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Säen mit der Hand und ohne Hilfsmittel

Schüler reisen in die Steinzeit Säen mit der Hand und ohne Hilfsmittel

Gar nicht so einfach, ohne modernes Gerät ein paar Furchen in den Ackerboden zu bekommen, darin dann Körner auszusäen und alles wieder gut zu verdecken. Diese Erfahrung machten jetzt Drittklässler auf der Zeiteninsel.

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Mit primitiven Hilfsmitteln und per Hand brachten die Schüler der dritten Klassen der Grundschule Niederweimar ihre Saat aus.

Quelle: Götz Schaub

Argenstein. Also Ausdauer bewiesen sie dann schon, die Kinder der beiden dritten Klassen der Grundschule Niederweimar. Einmal angefangen, brachten sie ihr Vorhaben auch erfolgreich zu Ende. Aber sie merkten doch, dass sie dafür Zeit, Geduld, auch ein bisschen Konzentration und Ausdauer benötigten.

Auf einem eigens präparierten und umzäunten Versuchsfeld hantierten sie nicht mit Gentechnik und modernem Gerät, sondern mit einem einfachen Holzstock, der als Harke diente, und Getreidekörnern, wie es sie schon vor mehr als 6500 Jahren zur Lebensmittelgewinnung gab. „Emmer, Einkorn, Sommerweizen und Nacktgerste stehen zur Auswahl“, erläutert Astrid Wetzel, Mitglied des Fördervereins Zeiteninsel – Archäologisches Freilichtmuseum Marburger Land. Sie kannte die Klassen schon, war zur Vorbereitung des Aktionstages in der Schule gewesen, um den Kindern etwas über die Zeiteninsel und das Leben in der Steinzeit zu erzählen.

Schüler lernen damaligen Alltag kennen

Jetzt auf der Zeiteninsel teilen sich die Kinder in vier Gruppen auf und übernehmen zusammen die Arbeiten von der Feldvorbereitung über die Aussaat bis zum Verschließen der dafür extra geschaffenen Furchen. Gerade der letzte Arbeitsschritt ist wichtig, demonstrieren Wetzel, Meike Schuler-Haas und Monika Mosburger, die sich für die Kinder auch in Kleidung gehüllt hat, wie sie vielleicht damals mehrere Jahrtausende vor Christus genau bei Argenstein an der Lahn getragen wurde.

Das Verdecken der Körner, die damals mit dazu beitrugen, das Überleben der Anbauer über den Winter zu sichern, ist aus zweierlei Sicht wichtig. Einmal, um es den Vögeln nicht ganz so leicht zu machen, die Körner aufzupicken und zu verschlingen, zum anderen, weil sie „Dunkelkeimer“ sind. Einfach nur auf die Erde gesät, reicht also nicht aus. Die Klassen aus Niederweimar wissen, dass ihr Arbeitseinsatz am Mittwoch der Erste von ganz vielen war, denn bis zum Brotbacken aus dem selbst gesäten Korn liegen noch viele Arbeitsschritte vor ihnen. Und auch darum geht es bei dem Projekt, das die Grundschule nun schon zum dritten Mal in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Zeiteninsel organisiert. Die Kinder werden öfter zu ihrem bestellten Feld zurückkehren, um es zu pflegen, Unkraut zu jäten, den Pflanzen Wasser zu geben und ihnen auch beim Wachsen zuzuschauen.

Gebacken wird erst im vierten Schuljahr

Weil das länger dauert als das Schuljahr lang ist, gibt es auch Freiwillige, die sich in den Sommerferien bereit erklären zu helfen, damit dann im vierten Schuljahr geerntet werden kann. „Dann werden die Kinder ihr eigenes Mehl produzieren, natürlich auch in Handarbeit mit Gerätschaften, wie sie den Menschen in der Steinzeit zur Verfügung standen, etwa einem Malstein“, sagt Astrid Wetzel. Im vergangenen Jahr war unter den ausgewählten Feldfrüchten auch Dinkel, doch der wollte einfach nicht gedeihen, die Ernte fiel ernüchternd aus, sagt Meike Schuler-Haas vom Fördervereinsvorstand.  

Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Förderverein ist praktisch eine Umsetzung der Idee, die Zeiteninsel auch zu einem außerschulischen Lernort zu machen, Schülern die Möglichkeit zu bieten, Teil einer „Living History“ zu sein, indem sie selbst ausprobieren und erfahren können, wie das Leben damals ungefähr gewesen sein muss.

von Götz Schaub

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