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Was dieser Mann so alles treibt

Kurt Wenz erhält das Bundesverdienstkreuz Was dieser Mann so alles treibt

Kurt Wenz kann‘s einfach nicht lassen. Seit er ein junger Mann war, engagiert sich der Argensteiner ehrenamtlich in seinem Dorf, seiner Gemeinde, seinem Landkreis. Auch mit 71 Jahren noch.

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So kennt man ihn in Argenstein – und in ganz Weimar: Kurt Wenz auf seinem alten Schlepper. Von Kindesbeinen an war der heute 71-Jährige in der Land- und Holzwirtschaft tätig und erfüllte später in seiner Freizeit viele ehrenamtliche Aufgaben.

Quelle: Carina Becker

Argenstein. „Ja klar, ich mach noch weiter, das ist doch gut für mich, eine schöne Abwechslung. Ich lerne was über Land und Leute und höre, was so los ist“, sagt Kurt Wenz. Der 71-Jährige steckt voller Schwung und Elan, wirkt im Gebietsagrarausschuss mit, regelt die Finanzen für den VdK Weimar, ist am Amtsgericht Marburg als Schöffe tätig. Nebenher arbeitet er in der Landwirtschaft, hilft Tochter Katrin und Schwiegersohn Frank auf deren Nebenerwerbs-Hof, den Kurt Wenz bis vor einigen Jahren selbst betrieben hat.

Zehn Hektar gilt es zu bewirtschaften, 30 Schweine und 120 Hühner zu versorgen. „Gerade lagern wir die Maschinen für den Winter ein, hier habe ich heute den Mist aufgesetzt, die Schweine gefüttert und neues Diesel bestellt“, erzählt er und marschiert von Stalltür zu Stalltür. „Ich darf hier mithelfen, das ist schön, aber inzwischen gönne ich mir auch mehr Ruhe. Mittags geht‘s aufs Sofa, dann schaue ich Nachrichten und schlafe ein, noch bevor die Wettermeldungen kommen“, verrät Kurt Wenz, der sich diese Auszeiten wahrlich verdient hat.

Arbeiten im Wald, in der Landwirtschaft und abends, wenn andere Leute sich von ihrem Tagwerk ausruhten, dann ging‘s weiter für Kurt Wenz: in der Kommunalpolitik, im Verein oder bei den Nachbarn. „Ich stand nie so sehr im Vordergrund“, sagt der Argensteiner, „aber ich war immer da, wenn ich gebraucht wurde – und das ist auch heute noch so: wenn  jemand Hilfe benötigt, beispielsweise an der Motorsäge, dann komme ich.“

So geht das bei Kurt Wenz schon sein ganzes Erwachsenenleben lang. Mit der Landjugendgruppe Niederwalgern, die er 1962 leitete, ging es los: Sein erstes Ehrenamt. Viele, viele weitere sollten folgen. Zehn Jahre später, genauer: im Dezember 1972, wurde Wenz, damals 28-jährig, der Ortsvorsteher von Argenstein. „Ich hab eigentlich überall mitgemacht“, sagt der gelernte Forstwirtschaftsmeister, „hat man ein Amt, folgen weitere, alle sind froh, wenn sich jemand findet, der bereit ist, eine Aufgabe zu übernehmen.“ Kurt Wenz zuckt mit den Schultern und muss dann lachen: „Wissen Sie, ich kann nicht singen, wirklich gar nicht und ich hab auch nie gesungen – aber ich habe 30 Jahre lang den Kassierer beim Gesangverein gemacht.“

„Jeden Abend war er unterwegs“

Ehefrau Anneliese weiß, wovon ihr Mann spricht. „Na ja“, räumt sie zögernd ein, „das war in manchen Zeiten, gerade als die Kinder klein waren und wir gebaut haben, schon sehr anstrengend: Jeden Abend war er unterwegs.“ Doch die Familie spielte mit, gab Kurt Wenz die Unterstützung, die er brauchte. „Das muss auch so sein, sonst geht‘s nicht“, erklärt er und räumt schmunzelnd ein, dass auch bei „Schuckerts“, so der Hausname der Wenzes, der „Haussegen mal schiefhing“ wegen der vielen Aufgaben. „Aber trotzdem kamen wir immer gut miteinander zurecht.“

Kurt Wenz hat geschuftet sein Leben lang – zumeist war‘s harte körperliche Arbeit in der Landwirtschaft und im Wald. Viele Jahre lang leitete er die mobile Waldbauernschule und bildete hunderte Schüler an der Motorsäge und aus.
Schon als 14-Jähriger musste Kurt Wenz ran. „Meine Volksschulzeit wurde von den damals regulären acht Jahren auf sieben verkürzt, weil mein Vater krank war und ich in die Landwirtschaft einsteigen sollte“, denkt der Argensteiner an seine Kinderzeit zurück, die im Jahr seiner Konfirmation endete. Von da an war er berufstätig, lernte landwirtschaftliche Arbeit im Betrieb der Eltern und auf der Landwirtschaftsschule. „Damals hatten wir acht Hektar – und davon konnte man gut leben.“

Obwohl, oder vielleicht auch gerade weil Kurt Lenz sein Leben lang viel um die Ohren hatte, hielt er sich jung: Kaum zu glauben, dass dieser Mann schon über 70 Jahre alt ist. „Soweit ich weiß, bin ich kerngesund. Und ich bin froh über die Aufgaben, die ich habe“, sagt er. Ausruhen – heutzutage ist das zumindest drin für den notorischen Unruheständler, der seit rund sechs Jahren im so genannten Ruhestand ist. Früher war gar keine Zeit für ausgedehnte Pausen auf dem Sofa oder geschweige denn lange Urlaubsreisen. „Nein, so richtig verreist sind wir nie“, erzählt auch Frau Anneliese. „Immer mal für vier, fünf Tage mit den Omnibus, ansonsten hatten wir daheim zu viel zu tun“, sagt Kurt Wenz und bekennt, dass eine Amerikareise insgeheim ein Traum für ihn sei, der vielleicht noch in Erfüllung gehen müsse.

„Das ganze Miteinander besteht aus  Kompromissen“

Aber auch ohne dies ist das Leben des 71-Jährigen angefüllt – zum Familienleben mit Anneliese, den zwei Töchtern Katrin und Sylvia nebst Ehemännern und vier Enkelkindern kommen die Ehrenämter und die Arbeit auf dem Hof schließlich noch dazu. Dazu vielfältige Interessen wie das Verfolgen von Nachrichten aus aller Welt und der Region. „Ich guck‘ abends online schon nach, was am nächsten Tag so in der Zeitung steht“, erklärt Kurt Wenz, der fit ist am Computer und ihn gern und rege nutzt.

Am Donnerstag ist dann Ausnahmezustand bei „Schuckerts“. Kurt Wenz nimmt im Landratsamt eine hohe Auszeichnung entgegen – das „Verdienstkreuz am Bande“, überreicht durch Landrätin Kirsten Fründt und den hessischen Finanzminister Dr. Thomas Schäfer. „Wir alle waren überrascht, dass ich das Bundesverdienstkreuz bekommen soll“, sagt Kurt Wenz, der wohl weiß, dass er sich außergewöhnlich rege und über eine wirklich lange Zeit für andere Menschen unentgeltlich eingesetzt hat.

„Aber so richtige Durftmarken habe ich halt auch nicht hinterlassen, habe nur immer mitgeholfen – deshalb bin ich auch ein bisschen verlegen, dass ich jetzt diese Auszeichnung bekomme“, sagt er. Annehmen werde er sie gleichwohl. „Man darf den Leuten doch nicht so vor den Kopf stoßen“, stellt er klar. Und dieser Satz steht wohl auch für eine Grundeinstellung von Kurt Wenz, der über sich selbst sagt, dass er „mit jedem klarkommt“.

„Das ganze Miteinander besteht aus Kompromissen, so auch die Politik“, sagt der Argensteiner, der viele Jahre lang als CDU-Kommunalpolitiker aktiv war, unter anderem als Fraktionsvorsitzender und im Gemeindevorstand. „Manches hat mir nicht gefallen und ich habe dazu auch immer meine Meinung gesagt – aber dann muss man die Dinge auch mittragen.“

von Carina Becker

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