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Sechs Jahre Haft für Kidnapper

Aus dem Gericht Sechs Jahre Haft für Kidnapper

Als der Richter das Urteil verlas, verzog der Angeklagte keine Miene. Sein Verteidiger hatte noch auf Freispruch plädiert. Jetzt soll der 34-Jährige sechs Jahre ins Gefängnis gehen.

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Urteil: Sechs Jahre Haft

Staatsanwalt Jonathan Poppe (rechts).

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Im Fall der versuchten Kindesentführung in Niederweimar hat das Marburger Landgericht den 34-jährigen Angeklagten zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass es sich bei dem Angeklagten um jenen Mann handelt, der 2012 am helllichten Tag versucht hatte, ein damals neunjähriges Mädchen zu entführen. Das habe er getan, „weil er zweifellos etwas Sexuelles mit dem Kind vorhatte“, führte der Vorsitzende Richter Dr. Thomas Wolf in seiner Urteilsbegründung aus.

Genau hier hatte Verteidiger Carsten Göthel seinen Angriff auf die Anklage der Staatsanwaltschaft angesetzt. In seinem Plädoyer - das genau wie die Schlusseinlassung der Staatsanwaltschaft unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehalten wurde - kritisierte Gö­thel, dass die Täterschaft seines Mandanten nicht zweifelsfrei bewiesen sei. Die OP erfuhr dies auf Nachfrage aus Justizkreisen. Von zentraler Bedeutung bei der Beweisführung war das Klebeband, mit dem das Mädchen damals geknebelt worden war. Hierauf fanden die Ermittler Fingerabdrücke und DNA-Spuren des Verurteilten.

Die Verteidigung war allerdings der Meinung, dass diese Spuren auch vorher schon auf dem Klebeband gewesen sein konnten. Der Verurteilte hatte nach seiner Festnahme im Mai gesagt, dass er sein Auto vor fünf Jahren häufig verliehen hatte und die Rolle mit dem Kleber im Auto lag. Das Gericht folgte der Argumentation der Verteidigung nicht. Die Anordnung der Fingerabdrücke deuteten darauf hin, dass der Verurteilte das Klebeband auf den Mund des Mädchens geklebt habe, so der Richter. Der 34-Jährige soll nun insgesamt sechs Jahre im Gefängnis verbringen. Staatsanwalt Jonathan Poppe hatte sieben Jahre und vier Monate gefordert.

Das Gericht verurteilte den Mann für insgesamt fünf Tatbestände: versuchte sexuelle Nötigung in besonders schwerem Fall, versuchter schwerer sexueller Missbrauch, versuchte Entziehung Minderjähriger, gefährliche Körperverletzung sowie sexueller Missbrauch von Kindern. Letztere Tat umschreibt den Vorfall in einem Hammer Schwimmbad, als der Mann einem Mädchen sekundenlang ans Gesäß gefasst hatte.

Richter: „Es fügt sich alles ein“

In seiner Urteilsbegründung rekapitulierte der Vorsitzende Richter nochmal den Ablauf der Ereignisse: die versuchte Entführung im Jahr 2012, der Bau eines Verlieses im Jahr 2013, verschiedene Vorfälle aus der Ausbildung des Verurteilten zum Kinderkrankenpfleger - nicht justiziabel, aber dennoch auffällig - sowie die Tat in dem Hammer Schwimmbad. Zudem ist ein weiteres Verfahren bei der Staatsanwaltschaft Bochum anhängig, weil der Mann in einem weiteren Fall ein Mädchen in einem Schwimmbad angefasst haben soll.

Alles zusammengenommen zeige, wohin sich der 34-Jährige in den vergangenen Jahren entwickelt hat, so der Richter. „Es fügt sich alles ein“, sagte er.

Richter Wolf äußerte sich auch über die mögliche Außenwirkung des Urteils. Die versuchte Entführung habe „große Empörung und großen Schrecken verursacht“, so der Richter. Um das Strafmaß festzulegen, habe das Gericht aber vor allem einbeziehen müssen, dass es sich bei den meisten Vorwürfen um versuchte Taten handelt. Dies führe zwangsläufig zu einer Minderung des Strafmaßes. Verteidiger Carsten Göthel kündigte an, in Revision gehen zu wollen.

von Dominic Heitz

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