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Kuriose Unfallfahrt endet in einem Garten

Aus dem Gericht Kuriose Unfallfahrt endet in einem Garten

Aufgrund seiner zahlreichen Vorstrafen musste sich ein 27-Jähriger vor dem Amtsgericht wegen einer Unfallflucht in ­Weimar verantworten. Nachdem er in einer engen Straße mehrere Autos beschädigte, lief der Angeklagte zu Fuß nach Hause.

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Der Angeklagte gestand die Tat vor dem Marburger Amtsgericht und wurde zu einer Geldstrafe verurteilt.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Wie eine Billardkugel oder auch wie der Ball in einem Flipperspiel verhielt sich ein junger Mann aus dem Südkreis, als er erfolglos versuchte, durch eine enge Straße mit mehreren parkenden Autos zu manövrieren, so der treffende Vergleich von Oberamtsanwältin Grün zu einem kuriosen Unfallhergang.

Zuerst fuhr der 27-Jährige ­gegen einen parkenden Wagen, knallte gegen einen zweiten und landete schließlich in einem Garten, bevor er sich zu Fuß davon machte. Wegen Unfallflucht wurde der erheblich vorbestrafter Mann zu einer Geldstrafe verurteilt. Der Unfall ereignete sich im Oktober in der Gemeinde Weimar. In der Nacht verlor der 27-Jährige anscheinend die Kontrolle über sein Fahrzeug und beendete seine Unfallfahrt an einem Baum. Der Aufprall war hart genug, dass der Airbag auslöste.

Verursachter Schaden in Höhe von 6000 Euro

Verwirrt stieg der Angeklagte­ aus seinem demolierten Wagen, hielt sich noch kurze Zeit an der Unfallstelle auf und ging schließlich zu Fuß nach Hause.­ Die Ordnungswidrigkeit gab der Unfallverursacher nun vor dem Strafgericht zu. Er habe in dieser Nacht wohl nicht aufgepasst, „die Straße war sehr eng“, gab der Mann stockend zu Protokoll. Durch den Aufprall habe er sich den Kopf gestoßen, „alles hat sich gedreht, mir ging es richtig schlecht“, erklärte er, dass er den Unfallort widerrechtlich verlassen hatte. Das Ganze sei nicht als Flucht geplant gewesen – am nächsten Tag meldete er sich bei den ­Geschädigten, teilweise Bekannte von ihm, und hinterließ seine Versicherungsdaten. Den verursachten Schaden von rund 6000 Euro habe er mittlerweile beglichen.

Einige Ungereimtheiten blieben während der Verhandlung jedoch ungeklärt. Mehrere­ ­Anwohner hörten den Unfall, sammelten sich an der Straße­ und alarmierten die Polizei, die den Mann nicht mehr antraf. Wie lange er tatsächlich an der Unfallstelle gewartet hatte, fünf oder auch dreißig Minuten, da waren sich nicht alle Zeugen einig. Auch eine Beschreibung des verschwundenen Täters zu erhalten, sei den Ermittlern schwergefallen: „Das konnte oder wollte keiner sagen“, berichtete ein Polizist.

Richterin: „Die Vorstrafen sind ein großes Manko“

Durch sein Verschwinden entging der Beschuldigte zudem ­einer Alkoholkontrolle. Getrunken habe er in dieser Nacht jedoch „gar nichts“, beteuerte der Mann mehrfach. Das Gegenteil vermutete Oberamtsanwältin Grün. Beweisen ließe sich das jetzt nicht mehr. Ebenso wenig wie ein weiterer Anfangsverdacht, dass nicht der Angeklagte, sondern ein anderer das Unfallauto gefahren hätte, er angeblich nur die Schuld auf sich nahm. „Zu Gerüchten möchte ich nichts sagen“, wie es einer der Zeugen ausdrückte.

Warum diese Ordnungswidrigkeit überhaupt vor Gericht landete, das überraschte einige Zeugen wie die Verteidigung, die auf eine Einstellung des geringwertigen Verfahrens anspielte.­ Ein Grund, dass die Staatsanwaltschaft das Ganze nicht auf sich beruhen lassen konnte, war wohl das erhebliche Vorstrafenregister des 27-Jährigen. Dieser stand bereits des Öfteren wegen gefährlicher Körperverletzung, schwerem Diebstahl oder räuberischer Erpressung vor Gericht und ist bereits einschlägig wegen diverser Verkehrsdelikte vorbestraft. Auch dieses Mal habe der Mann „die Art seiner Beteiligung verschleiert und einen bedeutenden Schaden verursacht“, betonte die Anklagevertreterin.

Ähnlich sah dies auch Strafrichterin Graue: „Auch die Vorstrafen sind ein großes Manko“, betonte die Richterin, die den Angeklagten zu 30 Tagessätzen zu je 25 Euro Geldstrafe verurteilte. Hinzu kommt eine Geldbuße von 35 Euro. „Ich hoffe, dass wir uns nicht wiedersehen“, ermahnte sie den Mann, der dem eindeutig zustimmte und die Strafe annahm. Das Urteil ist rechtskräftig.

von Ina Tannert

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