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Ermittlungen in zwei weiteren Fällen

Versuchter Kindesentführung Ermittlungen in zwei weiteren Fällen

In vier Fällen wird gegen den Mann ermittelt, der vor fünf Jahren in Niederweimar versucht haben soll, ein Kind zu ent­führen. Zwei von diesen ­sollen in Marburg verhandelt werden.

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Im Mai wurde das Haus des Tatverdächtigen in Bettinghausen im Kreis Soest eingehend untersucht.

Quelle: Dahm

Marburg. Die Marburger Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen einen 34-jährigen Mann erhoben, der im Mai in Lippstadt verhaftet worden war und seither in Untersuchungshaft sitzt. Ihm wird vorgeworfen, jener Mann zu sein, der vor nun fast genau fünf Jahren versucht hat, in Niederweimar ein damals neun Jahre altes Kind zu entführen.

Auf die Spur des Mannes kam die Polizei, nachdem er im Mai dieses Jahres in einem Freibad in Witten ein Mädchen angefasst und die vom Bademeister hinzugerufene Polizei Fingerabdrücke des Mannes genommen hatte. Weitergehende Ermittlungen brachten das Ergebnis, dass diese mit jenen Fingerabdrücken übereinstimmten, die damals bei der versuchten Entführung in Niederweimar gesichert werden konnten.

Und mehr noch: Wie erst jetzt bekannt wurde, soll der Mann im April dieses Jahres ein ­unter 14-jähriges Mädchen in einem­ öffentlichen Bad in Hamm ­sexuell missbraucht haben.

Wie der Westfälische Anzeiger in seiner gestrigen Ausgabe berichtet, hatte zunächst die Hammer Polizei unter der Federführung der Dortmunder Staatsanwaltschaft in dieser Angelegenheit ermittelt, den Fall aber dann im Juli nach Marburg abgegeben. Details zu diesem Fall sind nicht weiter bekannt.

Ein Verlies

Die Anklage gegen den Tatverdächtigen 34-Jährigen ist vor dem Jugendschöffengericht als Jugendschutzgericht am Marburger Amtsgericht erhoben worden. Die Zulassung steht noch aus, somit auch ein Termin für den Prozessauftakt.

Das Vorkommnis in Witten, das erst dafür sorgte, dass für die versuchte Entführung in Niederweimar ein Tatverdächtiger gefunden werden konnte, wird nicht in Marburg verhandelt wie im Übrigen ein weiterer Fall aus Nordrhein-Westfalen, bei dem es sich um einen weiteren Missbrauch handeln soll.

Der Angeklagte hat seinen ersten Wohnsitz in Hamm, einen zweiten in Bettinghausen im Kreis Soest. Dort besitzt er auch ein recht einfaches, aber bewohnbares Fachwerkhaus, das nach seiner Festnahme zum Gegenstand weiterer Untersuchungen wurde. So soll sich darin ein „Raumgebilde“ befunden haben, das an die Grundzüge eines Verlieses erinnert. Allerdings wurden nach Informationen des Westfälischen Anzeigers in dem Haus keine Hinweise auf mögliche Straftaten ­gefunden. Ebenfalls untersucht wurde sein aktuelles Auto, ein Porsche.

Der 34-Jährige machte eine Ausbildung zum Kinderkrankenpfleger in Lippstadt. Sein Lebens- und Arbeitsfeld lag ­also in den vergangenen Jahren in Nordrhein-Westfalen.

Klebestreifen auf dem Mund

Da es überhaupt keine Bezugspunkte zu dem Mädchen gibt, das er im Oktober 2012 in Niederweimar auf einem Spielplatz ansprach und anschließend mit Gewalt in sein Auto zerrte, gehen die Ermittler davon aus, dass es sich bei dem Mädchen um ein Zufallsopfer auf einer Durchreise des Mannes handelte.

Er hatte dem Mädchen Klebestreifen auf den Mund geklebt und bereits in seinen Wagen gestoßen. Als er dann um den Wagen rum ging, um zum Fahrersitz zu gelangen, öffnete das Mädchen geistesgegenwärtig die Tür und rannte weg. Der Mann startete seinen Wagen und floh daraufhin. Ein Motorradfahrer nahm wenig später noch die Verfolgung auf, verlor ihn aber aus den Augen beziehungsweise folgte dann einem falschen Wagen, der allerdings der Beschreibung des anderen Wagens sehr ähnelte. Der Fahrer konnte dann schnell als Tatverdächtiger ausgeschlossen werden. Einzig eine Spur blieb in Niederweimar zurück: Fingerabdrücke auf dem Klebeband. Der Fall blieb ungelöst. Auch wenn sich ein solcher Vorfall in Niederweimar und der gesamten Region nicht wieder ereignete blieb das ungute Gefühl zurück, nicht zu wissen, wer diese Person war, die es ganz offensichtlich mit einer Kindes-Entführung sehr ernst gemeint hatte.

Dann erfolgte im Mai die Festnahme des Tatverdächtigen in Lippstadt, auch unter Beteiligung Marburger Polizisten. Wenige Tage nach dem besagten Vorkommnis in Witten. Seiher sitzt der Mann in Untersuchungshaft.

von Götz Schaub

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