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Züchter wehren sich gegen Stallpflicht

Rassegeflügelschau Niederwalgern Züchter wehren sich gegen Stallpflicht

Es war die erste Rassegeflügelschau in Niederwalgern nach aufgehobener Stallpflicht aufgrund der Vogelgrippe. Die Züchter blickten auf schwierige Zeiten zurück.

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Impressionen von der Rassegeflügelschau in Niederwalgern: Dieser Hahn entspricht als Vertreter der Rasse „Altsteirer“ dem klassischen Bild eines Nutzgeflügels. Leider gilt die robuste und vor allem auch im Winter für die Außenhaltung geeignete Rasse mit nur 180 Eiern im Jahr nach heutigen Standards nicht leistungsfähig genug.

Quelle: Marcus Hergenhan

Niederwalgern. Bei bestem Wetter und mit entsprechend gut gelaunten Besuchern fand die Geflügelschau in Niederwalgern auf dem Gelände der freiwilligen Feuerwehr statt. Mit annähernd 300 Besuchern, die die insgesamt 60 Tiere aus 14 verschiedenen Rassen bestaunten, war der Rassegeflügelzuchtverein Niederwalgern (RGZV) durchaus zufrieden.

„Sorgen macht uns derzeit das leidige Thema Vogelgrippe,­ die auch der Grund ist, warum es immer weniger Züchter und Aussteller gibt,“ sagte Erster Vorsitzender Werner Löwer. Dabei ist es vor allem die flächendeckende Anordnung der Stallpflicht, die kleineren Züchtern zu schaffen macht. „Viele Arten brüten im Stall schlecht oder gar nicht, die Stallpflicht ging ja von November bis März, da hat man beispielsweise mit Enten keine Chance“, führte Löwer aus und berichtete dass ein Gespräch mit Landrätin Kirsten Fründt über diese Problematik bevorstehe. „Wir hoffen, dass sich in Zukunft bessere Lösungen finden lassen, denn es wird mit­ ­Sicherheit neue Fälle von Vogelgrippe geben.“

Geflügelhalter stellten erstmals nach monatelanger Sperrzeit aus

Ob die Vogelgrippe tatsächlich  durch Zugvögel über den Kot übertragen wird und ob dagegen die Einstallung verlässlich hilft, sei noch immer nicht wirklich geklärt, hoben die Züchter hervor. „Wenn das wirklich so eindeutig wäre, wieso treten dann Fälle von Vogelgrippe 50-fach häufiger in Regionen wie Cloppenburg auf, wo hochverdichtet Puten gezogen werden, die immer eingesperrt bleiben?“ fragte etwa der RGZV-Tierschutzbeauftragte Professor Siegfried Becker.

Einiges spreche dafür, dass die Vogelgrippe vor allem durch Massentierhaltung verbreitet werde – eine Sichtweise, die die Industrie natürlich ungern verfolgt sehen wolle. „Wir hatten gerade im April besonders viele Fälle in Großanlagen, die hat man einfach aus der Statistik genommen, ohne Begründung. So etwas befeuert natürlich wilde Theorien. Es ist auch auffällig, dass vor allem Länder wie Frankreich, Polen und Ungarn von Vogelgrippe betroffen waren, die allesamt enorm viel Massentierhaltung betreiben,“ erklärte Becker. ­

 
Tanja Fischer präsentiert einen Hahn der Rasse „Serama“. Die kleinbleibende Rasse ist zwar für die Fleisch- oder Eierproduktion nicht so interessant, wird aber äußerst zutraulich. Foto: Marcus Hergenhan

Dabei nutzten Großbetriebe in der Fleisch- und Eierproduktion sogenannte Zuchthybriden, die bis zu 300 Eier im Jahr legten oder binnen sechs Wochen zum Schlachtgewicht reiften. Solche Tiere seien aber besonders anfällig und für die Außenhaltung oft gar nicht mehr geeignet. „Wenn so ein Betrieb seine Tiere nach einer Infektion keulen lassen muss, dann ­ordern die einfach neue nach. Ohnehin gibt es weltweit nur noch drei Zuchtlinien, die verwendet werden. Wenn aber bei unseren Züchtern ein Bestand getötet werden muss, dann stirbt dabei mitunter eine alte Rasse komplett aus, denn manche gibt es nur noch bei zwei Züchtern in ganz Deutschland“, sagte Becker.

Aus diesem Grund setze sich der Verband für den vermehrten Einsatz weniger hochgezüchteter alter Rassen ein, die gegenüber vielen Erregern resistenter seien.

Kurzfristig sieht Löwer für den Erhalt der kleineren Zuchtbetriebe in Sachen Vogelgrippe nur eine Lösung: „Wir müssen weg von der anhaltenden flächendeckenden Stallpflicht, die nachweislich auch keine garantierte Sicherheit bietet. Sinnvoll wäre es, wenn Erkrankungen auftreten, in einem gewissen Umkreis einzustallen und nach einigen Wochen zu kontrollieren. Denn im Moment kann es passieren, dass wegen eines betroffenen Wildtieres zig Anlagen geschlossen werden“, beklagt Becker.

von Marcus Hergenhan

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