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Vorstand muss sich verjüngen, sonst ist Schluss

Geschichtsverein Weimar Vorstand muss sich verjüngen, sonst ist Schluss

Kritische Stimmen über die Umsetzung der Gemeindechronik, Neuwahlen und die Rettung des Vereinsvorstands waren Thema auf der Jahreshauptversammlung des Geschichtsvereins Weimar.

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Der neue Vorstand des Geschichtsvereins Weimar: Margret Lammers, Helmut Zeman, Michael Endter, Vorsitzender Otto Weimar, Dr. Otto Diefenbach und Hans Schneider.

Quelle: Ina Tannert

Niederwalgern. Unzufriedenheit herrscht innerhalb des Geschichtsvereins über die Aufmachung der neuen Gemeindechronik Weimar, die Ende Juli vergangenen Jahres zum 40-jährigen Bestehen der Kommune erschien. Während der vergangenen Jahreshauptversammlung in der Alten Schule in Niederwalgern machten die Vereinsmitglieder ihrem Unmut Luft. Nicht über deren Inhalt seien sie verärgert, dieser sei „wissenschaftlich hervorragend aufgearbeitet“, lobte der Vorsitzende Otto Weimar die historische Zusammenfassung.

Kritisch betrachten mehrere Vereinsmitglieder jedoch das Fehlen ansprechender Bilder sowie weiterer, wichtiger Zeitzeugenberichte, etwa den Rückblick auf die Gebietsreform von Ex-Bürgermeister Karl Krantz. Beide Themen hätte der Verein den Projektleitern zugetragen, „unsere Vorschläge wurden zum Großteil aber nicht angenommen und von der Redaktion als unpassend abgelehnt“, ärgert sich der Vorstand. Die mangelnde Illustration und Themenauswahl „als Auflockerung der anspruchsvollen Chronik“, mache das Werk für Nicht-Wissenschaftler zu trocken. Sichtbar sei dies an den geringen Verkaufszahlen - bisher sei nur ein Drittel der Auflage von insgesamt 300 Exemplaren verkauft worden. Viel zu wenig, findet der Verein. „Mit ansprechenderer Aufmachung hätte mehr Interesse der Bürger für ihre Gemeindechronik geweckt werden können“, stellte der Vorsitzende klar. Um die ihrer Meinung nach fehlenden Informationen aufs Papier zu bringen und ­quasi nachzureichen, erstellte der Verein eine mehrseitige Sammlung über jene Themen, „die zu kurz gekommen sind“. Das kleine Heft soll demnächst in Druck gehen und unter anderem Themen über Grenzstreitigkeiten, „das Gerangel zwischen den Gemeinden“ und die öffentliche Diskussion über die Gebietsreform beinhalten.

Während der Versammlung standen darüberhinaus Vorstandswahlen auf dem Programm. Diese gestalteten sich jedoch problematisch. Altersbedingt planen mehrere Mitglieder der Führungsebene des Vereins, ihre Ämter umgehend oder demnächst niederzulegen. Ein Großteil der Vorstandsmitglieder steht kurz vor der 80, schaffe es aus gesundheitlichen oder zeitlichen Gründen nicht, weiter in gewohnter Weise im Vorstand mitarbeiten zu können, brachte es Weimar auf den Punkt. „Altersbedingt wird sich unser Verein in naher Zukunft auflösen“, sagte er.

In drei Jahren wird der Verein 20 Jahre alt

Ein großer Wunsch wäre es trotzdem, dass der Verein noch einige Zeit weiter bestehen und in drei Jahren sein 20-jähriges Bestehen feiern könne, betonte der Vorsitzende. Als Alternative brachte er den Wechsel in eine andere Organisation wie dem Förderverein Bürgerhilfe Weimar ins Gespräch. Dieser habe sich bereiterklärt, den ­Geschichtsverein als feste Gruppe zu integrieren.

„Ohne Vorstand wäre dies die letzte Möglichkeit“, erklärte der Vorsitzende, signalisierte jedoch auch seine Bereitschaft, den Vorsitz „ein letztes Mal und mit Einschränkungen“ zu übernehmen. Das deutliche Signal machte Eindruck auf die Anwesenden. Mehrere Mitglieder erklärten sich bereit, Verantwortung im Vorstand zu übernehmen, jedoch nur mit entsprechender Vorlaufzeit um das „ungewohnte Neuland“ kennenzulernen. In diesem Sinne wurden neue Ämter eingeführt, der Geschichtsverein wählte einen erweiterten Vorstand. Der Verein will sich in den kommenden Wochen unter anderem auf die Herausgabe eines neuen Heimatwelt-Heftes konzentrieren, das bereits im April erscheinen soll.

Neben der Teilnahme an verschiedenen kulturhistorischen Veranstaltungen planen die Mitglieder eine Zusammenfassung der alten Dorf- und Hausnamen der Gemeinde, „um das Wissen um diese alte Tradition zu erhalten“. Als sein „besonderes Steckenpferd“ plant der Vorsitzende zudem, eine Sammlung der althergebrachten, humorvollen „Uznamen“ (Spitznamen) aller Dörfer zusammenzutragen und der Entstehungsgeschichte von urigen Spottnamen wie etwa „Wasserheuer“ für die Einwohner von Roth oder „Ruthärscherl“ für Bürger aus Niederwalgern auf den Grund zu gehen.

von Ina Tannert

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