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Historische Hausnamen

Von der Seele eines Hauses

Da, wo Häuser noch Namen haben, offenbaren sie einen Teil ihrer Geschichte und sind immer wertvolle Puzzleteile für Dorfchroniken. Doch die Zeit drängt, die Namen verschwinden immer mehr aus dem Bewusstsein
Im Ortskern von Niederwalgern gibt es Hausnamen auf Holzplaketten zu finden.Panoramamontage: Thorsten Richter

Im Ortskern von Niederwalgern gibt es Hausnamen auf Holzplaketten zu finden.Panoramamontage: Thorsten Richter

© Thorsten Richter

Weimar. In einigen Dörfern im Landkreis tragen Häuser, zumeist im Kern des Ortes gelegen, Schilder mit merkwürdigen Namen drauf, die oftmals absolut nichts mehr mit den jetzigen Bewohnern zu tun haben. Die Schilder mit den komischen Namen sind eine beliebte Form, sogenannte Hausnamen „aus der guten alten Zeit“ für alle Dorfbewohner sichtbar zu bewahren. Diese Methode ist noch längst nicht aus der Mode, sondern erfreut sich seit einigen Jahren großer Beliebtheit. Jüngst wurden Häuser in Sterzhausen mit schönen Hausnamen-Schildern ausgestattet.

In der Gemeinde Weimar gibt es auch solche Schilder an Häusern, etwa in Niederwalgern. Aber längst nicht überall. Und ein jeder weiß, mit jedem Jahr, das vergeht, wird es schwieriger, Häusern jene Namen aus vergangenen Zeiten zuzuordnen, weil immer weniger Menschen im Ort leben, denen die Bezeichnungen noch im Gedächtnis sind. Ja, ja, es ist doch immer wieder so: Die Menschen vergessen, die Selbstverständlichkeiten aus ihrer unmittelbaren Alltagswelt aufzuschreiben und dann ganz plötzlich sind diese Selbstverständlichkeiten Historie und mit dem Wegsterben der Dorfältesten für immer verloren. Dem schieben wir einen Riegel vor, dachten sich da die Macher des Geschichtsvereins Weimar. Sie legen nun ganz aktuell eine wahre Fleißarbeit als Sonderausgabe ihrer Schriftenreihe „Heimatwelt“ vor, die sich ausschließlich mit Hausnamen beschäftigt.

Hausnamen über Jahrezusammengetragen

Über einige Jahre hinweg haben sie zusammengetragen, was zusammenzutragen war und haben diese Informationen für jeden Ort der Gemeinde tabellarisch aufbereitet. Neben der Benennung der aktuellen Adresse und des dazugehörigen Hausnamens haben die Heimatforscher auch versucht, den jeweiligen Ursprung des Hausnamens zu ermitteln. „Das ist in vielen Fällen dann doch schon recht schwierig“, sagt Otto Weimar, Vorsitzender des Vereins. Und weiter: „Die Hausnamen haben in der heutigen Zeit ihre Bedeutung im Sprachgebrauch verloren. Die jüngeren Leute kennen sie kaum noch und so geraten sie in Vergessenheit.“ - Das sei der Lauf der Dinge, schließlich haben viele Bewohner der infrage kommenden Häuser familiär nichts mehr mit Vorbewohnern oder den Hauserbauern zu tun. Warum sollten sich dann beispielsweise die Müllers, die vielleicht aus Norddeutschland zugezogen sind, sich plötzlich im Dorf Soulersch, Däirersch oder Kouinruppert nennen? Die sind doch schon froh, wenn man sie bald unter ihrem richtigen Namen kennt und sie im Dorf als die Müllers integriert werden.

Und doch üben Hausnamen, die die eigentlichen Namen meist auf Platt wiedergeben - wie Kouze, Bennergehans oder Schefferdoinges - auf zunehmend mehr Menschen eine Faszination aus. Letztendlich kamen sie in Mode, um den menschen, die in den Häusern lebten eine Individualität und klare Erkennbarkeit zu verleihen, weil viele Familiennamen in einem Ort die selbe waren. Hausnamen sind so die Eintrittskarte in vergangene Zeiten. Sie offenbaren mehr als nur alte Gegenstände. Sie machen die Menschen, die Generationen vor den jetzigen Bewohnern im Haus lebten, liebten, lachten, weinten und trauerten greifbar, sie geben ihnen, wenn es denn schon keine Bilder von ihnen gibt, dann doch wenigstens einen Namen, dem sich alle damaligen Hausbewohner zugehörig fühlten.

„Wir haben uns große Mühe gegeben, können aber auch nicht ausschließen, uns bei der Zuordnung geirrt zu haben. Auch haben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Aber vielleicht weiß ja noch jemand etwas, was unsere Arbeit ergänzt, bestätigt oder auch korrigiert“, meint Weimar. Die Listen gibt es jetzt jedenfalls schwarz auf weiß und wer in ihnen blättert, kommt schnell zu der Meinung, dass sie doch ein ordentliches Fundament für mögliche weitere Nachforschungen bieten und natürlich ein wahrer Schatz für jede neue Dorfchronik darstellen.

PS: In der Heimatwelt 51 hat Otto Weimar bereits einen kleinen Artikel über „Uznamen“, also Dorfnecknamen, veröffentlicht. Heute bieten sie sicherlich hervorragende Forschungsansätze für die Heimatkunde, in früheren Zeiten immer einen guten Anlass für eine ordentliche Kirmesschlägerei, denn Necknamen wurden nicht immer lustig aufgefasst. Also, wer mal wissen möchte, wer beispielsweise durchaus beleidigend „Österreicher“ genannt wurde, oder wer die „Mistbrierer“ waren, kann das jederzeit nachlesen. Auf der Homepage der Gemeinde sind alle Ausgaben online eingestellt, allerdings noch nicht die neue Sonderausgabe. Sie wird sicher bald auch dort einsehbar sein.

n Die Sonderausgabe in Papierform ist ab sofort für alle interessierten Mitbürger auf Anfrage bei der Gemeindeverwaltung im Rathaus Niederweimar erhältlich.

von Götz Schaub

[Carina Becker]

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