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Angeklagter fasste weitere Kinder an

Aus dem Gericht Angeklagter fasste weitere Kinder an

Vor dem Marburger­ Landgericht war am Dienstag im Fall der versuchten Kindesentführung in Niederweimar nochmal das Klebeband Thema.

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Luftaufnahme von den Marburger Gerichtsgebäuden.

Quelle: Archivfoto

Marburg. Mit dem Band hatte der Täter vor fünf Jahren das Mädchen geknebelt, als er versuchte, die damals Neunjährige zu entführen. Dieses Klebeband ist das stärkste Indiz dafür, dass es sich bei dem 34-jährigen Angeklagten um den Täter handelt. Die Ermittler hatten sowohl seine Fingerabdrücke als auch DNA-Spuren auf dem Band entdeckt. Der 34-Jährige bestreitet, damals in Niederweimar gewesen zu sein. Sein Auto habe er häufig verliehen und die Rolle mit dem ­Klebeband habe in diesem ­Auto gelegen.

Abdrücke auf Klebeband

Die Verteidigung wollte es am Dienstagvormittag ganz genau wissen: Wo waren auf dem Stück Klebeband die Fingerabdrücke des Angeklagten? Und kann es nicht sein, dass die Abdrücke schon vorher auf dieses besagte Stück gelangt waren, zum Beispiel beim Abreißen des Stückes davor? Das Gericht ließ sich daraufhin Fotos und eine Erklärung vom Landeskriminalamt zusenden. Demnach gab es zwei auswertbare Abdrücke auf dem Klebeband, einen am Rand und einen in der Mitte – beide auf der Innenseite, also auf jener Fläche, die auch die Rolle zusammenhält.

An einem der ersten Verhandlungstage hatte die Verteidigung zudem die Frage aufgeworfen, ob der Vorfall in dem Hammer Schwimmbad nicht auch eine­ zufällige Berührung gewesen sein könnte. Zur Erinnerung: Dieses Ereignis wird dem 34-Jährigen als sexueller Missbrauch zur Last gelegt. Das Mädchen stand damals an einer schmalen Stelle des Beckens im Wasser, als der Angeklagte sie am Gesäß berührte. Die Verteidigung hakte hier nach: Wie viel Platz war dort? Konnte der Angeklagte überhaupt weit genug von dem Mädchen entfernt schwimmen, um eine Berührung zu vermeiden? Die Antwort kam in Form eines Grundrisses des Schwimmbades: Mindestens anderthalb Meter Platz gibt es dort.

Mädchen im Krankenbett angefasst

In der Verhandlung wurden gestern und vorgestern noch zwei weitere Vorfälle besprochen. Einmal hatte der Angeklagte während seiner Ausbildung zum Kinderkrankenpfleger einen achtjährigen Patienten mit seinem Porsche mitgenommen. Der Vater des Jungen hatte die Erlaubnis ­dazu gegeben. Später kam heraus,­ dass der Angeklagte dem ­Jungen während der Fahrt die
Hand gehalten hatte.

Einer zehnjährigen Patientin hatte der Angeklagte den Bauch gestreichelt. Das Mädchen ­hatte gerade eine Magen-Darm-Spiegelung hinter sich gebracht. ­Ihre Mutter wollte ihren Parkschein verlängern und bat den Angeklagten, sich für die Zeit ihrer Abwesenheit um die Tochter zu kümmern. Eine Kollegin hatte den 34-Jährigen dann durch die geöffnete Tür auf dem Bett des Mädchens sitzen sehen.

von Dominic Heitz

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