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Bau gelingt trotz Regen und Sturm

Rössen-Haus Bau gelingt trotz Regen und Sturm

Singende Zimmerleute, ein traditioneller Richtspruch, ein zerschmetterter Schnapsbecher: Das archäologische Freilichtmuseum Zeiteninsel feierte das Richtfest seines ersten Großbaus - mit allem, was dazugehört.

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„Das ist der erste Akt in diesem Theater“, sagt Weimars Bürgermeister Peter Eidam beim Richtfest auf der Zeiteninsel in Argenstein.

Quelle: Thorsten Richter

Argenstein. Schon von Weitem ist das Holzgerüst des Rössen-Hauses zu erkennen: Ein imposanter Holzbau von 34 Metern Länge ist auf der Zeiteninsel entstanden.

Bei den Steinzeittagen im Juni wurde mit den Arbeiten an dem originalgetreuen Nachbau des Langhauses der Rössen-Kultur aus der Jungsteinzeit begonnen. Dass bereits in dieser Woche die Zimmerleute um Claus Amarell und Markus Loges singend das sieben Meter hohe Gebäude erklommen und den Richtspruch sprachen, begeisterte Dr. Andreas Thiedmann, Vorstand der Genossenschaft des Freilichtmuseums. „Der Bau ist sehr gelungen und in Rekordzeit entstanden.“ Und das, obwohl das regnerische und stürmische Wetter den Zimmerleuten mehr als einmal einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte.

Statt Seile gab es Nägel

Davon berichtete auch Zimmermann Claus Amarell in seinem Richtspruch. In humorvollen Reimen ließ er einen vom Sturm zerstörten „neuzeitlichen Pavillon“, die einmal matschige, dann wieder knochentrockene Erde und die Regenmassen Revue passieren. Im Team der Zimmerleute wurde häufig über die steinzeitlichen Baumethoden gegrübelt und diskutiert, um das Haus so originalgetreu wie möglich darstellen zu können. „Die Hölzer haben wir wie in der Steinzeit mit Seilen zusammengebunden. Um der heutigen Statik zu entsprechen, wurden die Hölzer zusätzlich noch genagelt“, erklärte Amarell.

Singende Zimmerleute, ein traditioneller Richtspruch, ein zerschmetterter Schnapsbecher: Das archäologische Freilichtmuseum Zeiteninsel feierte das Richtfest seines ersten Großbaus – mit allem, was dazugehört.

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Im Inneren des Hauses wird noch ein Zwischenboden eingezogen und anschließend das Dach mit Stroh und Baumrinde eingedeckt. Die Fertigstellung des Gebäudes sei für das kommende Frühjahr geplant. Der mit Schwung vom Dach geworfene Schnapsbecher zerschellte beim Richtfest auf dem Boden, begleitet vom Beifall der Gäste – ein gutes Omen für das Rössen-Haus.

Ein spannendes Projekt für die Zimmerleute

Für die beteiligten Zimmerleute war die Arbeit auf der Zeiteninsel ein spannendes Projekt: „Diese Teamzusammensetzung gibt es nicht alle Tage“, sagte Amarell. Sein Zimmererkollege Markus Loges, der an der Philipps-Universität Marburg seine Bachelorarbeit in Archäologie über das Rössen-Haus geschrieben hatte, habe Amarell kontaktiert und ihn gebeten, am Bau mitzuwirken. Beide engagieren sich in einer Vereinigung für traditionelles Handwerk. Claus Amarell hat bereits ein Mittelalter-Haus gebaut. So kam ein Team von Zimmerleuten aus ganz Deutschland zusammen, das während der Bauzeit im Kreisjugendheim Wolfshausen wohnte.

Wie genau das Rössen-Haus in der Jungsteinzeit genutzt wurde, darüber liegen laut Dr. Andreas Thiedmann keine genauen Informationen vor. „Aufgrund der Größe ist es allerdings wahrscheinlich, dass ein solches Haus von einer größeren Sippe als Wohnhaus genutzt und dort auch Vieh gehalten wurde“, sagte er.

90 Prozent Förderung

Zum Richtfest waren viele Besucher gekommen, darunter auch Vertreter der lokalen Partner vor Ort und der Politik. Das Projekt Rössen-Haus wird zu 90 Prozent durch Fördermittel des Landes Hessen finanziert, die übrigen zehn Prozent tragen die Gemeinde Weimar, die Stadt Marburg und der Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Als Bauherr würdigte Weimars Bürgermeister Peter Eidam die „großartige Arbeit“. „Das ist der erste Akt in diesem Theater“, so Eidam, der von einer sehr guten interkommunalen Zusammenarbeit zwischen Land, Stadt Marburg, Kreis und Gemeinde Weimar zeuge. Das Rössen-Haus ist eine von fünf Zeitstationen – Eisenzeit, Bronzezeit, Mittelsteinzeit, Jungsteinzeit und Römische Kaiserzeit –, die im Freilichtmuseum Zeiteninsel entstehen.

Einmal im Monat öffentliche Führung

Die Rössen-Kultur markiert die Zeit zwischen 4800 und 4550 vor Christus und fällt in die Jungsteinzeit. Namensgeber ist das 1882 freigelegte Gräberfeld von Rössen im Saalekreis in Sachsen-Anhalt. An jedem ersten Samstag im Monat finden ab 10 Uhr offene Führungen über das Gelände der Zeiteninsel statt.

von Christina Rausch

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