Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 3 ° stark bewölkt

Navigation:
„Im Gesicht meiner Klientin geht die Sonne auf“

Bürgerhilfe in Weimar „Im Gesicht meiner Klientin geht die Sonne auf“

Eine kostenlose Schulung in 34 Unterrichtsstunden bereitet die Teilnehmer für die Hilfe im Alltag vor.

Voriger Artikel
Ermittlungen in zwei weiteren Fällen
Nächster Artikel
Scheune brennt komplett aus

Der vierte Bürgerhelferkurs soll im Sitzungszimmer der Gemeindeverwaltung stattfinden, die Teilnehmerzahl ist nicht begrenzt.

Quelle: Privatfoto

Niederweimar. „Wenn ich meine Klientin begrüße, geht die Sonne in ihrem Gesicht auf“, erklärt eine Bürgerhelferin, die den ersten Kurs im Herbst 2015 absolviert hat. „Man bekommt durch die Zusammenarbeit mit den Familien und den Betreuten so viel Bestätigung, die im normalen Arbeitsalltag ihresgleichen sucht.“ Mit ihrer Arbeit trage sie dazu bei, dass Menschen in Würde in ihren eigenen vier Wänden alt werden könnten.

Hilfe beim Einkaufen oder bei technischen Problemen, Begleitung zum Arzt oder auch einfach gemeinsam Zeit verbringen - die Dienste der Bürgerhelfer sind vielfältig. Zumeist werden sie von Senioren in Anspruch genommen. „Wir haben die Zeit, die die Pflegedienste nicht haben“, erklärt Susanne Veit (kleines Foto). Sie ist Koordinatorin des Fördervereins für Bürgerhilfe Weimar, der den Kurs anbietet. Die Helfer arbeiteten daher in Ergänzung zu den Pflegediensten. Pflege wie auch Putzen gehörten nicht zu ihren Aufgaben.

Der Kurs soll sie auf die Begegnungen vorbereiten. Sie lernen rechtliche Grundlagen kennen, erfahren einiges zum Thema Pflegeversicherung und über Krankheitsbilder. Den größten Teil macht das Thema Demenz aus, das immer wichtiger werde. Heute betreffe die Krankheit nicht mehr nur über 70-Jährige. Teilweise beginne sie im Alter von 50 Jahren. Der Umgang damit sei nicht immer leicht.

„Manche waren mit ihrem Klienten Kaffeetrinken und Spazierengehen und beim nächsten Mal lässt er sie nicht ins Haus“, so Veit. Außerdem mache die Demenz manche Menschen auch aggressiv. Veit steht den Bürgerhelfern in solchen Fällen immer als Beraterin zur Seite. Zudem fänden regelmäßig Teamtreffen statt, bei denen sich die derzeit 23 ausgebildeten Bürgerhelfer austauschten. Auch privat träfen sie sich teilweise, weil eine gute Gemeinschaft entstanden sei.

Bei der Schulung lege sie wert auf eine familiäre, gemütliche Atmosphäre, sagt Veit. Daher gebe es Snacks und Getränke. Einige Teilnehmer besuchten den Kurs schließlich neben ihrer Arbeit. Abends und samstagvormittags finden die Unterrichtseinheiten statt. Viele der Teilnehmer seien auch Rentner oder Mütter, deren Kinder vormittags in der Betreuung seien.

Trotz einer Aufwandsentschädigung von sieben Euro pro Stunde sei für die meisten nicht das Geld die Motivation. Sie suchten nach einer sinnvollen Aufgabe.

Auch ein bis zwei Fortbildungen pro Jahr gehörten dazu. Die Kurse seien kostenlos, weil sie von Fördergeldern finanziert würden. Daher müssten sich Teilnehmer auch für ein Jahr verpflichten, als Bürgerhelfer tätig zu sein. Dabei werde aber darauf geachtet, dass Helfer und Klient zusammen passten. Die Treffen fänden zwar regelmäßig statt, seien aber in einem individuellen Umfang. Von einmal alle zwei Wochen bis mehrmals pro Woche sei alles dabei.

  • Am Dienstag um 19 Uhr lädt der Förderverein für Bürgerhilfe Weimar zu einem Info-Abend im Sitzungszimmer in der Gemeindeverwaltung ein. Die Schulung findet vom 29. September bis zum 18. November statt. Sie richtet sich nicht nur an Weimarer, auch Bürger von außerhalb, die in Weimar tätig werden wollen, können teilnehmen.

von Freya Altmüller

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr