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Volle Anklagebank nach Kirmesprügelei in Fronhausen

Aus dem Amtsgericht Volle Anklagebank nach Kirmesprügelei in Fronhausen

Eine handfeste Auseinandersetzung bei der Fronhäuser Kirmes hatte jetzt ein Nachspiel vor Gericht. Mangels eindeutiger Beweise wurde das Verfahren gegen drei Angeklagte jedoch eingestellt.

Marburg. Es wurde eng auf der Anklagebank. Drei Beschuldigte aus dem Südkreis hatten dort mit ihren Verteidigern vor dem Jugendschöffengericht Platz genommen. Sie alle waren im vergangenen Jahr an einer Kirmesschlägerei beteiligt gewesen. Ihnen wurde gemeinschaftliche Körperverletzung vorgeworfen.

Ende August 2013 besuchten die 18, 19 und 23 Jahre alten Angeklagten die Kirmes in Fronhausen. Zwei von ihnen gerieten in der Nacht mit einem anderen Gast in eine erste Auseinandersetzung. Im Vorbeigehen sprach der ältere Beschuldigte den fremden Mann mit den Worten „Hey Süßer“ an. Als dieser sich umdrehte, schlug der 23-Jährige seinem Gegenüber mit den Fäusten mehrfach ins Gesicht, während der Jüngere dem Geschädigten gegen die Brust trat, so die Anklage. Im Anschluss soll der Ältere ein Pfefferspray gezückt und es dem Opfer in die Augen gesprüht haben.

23-Jähriger räumt Tat ein

Daraufhin ging der Getroffene zu Boden und wurde durch Festbesucher von seinen Angreifern getrennt. Später in der Nacht traf der Zeuge erneut auf den 23-Jährigen sowie auf den dritten Angeklagten. Auch diese Begegnung endete in einer handfesten Schlägerei, an der noch mindestens zwei weitere fremde Männer beteiligt waren. Die aufgebrachte Gruppe soll auf den am Boden liegenden Geschädigten mehrfach eingetreten und -geschlagen haben, bevor die Situation von den Sicherheitskräften des Festes aufgelöst wurde. Das Opfer erlitt bei dem Konflikt mehrere Prellungen, Schürfwunden und eine leichte Kopfverletzung.

Die beiden jüngeren Beschuldigten machten keine Angaben vor Gericht. Nur der 23-Jährige gab seine Schuld teilweise zu, stellte die Situation jedoch anders dar. Der Geschädigte habe seine scherzhaft gemeinte Ansprache falsch verstanden und übertrieben aggressiv reagiert. Beide seien betrunken gewesen, was zu einer kurzen Rangelei geführt habe. Die Faustschläge gab der Angeklagte zu. „Ich fühlte mich selber angegriffen, es war jedoch schnell wieder vorbei“, betonte er und nahm die Schuld auf sich. Seine Mitangeklagten hätten sich nicht beteiligt.

Verursacher der zweiten Schlägerei sei dagegen der Geschädigte selber gewesen. Dieser soll aufgebracht und provozierend auf den 19-jährigen Kontrahenten zugelaufen sein. Dieser griff ihn seinerseits an, um sich „zu verteidigen“. Weitere junge Leute kamen hinzu und begannen eine Massenschlägerei, so die Aussage des älteren Angeklagten. Genauere Angaben konnte er nicht zur Aufklärung der verfahrenen Situation beisteuern. Den Einsatz von Pfefferspray stritt der Mann jedoch vehement ab. Diesem Punkt widersprachen wiederum gleich mehrere Zeugen. Sie alle hatten den Geschädigten im Laufe der Nacht getroffen, beschrieben seine stark geröteten Augen und eine eingeschränkte visuelle Wahrnehmung. Das Opfer selber stritt eine eigene Beteiligung an den Ereignissen ab. Er habe sich weder aggressiv noch provozierend verhalten. „Klar war ich nach dem Angriff sauer, aber ich wollte keinen Stress“, betonte der Marburger vor Gericht. Wann genau welcher der Beteiligten zugeschlagen und das Pfefferspray benutzt hatte, konnte während der Verhandlung nicht zweifelsfrei geklärt werden. Alle drei Verteidiger beantragten schließlich das Verfahren einzustellen. Das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Richter Thomas Rohner folgte dem bei den beiden jüngeren Angeklagten. Auch der 23-Jährigen kam mit einer vorläufigen Einstellung davon. Sein Geständnis, eine Entschuldigung an das Opfer sowie der Alkoholeinfluss milderte das Urteil. Als Auflage muss er Schadenswiedergutmachung leisten und 500 Euro Schmerzensgeld an den Geschädigten sowie weitere 500 Euro Geldbuße an eine soziale Organisation zahlen.

von Ina Tannert

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