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Opfer sagt vor Landgericht aus

Versuchte Kindesentführung Opfer sagt vor Landgericht aus

Im Prozess um die versuchte Kindesentführung in Niederweimar hat sich nun auch das Mädchen geäußert, das sich damals aus dem Auto befreien konnte. Den Angeklagten identifizieren konnte sie allerdings nicht.

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Der Angeklagte wurde am Montagmorgen von einem Justizbeamten ins Landgericht geführt.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Zweiter Prozesstag am Marburger Landgericht. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit hat sich am Montag das 15-jährige Opfer zu der Tat vor über fünf Jahren geäußert. Damals war das Mädchen einer Entführung in Niederweimar knapp entkommen. Der Täter hatte der damals Neunjährigen Klebeband über den Mund geklebt und sie in ein Auto gezerrt. Als er selbst einsteigen wollte, war das Mädchen geflohen.

Das Opfer wollte ihrem mutmaßlichen Peiniger nicht ins Gesicht sehen, weshalb der Vorsitzende Richter Dr. Thomas Wolf den Angeklagten aus den Raum führen ließ, bevor sie auf der Zeugenbank Platz nahm. Der Angeklagte setzte sich dann auf die Zuschauerbank, während die 15-Jährige sprach. Sie habe die Geschichte genau so erzählt, wie auch schon die ersten Zeugen die Tat beschrieben, sagte Dr. Wolf auf OP-Nachfrage nach der Verhandlung. Identifiziert habe das Mädchen den Angeklagten allerdings nicht.

Auch das Mädchen aus Hamm, das der Angeklagte im Frühjahr in einem Schwimmbad unsittlich angefasst haben soll, sagte­ Am Montag in Marburg aus. Die 13-Jährige hatte damals im Wasser gestanden, als der Angeklagte sie berührte. Nach der Verhandlung erklärte Richter Wolf auf OP-Nachfrage, dass es bei dem Fall in Hamm noch um die Frage ging, ob der Angeklagte das Mädchen absichtlich oder versehentlich berührte.

Fingerabdrücke und 
DNA stimmen überein

Im Falle der versuchten Entführung zitierte der Vorsitzende Richter Wolf aus einem sogenannten daktyloskopischen Gutachten – ein Fingerabdrucknachweis. Daraus geht eindeutig hervor, dass die Fingerabdrücke des Angeklagten mit denen übereinstimmen, die auf dem Klebeband sichergestellt wurden, mit denen der Täter vor fünf Jahren das Mädchen in Niederweimar geknebelt hatte. Ein zweites Gutachten zeigt zudem, dass es auch übereinstimmende DNA-Spuren gibt.

Als Zeuge sagte am Montagvormittag zudem der Motorradfahrer aus, der damals in Niederwalgern die Verfolgung des flüchtenden Täters aufgenommen hatte. Nachdem er den Wagen kurz aus den Augen verloren hatte, glaubte er ihn in Gisselberg wiederentdeckt zu haben. Kurze Zeit später wurde dieses Auto von der Polizei angehalten. Damals hatte der Berufskraftfahrer aus Wetter zu Protokoll gegeben, dass das angehaltene Auto dasselbe war, das auch in Niederwalgern vom Tatort floh. Mittlerweile ist aber der Fahrer dieses Wagens durch eine DNA-Probe entlastet worden.

Der Angeklagte selbst hüllt sich nach wie vor in Schweigen. Der nächste Verhandlungstag ist Montag, 4. Dezember. Dann soll das Protokoll der Vernehmung des Angeklagten Gegenstand der Beweisaufnahme werden. Es wird das erste Mal sein, dass etwas vom mutmaßlichen Täter selbst zu hören sein wird. Außerdem wird es um Bilder gehen, die auf dem Computer des Angeklagten gefunden wurde. Dabei handelt es sich um Foto­grafien „nackter Kinder und ­Erwachsener“, wie Richter Wolf sagt. Pornografie sei es aber nicht. Wolf schätzt, dass am nächsten Verhandlungstag die Beweisaufnahme abgeschlossen werden kann.

von Dominic Heitz

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