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Vorfreude auf schillernde Botschafter

Lebensraum Teich Vorfreude auf schillernde Botschafter

Libellen, Molche und Kröten sind ausdrücklich willkommen. Ein artenreicher und farbenprächtiger neuer Lebensraum soll im Roßberger Forst entstehen. Der Teich, den die neuen Waldbewohner als Zuhause benötigen, ist seit Neuestem vorhanden.

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Ein kleiner Teich kann zu einem großartigen Lebensraum für viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten werden. Das ist die Idee, die hinter diesem rund 20 Meter langen und 15 Meter breiten Tümpel im Roßberger Wald steckt.

Quelle: Tobias Hirsch

Roßberg. Dr. Jochen Knake aus Niederweimar ist der Ideengeber für ein Projekt, das seit einigen Wochen im Roßberger Forst Gestalt annimmt. Knake geht in diesem Wald auf die Jagd - und er wollte gern einen Beitrag leisten für den Naturschutz und für die Artenvielfalt in seinem Revier. „Es sollte etwas mit Wasser zu tun haben, weil das typisch für mich und meine Arbeit ist“, erklärt Knake, der Geschäftsführer der Cölber Nolta GmH ist, ein Unternehmen, das sich mit Wassertechnik befasst.

Mit dem Forstamt Kirchhain, das das Gebiet betreut, entwickelte der Ingenieur die Idee für einen Teich im Roßberger Wald. „So etwas gibt‘s eher selten in unserem Gebiet hier“, sagt Revierförster Peter Becker - „kein Wunder, denn solche Teiche müssen gepflegt und erhalten werden, sonst wuchern sie innerhalb von ein oder zwei Jahren zu und verschwinden wieder.“ Ein Aufwand, der sich aus Sicht der Forstleute wegen der „tollen Artenvielfalt“ jedoch lohnt, wie Becker herausstellt. Beispiele dafür lieferten verschiedene Waldteiche, die Hessen-Forst im Ebsdorfer Grund und auf den Lahnbergen in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten angelegt habe.

„Viele Tierarten kommen und siedeln sich an, wenn wieder ein Gewässerangebot bereitgestellt wird - dadurch ersteht ein Ersatz für die vielen Wasserflächen, die es früher in den Auen gab und die dann nach und nach verschwunden sind“, erklärt Benno von Blanckenhagen. Der Biologe begleitet für Hessen-Forst verschiedene Naturschutzprojekte. Und er wird in den kommenden Jahren auch überwachen und dokumentieren, was sich am neuangelegten Teich im Roßberger Wald tut - dieses Monitoring wird von Jochen Knake finanziert.

Besonders freut sich Benno von Blanckenhagen auf die „schillernden Botschafter von Gewässern“. „Libellen siedeln sich überall an, wo es Wasser gibt“, sagt der Biologe und berichtet, dass es allein in Hessen 60 verschiedene Libellenarten gibt. Bei den Germanen wurden sie als Gottheiten verehrt.

Auch der Schwarzstorch könnte mal vorbeischauen

Besonders würde von Blanckenhagen sich über die Große Moosjungfer freuen, eine seltene Libellenart, die auf den Lahnbergen bereits gesichtet wurde. In diesem Moment fliegt am neu angelegten Teich in Roßberg eine Libelle vorbei, „das ist eine Binsenjunger“, sagt der Biologe über die schlanke, kleine Libelle. Und auch ein Frosch wird an diesem Tag beim Pressetermin im Roßberger Forst gesichtet. Waschbärspuren sind zu sehen. Wasserkäfer und Wanzen haben bereits in dem Tümpel Quartier bezogen. Und Revierförster Becker hofft, „dass der Schwarzstorch hier auch mal vorbeischaut“.

„So nach und nach ist der Teich in den vergangenen Wochen mit Wasser vollgelaufen“, berichtet Andreas Sommer, Naturschutzbeauftragter des Forstamts Kirchhain und weist auf den Lößlehm-haltigen Boden in diesem Teil des Waldes hin, der viel Feuchtigkeit speichere. Der Orts sei ideal für einen Teich. Um den Tümpel anzulegen, hat Hessen-Forst auf rund 20 Metern Länge und etwa 15 Metern Breite den Boden ausgebaggert - an der tiefsten Stelle ist der Teich rund einen Meter tief - „und damit frostsicher“, sagt Sommer. Vom neuangelegten Teich im Wald oberhalb des Jugendwaldheims geht‘s dann weiter zum Mooracker, einem Gebiet, das sich ebenfalls im Roßberger Revier befindet. Dort hat HessenForst vor mehr als einem Jahr einen Teich zur Förderung der Artenvielfalt angelegt. Wasserpflanzen haben sich dort üppig ausgebreitet, die Heidelibelle und Azurjungern umschwirren die Besucher. Ein Frosch hüpft vom Ufer ins Wasser. Und daran, dass dieser Teich nicht von selbst entstanden ist, sondern von Menschenhand angelegt wurde, erinnern eigentlich nur noch ein paar Baggerspuren auf der angrenzenden Wiese.

von Carina Becker

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