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Waschbär wird nach Betäubung eingeschläfert

Auffälliges Verhalten Waschbär wird nach Betäubung eingeschläfert

Waschbären sind aufgrund ihres Aussehens putzig – unbestritten. Aber in erster Linie sind sie Wildtiere. Und als solche sind sie in menschlichen Siedlungen eher eine Plage und für Hunde aufgrund von Viruserkrankungen sogar eine ernste Gefahr.

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Ein Waschbär in der Straße Mühlwiese in Dreihausen. Das Tier zeigte weder Scheu vor Menschen noch vor einem Hund und verhielt sich bisweilen sogar aggressiv.

Quelle: Thorsten Richter

Dreihausen. Immer wieder bekommen es Polizisten bei ihren Einsätzen mit Tieren zu tun. Oftmals stehen sie dabei nicht gerade vor einer leichten Aufgabe. Denn Tiere in Ausnahmesituationen sind in ihrem Verhalten für Menschen, die sich nicht explizit mit ihnen auskennen, schwer auszurechnen.

Erst recht, wenn es sich um ein Wildtier handelt. In Dreihausen trafen die von einer Frau herbeigerufenen Polizisten auf einem Anwesen in der Straße Mühlwiese auf einen Waschbären, der das Anwesen offenbar für sich entdeckt hatte und gar nicht mehr weichen wollte. Der zum Haus gehörende Hund beeindruckte den Waschbären ebenso wenig wie dessen Besitzerin.

In der Mühlwiese beschäftigte ein Waschbär eine Bewohnerin, ihren Hund und schließlich die Polizei gute zwei Stunden lang. Erst danach gelang es dem herbeigerufenen Tierarzt, die Gefahr durch die Betäubung des aggressiven Vierbeiners zu beseitigen.

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„Das ist schon sehr ungewöhnlich, denn Waschbären sind sehr scheue Tiere. So scheu, dass Menschen sie nur selten für längere Zeit zu Gesicht bekommen“, sagt Tierarzt Dr. Thomas Geilhof.

Das besagte Tier in Dreihausen zeigte sich überhaupt nicht scheu, sondern eher angriffslustig bis aggressiv. Es nahm sogar den Kampf mit einem Besenstiel auf, der es eigentlich nur vertreiben sollte. Die Polizisten informierten schließlich den Tierarzt aus der Großgemeinde, der dann mit einem Betäubungsgewehr kam.

Tier zeigte keinerlei Fluchtreflex

„Bei dem Tier handelte es sich um ein Männchen. Es verteidigte also keine Jungen. Es war gut genährt. Um so hoher ist die Verhaltensauffälligkeit zu bewerten“, sagt Geilhof im Gespräch mit der OP. Das Tier habe gar keinen Fluchtreflex gezeigt. Menschen konnten sich auf zwei Meter nähern, ohne dass das Tier großartig reagierte.

Geilhof hat nicht selten mit Waschbären zu tun. „Sie sind da, man sieht sie nur nicht, aber dafür die Schäden, die sie anrichten. Sie werden mehr und mehr zur Plage.“

Dass er später das Tier einschläferte, hatte aber nichts damit zu tun, dass dieses Tier zu den „Plagegeistern“ gehört. Das absolut ungewöhnliche Verhalten des Waschbärs legt die Vermutung nahe, dass etwas Grundlegendes mit dem Tier nicht in Ordnung war. Es wurde zu einer eingehenden amtsärztlichen Untersuchung angemeldet.

„Mit einem umfassenden Ergebnis kann erst in einigen Tagen gerechnet werden“, sagt Geilhof. Dass das Tier unter der Viruskrankheit Staupe gelitten hat, will Geilhof eigentlich ausschließen. „Diese Tiere sehen in der Regel anders aus.“ Auch habe er die typischen Anzeichen dafür, etwa eine erhöhte Temperatur, nicht feststellen können.

HINTERGRUND

Der Waschbär stammt aus Nordamerika. Er ist also ein Tier, das eigentlich nicht hierher gehört. Deshalb fehlt es ihm auch an natürlichen Feinden, es kann sich fast ungestört vermehren. In den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entließ ein Forstamt am Edersee während einer feierlichen Zeremonie zwei Waschbärenpaare in die Freiheit.

Das geschah in der Annahme, damit die heimische Tierwelt zu bereichern. Neues Blut erhielten die Tiere, nachdem 1945 aus einer Pelzfarm bei Berlin einige weitere Exemplare entlaufen waren. Allerdings gibt es eine große Gefahr für die nachtaktiven Tiere. Viele von ihnen geraten auf den Straßen unter Autos und werden dabei tödlich verletzt.

von Götz Schaub

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