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Bürger beklagen fehlende Transparenz

Bauarbeiten schüren Unfrieden Bürger beklagen fehlende Transparenz

Die Arbeiten an der Obergasse in Oberweimar sind voll im Gange. Doch die Ausführung sorgt für Ärger: Anwohner sind unzufrieden, dass nur Teilstücke der Straße gepflastert wurden. Die Gemeinde nennt wirtschaftliche Gründe.

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Ortsvorsteher Andreas Kaletsch (von links) und die Anwohner Dieter Schmitt, Udo Weag, Dr. Georg Mühlberger und Horst Kröger fordern weitere Gespräche in einer Anliegerversammlung.

Quelle: Patricia Grähling

Oberweimar. Bauarbeiten in Oberweimar sorgen derzeit für Unfrieden: Einige Anlieger der Obergasse fühlen sich von der Gemeinde benachteiligt behandelt und beklagen mangelnde Transparenz. Sie sprechen auch davon, angelogen worden zu sein – und mittlerweile gar keine Antworten mehr zu bekommen.

Es geht um die grundhafte Sanierung der Obergasse. Die Straße wurde ausgebaggert, Kanäle­ wurden erneuert, eine neue Fahrbahndecke wird installiert. Insgesamt kosten die anteiligen Arbeiten, die von Gemeinde und Anliegern zu je 50 Prozent getragen werden müssen, rund 237.000 Euro. Das geht aus den Gebührenbescheiden der Anwohner hervor. Die Unzufriedenheit rührt jedoch nicht von den Kosten, auf die sich die Anlieger seit 2009 vorbereiten konnten. Vielmehr sind es die Pflastersteine: Denn während die Obergasse zwischen Untergasse und Hohlweg asphaltiert wird, ist eine kleine Stichstraße Richtung Feldgemarkung Katzenloch gepflastert worden.

Anlieger reichten Petition bei der Gemeinde ein

Das ärgert nun einige der Anlieger, die an der bald asphaltierten Straße wohnen: „Wir wurden von der Gemeinde verarscht“, fasst Udo Weag knapp zusammen. Und er führt aus: Bei einer ersten Anliegerversammlung 2009 hieß es noch, dass die Anlieger selbst entscheiden dürfen, ob die gesamte Obergasse gepflastert oder geteert werde. „Wir wurden nie gefragt und ein Jahr später wurde die Planung der Gemeinde­ vorgestellt: Alles sollte demnach einheitlich geteert werden – auch die Stichstraße.“ Selbst in einer letzten Anliegerversammlung 2016 wurde bestätigt, dass alle Teile der Straße einheitlich geteert werden.

Kurz vorm Baubeginn im September vergangenen Jahres ­haben die Anlieger laut Dieter Schmitt dann erfahren, dass der Stichweg eben doch gepflastert würde. „Wir haben eine Petition unter den anderen Anliegern gestartet und bei der Gemeinde abgegeben“, erklärt er. Weag führt aus, dass er sogar mehrfach von der Gemeinde aufgefordert worden sei, diese Petition zurückzunehmen. Eine Antwort habe er bis heute nicht erhalten.
Bürgermeister Peter Eidam erklärt auf Nachfrage der OP, dass die Bauausführung aus Sicht der Gemeinde gut gelaufen sei. „Wir haben alles von Anfang an ordentlich und laufend mit den Anliegern abgestimmt“, betont er. Ursprünglich sei tatsächlich eine einheitliche Bauausführung geplant gewesen. Aus mehreren Gründen habe man sich jedoch entschieden, die Stichstraße komplett zu pflastern, statt nur den bislang vorhandenen Gehweg: „Der asphaltierte Straßenbereich wäre dann sehr schmal geworden“, erklärt Eidam. Der Gehweg ist nun also ganz weggefallen. Hauptgrund für die Pflasterung ist zudem der Kanal: Der wurde in der Obergasse bei der Sanierung komplett ausgetauscht – nur im Stichweg nicht. Dort sei der Kanal laut Eidam zwar rund 30 bis 40 Jahre alt, aber noch völlig funktionsfähig. „Eventuell muss er jedoch in 10 bis 20 Jahren saniert werden. Daher wurde uns aus wirtschaftlichen Gründen empfohlen, die Straße komplett zu pflastern.“

Forderung nach einer Kostenaufstellung

„Die Gemeinde hat mit uns nicht mehr über die Planungen gesprochen. Und sie ist verantwortlich dafür, dass es hier nun Neid, Unzufriedenheit und Unstimmigkeiten gibt“, sagt Ortsvorsteher Andreas Kaletsch. Nicht einmal der Ortsbeirat habe von der Gemeinde die Baupläne zu sehen bekommen.

Deswegen haben die Anlieger zwei klare Forderungen, die Dr. Georg Mühlberger zusammenfasst: „Wir wollen eine­ transparente Kostenaufstellung ­sehen“, sagt er. Dabei wollen sie ­sehen, ob das Pflastern des Stichwegs teurer war, als das Asphaltieren der restlichen Straße. Und sie wollen sehen, ob die Gemeinde die Kosten für die ­Erneuerung der eigenen Parkplätze auf die Anwohner umlege oder selbst zahle. Die zweite­ Forderung: Wenn das Pflastern teurer war, dann sollten das nur die Anlieger der Stichstraße zahlen und nicht alle Anwohner im Oberweg. „Es geht nicht, dass manche Anwohner für den gleichen Preis mehr Leistung bekommen“, findet Mühlberger. „Einige kriegen eine Luxusstraße und wir zahlen die mit“, ­ärgert sich auch Schmitt. Gerne hätten die Anwohner die Infos vom Bürgermeister persönlich in einer weiteren Anliegerversammlung. „Nur durch Gespräche können wir unsere positive Einstellung zur Gemeinde weiter aufrechterhalten“, sagt Weag.

Straßenschäden in der Untergasse durch Bauarbeiten

Eidam erklärt im Gespräch mit der OP, dass die Baufirma trotz Pflasterung bislang keine Mehrkosten angemeldet habe. „Der Mehraufwand in der Stichstraße ist mehr wie untergeordnet. Schließlich sind ja auch die Gehwege weggefallen.“ Die Baupläne habe jeder interessierte Bürger und auch der Ortsvorsteher zu jeder Zeit in der Verwaltung einsehen können. „Einige waren auch da und haben das gemacht“, sagt Eidam. Komplett kopiert und rausgegeben würden solche Planungen jedoch grundsätzlich nicht.

Was vor allem Schmitt als ­Besitzer eines Eckgrundstücks noch ärgert: Bei den Bauarbeiten sei die Untergasse von den Baufahrzeugen kaputt gefahren worden. „Das muss repariert werden“, fordert er. Denn er befürchtet, dass nun nichts getan werde – und die Anwohner der Untergasse dann in zwei Jahren eine grundhafte Sanierung ­finanzieren müssten.

von Patricia Grähling

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