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Angeklagter räumt Konsum von Drogen ein

Jugendgericht Angeklagter räumt Konsum von Drogen ein

Einem Jugendlichen aus Weimar wurde vorgeworfen, in acht Fällen durch Verkauf, Erwerb und Besitz von Marihuana gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen zu haben.

Marburg. Der Heranwachsende hatte zwischen November 2016 und März 2017 meist kleine Mengen im Wert von etwa 10 Euro zum Eigenkonsum erworben, doch soll er auch Mengen von bis zu sechs Gramm im Wert zwischen 50 und 60 Euro an andere Konsumenten verkauft haben. Zudem wurde in seiner Wohnung Ecstasy gefunden, auch damit soll er Handel getrieben haben.

Der Verteidiger des Angeklagten räumte die Käufe zum Eigenkonsums seines Mandanten ein, bestritt allerdings, dass dieser gedealt hätte. Er habe lediglich für Freunde und Bekannte etwas mitgebracht, wenn er sich mit einem Dealer traf. Im Tatzeitraum habe der 20-Jährige regelmäßig Marihuana konsumiert und dafür etwa 20 Euro pro Woche ausgegeben. Den Handel mit sowie den Konsum von Ecstasy bestritt der Angeklagte allerdings. Zwar habe er mal Ecstasy probiert, aber mittlerweile konsumiere er dies nicht mehr. Das bei ihm gefundene Ecstasy gehörte einem Freund, sagte der Angeklagte.

Verteidiger bestritt Handel und Konsum von Ecstasy

Als erster Zeuge wurde ein 16-jähriger Auszubildender aus Niederweimar aufgerufen, der in einem Facebook-Chat mit dem Angeklagten über den Kauf von Marihuana geschrieben hatte. Der Angeklagte habe ihm „nicht wirklich was verkauft“, sondern „mal vor einem Jahr was für zehn Euro mitgebracht“. Der Angeklagte galt als „Kontakt im Dorf“, der Dealer in der Umgebung kannte, erklärte der Zeuge.

Dem zweiten Zeugen, einem 24-Jährigen, der im Tatzeitraum in Niederweimar lebte, wurde ebenfalls anhand von Chat-Verläufen vorgeworfen, am Handel beteiligt gewesen zu sein. Doch dieser wollte davon nichts wissen. „Der Text sagt mir nichts, das interessiert mich auch nicht“, bestritt der Zeuge. Er habe mit Drogen nichts mehr zu tun, sei aber immer wieder darauf angesprochen worden.

Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Dirk-Uwe Schauß, warum der Angeklagte ausgerechnet mit ihm geschrieben habe, antwortete der Zeuge nur: „Man kennt sich in dem Dorf.“ Weiter ins Detail wollte er dabei nicht gehen. Die Staatsanwaltschaft sah sich in ihrem Plädoyer gezwungen, den Vorwurf des Handels mit Marihuana sowie den des Handels und Besitzes von Ecstasy gegen den Angeklagten einzustellen.

Staatsanwaltschaft fordert Drogenscreenings

Für die vom Angeklagten eingeräumten Fälle des Erwerbs und des Besitzes von Marihuana forderte die Staatsanwaltschaft für den bereits wegen Sachbeschädigung, Betrugs, Fahren ohne Führerschein, illegalem Waffenbesitz und Verstoß gegen das Tierschutzgesetz in Erscheinung getretenen Angeklagten 60 Arbeitsstunden. Des Weiteren forderte die Staatsanwaltschaft vier Drogenscreenings, um zu prüfen, ob der Angeklagte tatsächlich nicht mehr konsumiere, und sich zu vier Gesprächen bei der Drogenberatung der Diakonie einzufinden. Darüber hinaus solle sich der Angeklagte beim Job-Center melden, um eine Arbeitsstelle zu suchen.

Der Verteidiger gab dem Antrag der Staatsanwaltschaft bis auf einen Punkt statt. Dieser forderte, die Drogenscreenings lediglich auf Marihuana zu beschränken, da umfassende Tests erheblich teurer und für seinen Mandanten nicht aus eigener Tasche zu bezahlen seien.

Das Gericht stimmte dem Antrag der Staatsanwaltschaft ebenfalls zu und kam dem Verteidigers damit entgegen, dass nur das erste Screening umfassend prüfen solle, alle anschließenden nach Marihuana und den im ersten Screening gefundene Substanzen. Das Urteil ist rechtskräftig.

von Michael Noll

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