Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Erste Konsequenzen aus der Ortsbegehung

Barrierefreiheit in Niederwalgern Erste Konsequenzen aus der Ortsbegehung

Mit Rollator, Rollstuhl oder dem Kinderwagen sind manche Orte nur schwierig erreichbar oder gar nicht zu bewältigen. Ortsbegehungen in Niederwalgern hatten die Probleme verdeutlicht, jetzt sollen erste Taten folgen.

Voriger Artikel
Nächtliche Vorfahrt für Kröte und Molch
Nächster Artikel
Kreisstraße oder Verbindungsweg?

Kreisseniorenrat-Vorsitzender Dr. Horst Tritschler (links) und Ortsvorsteher Hans-Heinrich Heuser am Bürgerhaus. Dies hat zwar immerhin eine Rampe bis zum Eingang, doch ist diese geneigt und abschüssig, sodass es einem Rollstuhlfahrer schwerfällt, auf dem Weg zu bleiben.

Quelle: Manfred Schubert

Niederwalgern. „Ich bin positiv überrascht über die schnelle Wirkung der Begehung. Es ist schön, dass die Heinzelmännchen beginnen, die Barrierefreiheit zu ihrer Sache zu machen, und ich danke auch dem Bürgermeister für die Unterstützung“, sagte Kreisseniorenrat-Vorsitzender Dr. Horst Tritschler zum Abschluss des Gesprächs von ihm und Ortsvorsteher Hans-Heinrich Heuser mit Bürgermeister Peter Eidam. Ab dieser Woche soll es an die konkrete Beseitigung der ersten Hindernisse gehen. Vorbereitend sollen Ortstermine mit dem Bauhof stattfinden.

„Ich würde gerne so schnell wie möglich beginnen, das Jahr ist schnell vorbei. Der Anfang ist das Wichtigste, dann geht es voran“, zeigte sich Heuser gewohnt tatendurstig, mit seiner  Helfertruppe, den bekannten ­„Heinzelmännchen“, die Dinge,­ die in Eigenleistung erledigt werden können, anzugehen.

Rampe soll Zugang zur Friedhofshalle erleichtern

Dazu gehört das Bürgerhaus, zu dessen Eingang zwar eine Rampe führt, jedoch mit starker Steigung. Zudem ist sie geneigt, so dass es einem Rollstuhlfahrer­ schwerfällt, sich auf dem Weg ­zu halten. Eine Umrandung soll das Herabrollen verhindern. Außerdem sind die Treppenstufen zum Eingang in einheitlicher Farbe gehalten. Sie sollen hell markiert werden, um Menschen mit Sehbehinderung oder im Dunkeln vor Fehltritten zu bewahren.

Die Türen nicht nur dieses, sondern aller Bürgerhäuser der Gemeinde seien für Rollstuhlfahrer schwierig zu öffnen. Tritschler regte an, als schnelle­ und kostengünstige Verbesserung Klingeln für Rollstuhlfahrer anzubringen.

Am oberen Zugang zum Friedhof hin soll der Bordstein abgesenkt werden. Der Aufenthaltsbereich vor der Friedhofshalle­ soll als Rampe aufbetoniert ­werden und ein durchgehender Verbindungsweg vom unteren zum oberen Zugang soll geschaffen werden.

Gisselberger hoffen auf Bürgerbus-Anbindung

„Es wäre gut, wenn es auch in den anderen Kommunen so ginge, wie hier, wo wir angefangen haben. Ich bin optimistisch. Viele kleine Maßnahmen werden angegangen, die größeren sind in der Diskussion. Sie kommen auch, natürlich langsamer, aber das alles macht Mut“, meinte Tritschler. In Zusammenarbeit mit dem VdK, der voriges Jahr die Kampagne „Weg mit den Barrieren!“ gestartet hatte, und der regionalen Presse setzt sich der Kreisseniorenrat für Barrierefreiheit in den Kommunen ein. Ende August hatte es mit dem VdK einen ersten Rundgang in Niederwalgern gegeben, die Ergebnisse wurden später im Rathaus präsentiert.

Mitte Oktober hatten Heuser und Tritschler mit der OP einen weiteren Rundgang unternommen und erste Lösungsvorschläge genannt. Niederwalgern dient dabei als Modell, aus den Ergebnissen sollen sich grundsätzlich auch auf andere Dörfer im Landkreis übertragbare ­Vorschläge und Handlungs­weisen ableiten lassen.

Zu den Dingen, die aufwändiger umzusetzen sind, beziehungsweise nicht von der politischen Gemeinde und freiwilligen Helfern allein, gehört die anstehende Sanierung der Gladenbacher Straße. Schulbusse, Laster und landwirtschaftlicher Verkehr befahren diese Kreisstraße. Zum Teil gibt es auf beiden Seiten keinen begehbaren Gehsteig. Auch in der unteren Schulstraße sind die Gehwege nicht breit genug.

Barrierefreier Zugang zur Kirche

Der von der Deutschen Bahn für 2019 geplante Umbau des Bahnhofs ist derzeit Thema in den Ausschüssen der Gemeinde­vertretung. Dabei soll ebenfalls auf Barrierefreiheit geachtet werden. Und mit einem barrierefreien Zugang zur Kirche, deren Hof von einer ringförmigen Mauer umgeben und nur über zwei steile Treppen zugänglich ist, befasst sich der ­Kirchenvorstand.

Das Engagement in der Gemeinde bezüglich der Mobilität älterer und eingeschränkter Bürger wird in den Nachbarorten wahrgenommen. So meldeten sich laut Horst Tritschler nach einem OP-Artikel ältere Menschen aus Gisselberg, die dort auf dem Berg wohnten und nicht zur Bushaltestelle kämen. Auch Haddamshausen und Hermershausen würden gerne in die Route des Weimarer Bürgerbusses eingebunden werden.

Die Weimarer Fahrer des Bürgerbusses sind bereit für die ­Erweiterung, das Ganze müsse noch mit der Stadt Marburg abgestimmt werden, sagte Bürgermeister Eidam: „Dann könnte es vielleicht schon im April losgehen.“

von Manfred Schubert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr