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Im Zickzackkurs zum großen Traum

Freilichtmuseum Zeiteninsel Im Zickzackkurs zum großen Traum

Das Rössen-Haus wird erst im Sommer 2018 fertig. Der Parkplatz soll im Frühjahr gebaut werden. Zeiteninsel-Projektleiter Dr. Andreas Thiedmann bleibt trotz des „sportlichen Zeitplans“ gelassen.

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Auf der Ackerfläche an der Ochsenburg soll der Parkplatz der Zeiteninsel entstehen.

Quelle: Thorsten Richter

Argenstein. Eigentlich sollte das Rössen-Haus schon im Frühjahr fertig werden. Jetzt kommt es anders: Die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (IJGD) wollen Jugendliche nach Argenstein schicken. In einem mehrwöchigen Projekt übernehmen die Jungen und Mädchen die Lehmarbeiten an dem Gebäude. Das sei so ziemlich das letzte, das an dem Haus zu tun ist, sagt Dr. Andreas Thiedmann.

Er ist der archäologische Leiter des Projektes und arbeitet als Bezirksarchäologe beim Landesamt für Denkmalpflege in Marburg. Bis zum Winter sollen noch Erdarbeiten rund um das Rössen-Haus erledigt werden, sagt er. Außerdem werde das Dach noch mit Stroh gedeckt.

Ein Mammutprojekt

Das Rössen-Haus ist eines jener Bauwerke, mit denen die Zeiteninsel Geschichte erlebbar machen will. Das Haus repräsentiert die Epoche der Jungsteinzeit. Der Ort, an dem das Freilichtmuseum entsteht, wurde bewusst gewählt: Dort fließen Allna und Lahn zusammen, 11 000 Jahre lang haben dort Menschen gesiedelt. Das haben Ausgrabungen belegt.

Es ist ein Mammutprojekt, das derzeit in Argenstein Konturen annimmt. Thiedmann träumt seit 18 Jahren von diesem Museum. „Es ist mein Lebenswerk“, sagt er. Der Weg bis heute sei ein Zickzackkurs gewesen. Im Laufe der Zeit seien immer wieder neue Probleme aufgetaucht. So beispielsweise bei den Parkplätzen. Die Gemeinde Weimar hatte ein rund 9 000 Quadratmeter großes Areal nördlich der Gaststätte „Ochsenburg“ gekauft.

Das gesamte Gebiet um die Allnamündung ist aber mit verschiedenen naturschutzrechtlichen Einschränkungen belegt. Ende des Jahres sollen sämtliche benötigten Genehmigungen für den Parkplatz vorliegen, sagt Thiedmann. Und im Frühjahr sollen dann 150 Stellplätze gebaut werden. Die Besucher der Zeiteninsel werden einen kleinen Fußmarsch in Kauf nehmen müssen. Zwischen Parkplatz und Museumseingang liegen rund 400 Meter.

In der Zeiteninsel angekommen, finden sich die Gäste zunächst am Besucherzentrum wieder. Das Stuttgarter Architekturbüro, das den Wettbewerb zur Gestaltung des Zentrums gewonnen hatte, will bis Ende 2018 sämtliche Genehmigungen für den Bau eingeholt haben. Gut 400 Quadratmeter Nutzfläche wird das Multifunktionsgebäude bereitstellen – zum Beispiel auch für Firmenfeste oder Hochzeiten. 2019 soll gebaut werden. Kosten des Zentrums: 1,2 Millionen Euro.

Pro Jahr soll eine Station entstehen

Die einzelnen Stationen des Museums entstehen nach und nach – eine pro Jahr, sagt Thiedmann. Die drei Gebäude des Germanen-Gehöfts werden im kommenden Jahr in Angriff genommen. Spätestens 2020 möchte Andreas Thiedmann das Museum eröffnen.

Die Zeiteninsel wird kein „archäologisches Experiment“, sagt Thiedmann. „Wir bauen nach hessischer Bauordnung.“ Entsprechend dem Stand der Technik der einzelnen Epochen zu bauen, wäre viel zu teuer. Die Besucher sollen sich dennoch ein möglichst authentisches Bild davon machen können, wie die Menschen in der Jungsteinzeit und anderen Epochen lebten. Deshalb werden beispielsweise die Spuren moderner Werkzeuge getilgt.

Das Freilichtmuseum soll insgesamt 5,3 Millionen Euro kosten. 90 Prozent davon übernimmt das Land Hessen. Den Rest stemmt die eigens für die Zeiteninsel gegründete Genossenschaft. Genossenschafter sind die Gemeinde Weimar, die Stadt Marburg, der Landkreis Marburg-Biedenkopf sowie Unternehmen und Privatpersonen aus der Region.

Mindestens vier Arbeitsplätze in Vollzeit

Die Landesmittel stehen bereit. Einzelne Beträge werden immer dann abgerufen, wenn eine Rechnung zu bezahlen ist. Die Förderung sei gedeckelt, sagt Andreas Thiedmann, mehr gebe es nicht. Sollte das Geld nicht ausreichen, „müssen wir kreativ werden“. Das Museum soll der Region auch monetär etwas zurückgeben. Mindestens vier feste Arbeitsplätze in Vollzeit sollen dort entstehen, sagt der Projektleiter.

Die Genossenschaft als Betreiber des Museums wird einen Museumsleiter einstellen, zudem einen Pädagogen, einen Techniker und eine Verwaltungskraft. „Zusätzlich sind auch noch Teilzeitkräfte oder ehrenamtliche Helfer denkbar “, sagt Thiedmann. Bis dahin dauert es aber noch.

Vor 18 Jahren hatte Dr. Andreas Thiedmann zum ersten Mal die Idee, an der Allnamündung „etwas zu machen“, wie er sagt. Damals waren in Argenstein Hinweise auf altertümliche Siedlungen aufgetaucht. 2021 – also 22 Jahre später – könnte sein großer Traum in Erfüllung gehen.

von Dominic Heitz

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