Frau dazu gebracht werden, ihre acht Katzen kastrieren zu lassen.

„Trotzdem nimmt die Zahl der wild lebenden Katzen hier zu“, sagt Vogler. Das liege auch mit daran, dass sie gezielt angefüttert würden, so der Ortsvorsteher. Er hofft, dass sich die Gemeinde dazu entschließt, die Kastrationspflicht einzuführen.

In einigen Ortsbeiräten wurde das Thema schon beraten. In Beltershausen, so Ortsvorsteher Johannes Block, sieht man keine Notwendigkeit, der Einführung zuzustimmen. „Dieses Problem mit streunenden Katzen gibt es bei uns nicht“, so Block gegenüber der OP.

Heskem will Meinung des örtlichen Tierarztes einholen

In Heskem weiß man um die Probleme in Rauischholzhausen und hatte sich in der jüngsten Sitzung auch von Sabine Bender-Wehn über deren Erfahrungen und Anliegen informieren lassen. „Wir selbst haben damit in Heskem eigentlich nichts zu tun, haben die Entscheidung trotzdem zunächst einmal zurückgestellt“, sagt Ortsvorsteher Heinz-Martin Lieser. Er möchte gerne auch noch die Meinung des Tierarztes vor Ort einholen und das Thema dann in der nächsten Sitzung zum Abschluss bringen.

In Wittelsberg sprach sich der Ortsbeirat knapp mit drei gegen zwei gegen die Einführung aus. Ortsvorsteher Jörg Habiuk sagt, dass das Thema inklusive der Informationen des Gemeindevorstandes eingehend diskutiert wurde. Der Ortsbeirat fand dabei kein einstimmiges Votum. Zwei Mitglieder können es sich gut vorstellen, dass über eine Kastrationspflicht von freilaufenden Katzen und verwilderten Katzen weitergehend diskutiert werden sollte. Habiuk gegenüber der OP: „Sicher gibt es da auch Probleme, aber letztendlich muss man bei diesem Thema auch abwägen.“

Der Ortsbeirat Roßberg hat einstimmig dagegen gestimmt. Ortsvorsteher Werner Böckler sagt dazu: „Wir haben Verständnis für das Anliegen. Wir hier in Roßberg haben damit keine Probleme, weil die soziale Kontrolle sehr groß ist. Generell kann man nur an die Vernunft der Mitbürger appellieren, ihre Katzen so zu halten, dass sie andere Leute nicht belästigen.“

In Dreihausen gab es auch ein einstimmiges Ergebnis gegen die Einführung. „Wir haben ein solches Problem einfach nicht in Dreihausen“, sagt Ortsvorsteher Lothar Heidt.

Böckler hält auch das Verfahren zur Durchsetzung einer Kastrationspflicht für sehr kompliziert. Unter anderem müssten die Katzen erst einmal eingefangen werden, um dann zu versuchen, den Eigentümer zu ermitteln. Während dieser Zeit müsste das Tier ins Tierheim gebracht werden. Wittelsberg, Beltershausen, Dreihausen und Roßberg haben bereits abgelehnt. So kann wohl schon jetzt bei noch ausstehenden Ortsbeiratssitzungen gesagt werden, dass der Gemeindevorstand aufgrund der Vorgabe, dass acht Ortsbeiräte zustimmen müssen, das Thema verwilderte Katzen jedenfalls nicht mehr mit dem Ziel, eine Kastrationspflicht für Katzen einzuführen, weiterverfolgen wird.

von Götz Schaub

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