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Der Angeklagte schweigt

Versuchte Kindesentführung Der Angeklagte schweigt

Am Marburger Landgericht hat am Donnerstagmorgen der Prozess im Fall einer versuchten Kindesentführung in Niederweimar begonnen. Der 34-jährige Angeklagte sagte nichts zu den Vorwürfen.

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Im Prozess wegen versuchter Kindesentführung nimmt ein Wachmann dem Angeklagten die Handschellen ab.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Als der Angeklagte den Raum betritt, schaut er sich nervös um. Sein Prozess sorgt für Aufsehen, viele Journalisten sind gekommen, um ein Foto von ihm zu machen oder ihn zu filmen. Fünf Jahre lang hatte die Polizei nach jenem Mann gesucht, der am 1. Oktober 2012 versucht hatte, ein damals neunjähriges Mädchen zu entführen. Dem Mann wird zudem ein Vorfall in einem Schwimmbad in Hamm (NRW) zur Last gelegt.

Die Staatsanwaltschaft Marburg wirft dem Angeklagten verschiedene Delikte vor: versuchte Freiheitsberaubung, versuchter sexueller Missbrauch eines Kindes und gefährliche Körperverletzung. Alles geschehen an jenem Nachmittag vor über fünf Jahren. Damals hatte ein Mann das Mädchen angesprochen, ihm dann Klebeband über den Mund geklebt und in ein Auto gezerrt. Das Kind entkam, als der Täter um das Auto herumging, um selbst einzusteigen.

Ein Fall von sexuellem Missbrauch wird dem Angeklagten zudem aus dem Frühjahr dieses Jahres zur Last gelegt. Laut Staatsanwalt Jonathan Poppe hatte er am 30. April in einem Schwimmbad in Hamm einem 12-jährigen Mädchen sekundenlang ans Gesäß gefasst.

Angeklagter wollte Kinderkrankenpfleger werden

Der Angeklagte, der vor seiner Verhaftung in Hamm gemeldet war und in Lippstadt eine Ausbildung zum Kinderkrankenpfleger machte, schwieg am ersten Verhandlungstag zu sämtlichen Vorwürfen. Vertreten wird  er in dem Prozess von Rechtsanwalt Carsten Göthel.

Vier Zeugen hatte der Vorsitzende Richter Dr. Thomas Wolf zum Prozessauftakt geladen, drei waren zur Verhandlung erschienen. Die drei Frauen waren alle während der versuchten Entführung in unmittelbarer Nähe des Tatorts in Niederweimar und schilderten aus ihrer Sicht die Zeit direkt nach der Tat.

Eine 54-jährige Altenpflegerin aus Niederweimar war in ihrem Garten, als sie hörte, dass ein Kind schrie und die Türen eines Autos zugeschlagen wurden. Daraufhin sei der Wagen „mit quietschenden Reifen“ weggefahren, sagte die Frau.

Mit blutigem Mund und Klebeband in der Hand

Auch eine 46-jährige Diplom- Pädagogin war in der Nähe und wartete neben einem Kinderspielplatz auf eine Bekannte. Nachdem das Mädchen aus dem Auto entkommen konnte, lief es dieser Frau entgegen, mit blutigem Mund und einem Stück Klebeband in der Hand. „Da wollte mich jemand mitnehmen“, hatte das Mädchen damals gesagt, erinnerte sich die Zeugin.

Die Frau hatte daraufhin versucht, einen Blick auf das Nummernschild zu werfen. Doch der Wagen hatte sich schon ein gutes Stück entfernt. Es sei keine Marburger Nummer gewesen, sagte die Frau. Auch die anderen beiden Zeuginnen konnten keine konkreten Angaben zu dem Nummernschild machen. Den Täter richtig gesehen hatten sie alle drei ebenfalls nicht.

Scheiben waren abgedunkelt

Das Auto, mit dem der Täter vom Tatort flüchtete, sei ein Opel Omega gewesen, sagte die 46-Jährige. Das bestätigte die dritte Zeugin, eine 44-jährige Rechtspflegerin. Die beiden Frauen sagten zudem, dass die hinteren Scheiben des Wagens abgedunkelt gewesen waren. „Mit Folien verklebt“ seien sie gewesen, sagte die Diplom-Pädagogin. Weil der Vorfall mittlerweile über fünf Jahre zurückliegt, hatten alle drei Zeuginnen bei Nachfragen immer wieder Schwierigkeiten, sich an Details zu erinnern.

Richter Wolf sagte gegen Ende des Verhandlungstages, dass er das Opfer aus Weimar im laufenden Prozess zu den Vorfällen befragen möchte. Das Mädchen war direkt nach der Tat befragt worden, danach aber nicht mehr. Vor Gericht könnte sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit über den Vorfall reden.

von Dominic Heitz

 
Hintergrund
Der Prozess wird das Gericht noch längere Zeit beschäftigen: Mindestens 29 Zeugen möchte Richter Dr. Thomas Wolf in dem Verfahren anhören, zudem „umfangreiches Aktenmaterial“ erörtern. Bislang gibt es vier Folgetermine: Montag, 27. November, Montag, 4. Dezember, Dienstag, 5. Dezember, sowie Mittwoch, 6. Dezember, jeweils um 9 Uhr im Raum 104 des Landgerichts.
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