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Wege und Irrwege rund um den Globus

Hanflabyrinth bei Wenkbach Wege und Irrwege rund um den Globus

Warum Menschen flüchten, wohin sie flüchten – das lernen Besucher des Hanffelds auf einem Wegenetz von 2,5 Kilometern. Der Parcours regt zu kritischer Auseinandersetzung an. Doch Vorsicht: Irrwege gibt es überall.

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Das Hanflabyrinth aus der Vogelperspektive: Der Hanf, derzeit rund 1,80 meter hoch, erreicht bis zu 4 Meter Höhe. Punkte zur Orientierung wie ein Aussichtsturm in der Mitte oder auch die Notausgänge helfen dann.

Quelle: Nadine Weigel

Wenkbach. Die meisten Flüchtlinge der Jahre 2015 und 2016 sind in Deutschland gelandet? Irrtum. Der Libanon führt. „Überhaupt sind vor allem arme, strapazierte Länder von Zuwanderung am stärksten betroffen“, führt Manuel Kästner, Projektleiter des Hanflabyrinths, aus. Nicht etwa rund eine Millionen Menschen, sondern mehr als 20 Millionen hätte Deutschland aufnehmen müssen, um – proportional zur Bevölkerung gesehen – an den Wert aus dem Libanon heranzukommen.

Programm

Das Hanflabyrinth hat bis zum 24. September geöffnet. Öffnungszeiten: während der hessischen Sommerferien immer Donnerstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr, außerhalb der Ferien Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet für Kinder ab 6 Jahre 1 Euro, für Jugendliche ab 12 Jahren 2 Euro und für Erwachsene 4 Euro.

Programm auf der „Grünen Bühne“:
- 8. Juli, 16 Uhr: Vortrag „Sea-Watch“ mit Aktivistin Sandra Hammamy.
- 16. Juli, 12 bis 16 Uhr: „Lümmellesen“ – Vorleseaktion vom Lesenetz Marburger Land mit Geschichten für Kinder von 3 bis 12 Jahren.
- 23. Juli, 16 Uhr: „Hanf – Alter Rohstoff der Zukunft“, Vortrag über Nutzungsmöglichkeiten.
- 29. Juli, 14 bis 16 Uhr: Menschen erzählen ihre Geschichte über Flucht und Ankommen.
- 30. Juli, 13 bis 17 Uhr: Kleider-Tausch-Party mit Musik von „Island Report Soundsystem“. Jeder kann teilnehmen und gut erhaltenen Kleidungsstücke tauschen.
- 13. August, 11 bis 14 Uhr: „Zwirnen mit Hanf“ – Teilnehmer erproben eine alte Kulturtechnik.
- 19. August, 21 Uhr: „My Escape“, Open-Air-Kino mit einem Dokumentarfilm über Fluchtrouten nach Europa.
- 27. August, 15 bis 17.30 Uhr: Hanfverarbeitung selbst lernen mit Mitarbeitern der „Zeiteninsel“ Argenstein.
- 2. September, 21 Uhr: Open-Air-Kino „Asyland“. Dokumentarfilm über Erstaufnahmelager und die Ankunft von Geflüchteten in Deutschland.
- 3. September, 16 Uhr: Lesung aus „Grenzen am Horizont“ mit Autorin und Filmemacherin Melanie Gärtner.

Führungen für Gruppen, beispielsweise für Schulklassen, können per E-Mail an: info@motives-verein.de oder per Telefon 06421/8096659 vereinbart werden. Weitere Infos gibt es im Internet unter: www.hanflabyrinth.org

65,3 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Die meisten von ihnen flüchten per Boot. Die Ausstellung im Hanffeld ist ihrem Schicksal gewidmet. Und den Ländern, die Flüchtlinge aufnehmen. „Auf Fluchtwegen“. So hat der Verein Motivés, der unter anderem auch das Filmfestival „Globale Mittelhessen“ organisiert, den Parcours im Hanflabyrinth bei Wenkbach betitelt. Zum dritten Mal ist der Verein mit einem solchen Parcours in der Gemeinde Weimar zu Gast – das Thema ist jedes Mal ein anderes.

Diesmal räumt das Team von rund 25, teils ehrenamtlichen, teils hauptamtlichen Mitarbeitern aus Marburg und Gießen in der interaktiven Ausstellung mit Unwissenheit rund um Migration auf und gibt den Besuchern die Möglichkeit, die eigene Vorstellung zu hinterfragen. Zum Beispiel am Murmel-Barometer. „Warum würdest du aus deiner Heimat flüchten?“ Durch das Einwerfen einer Murmel antwortet jeder für sich selbst. Die vorgeschlagenen Optionen sind vielfätig: „Ich wurde schon als Mädchen zwangsverheiratet. Nun schlägt mich mein Mann, aber ihn zu verlassen, steht unter Todesstrafe.“ Oder: „In meinem Land ist ein Bürgerkrieg ausgebrochen. Meine Stadt wird zerbomt.“ Oder auch: „Ich finde keinen Arbeitsplatz und habe kein Geld.“

An einer von zehn Stationen im Labyrinth setzen die Besucher sich damit auseinander, dass Flucht und Migration für Deutschland nichts Neues sind. Etwa wird die deutsch-deutsche Wanderung, die Flucht von der DDR in den Westen im Zeitraum von 1949 bis 1989 näher beleuchtet.

Ausstellung läuft drei Monate lang

„Wir wollen den Besuchern keine Meinung aufdrängen“, sagt Kästner. Die Schau, die teils auch mit Audiobeiträgen augestattet ist, wolle, „dass sich jeder sein eigenes Bild von Flucht und Migration verschaffen kann“. Gleichwohl stehe Motivés für eine Gesellschaft, die Flüchtlinge willkommen heißt, „auch Wirtschaftsflüchtlinge“, sagt Kästner. Von dieser Haltung zeugt der Schriftzug „Refugees welcome“. Mit Blick aus der Vogelperspektive aufs  Feld kann man ihn lesen. Die Wege und Irrwege durchs Feld beschreiben einen Globus. Die Muster sind durch den Einsatz eines Balkenmähers entstanden.

In seinem Labyrinth 2015 empfing Motivés in Wenkbach in einem Zeitraum von drei Monaten 6500 Besucher, rund 6000 Besucher waren es im vergangenen Jahr, als Motivés das Labyrinth in Gießen angelegt hatte. Das Feld entstand nun zum dritten Mal in Zusammenarbeit mit dem Niederweimarer Bio-Landwirt Matthias Happel, der das Feld bestellt hat und im Herbst auch die Hanfsaat erntet. Daraus entstehen proteinreiche Lebensmittel. THC-haltig ist der Hanf übrigens nicht, es handelt sich um reinen Nutzhanf.

von Carina Becker-Werner

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