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Vier Generationen feiern ihr Dorf

Erbenhausen wird 700 Vier Generationen feiern ihr Dorf

Knapp 70 Einwohner, 20 Häuser und Höfe, die Umgehungsstraße, die den Ort zweiteilt, Spielplatz, Backhaus und viel Natur drumherum. Das ist Erbenhausen. Das Dörfchen bei Fronhausen feiert sein 700-jähriges Bestehen.

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Vor der Kulisse der Erbenhäuser Fachwerkhöfe freuen sich Menschen aus vier Generationen aufs Jubiläumsfest (von links): Heinrich Steitz, Stefan Dieterich, Amelie Schmidt, Iris Steitz, Bernt Dieterich, Marianne Dieterich und Herbert Köhl. Das große Schild fürs Jubiläumsfest hat der Maler Werner Naumann aus Sichertshausen mit einer Ortsansicht gestaltet.

Quelle: Thorsten Richter

Erbenhausen. Von Fronhausen kommend befinden sich links die Häuser auf der Sonnbach, rechts die auf der Schwartebach. „Auf beiden Seiten gibt es alten und neuen Wohnbestand“, berichtet Marianne Dieterich. Es gibt zehn alte Höfe - das älteste Haus ist rund 350 Jahre alt - und etwa ebenso viele Häuser neueren Baujahrs.

Mal abgesehen davon, dass man dort wohnen kann, ist nicht besonders viel los in Erbenhausen. Marianne Dieterich lacht: „Ein paarmal pro Woche kommt der Bäcker auf den Hof und bringt frisches Brot - und das war‘s dann auch schon.“ Die 61-Jährige hat ihr ganzes bisheriges Leben in Erbenhausen verbracht. „Wer hier geboren ist, der geht hier eigentlich auch nicht weg - wir haben es doch so schön hier“, schwärmt die waschechte Erbenhäuserin, deren Heimatdorf seit dem Bau der Umgehungsstraße 1963 aus zwei Teilen besteht. Besonders schön ist das nicht, aber für die Verkehrsanbindung sehr praktisch. Dass es in Erbenhausen auch Zuzug gibt, mag vor allem an der verkehrsgünstigen Lage zwischen Marburg und Gießen liegen, zur B 3 ist es schließlich nur ein Katzensprung. Doch das Beste an der Lage Erbenhausens sei „die schöne Natur drumherum“, sagt Marianne Dieterich.

Dorfchronik kommt pünktlich zum Fest

Rund 10 Prozent der Erbenhäuser seien Zugezogene, schätzt der Ortsvorsteher Bernt Dieterich - er ist der Bruder von Marianne Dieterich. Dieterich - der Nachname kommt in Erbenhausen recht häufig vor. „Hier gibt es drei Familien, die so heißen“, erklärt Marianne Dieterich. Das Miteinander von Alteingesessenen und Neuankömmlingen, in den meisten Fällen funktioniere dies gut, berichten die Dieterichs. In Erbenhausen rückt man schließlich zusammen, „hier machen die meisten mit, wenn es was gibt“, sagt Marianne Dieterich und gemeinsam mit ihrem Bruder und ihrem Neffen Stefan Dieterich erzählt sie vom Backhausfest, das die Dorfgemeinschaft alljährlich zum autofreien Sonntag im Ebsdorfer Grund ausrichtet. „Dann kommen viele Menschen hier vorbei und wir backen unsere Waffeln aus den alten Schwenkeisen - so etwas Gutes bekommt man sonst nirgendwo“, betont sie.

Fürs Jubiläumsfest am Wochenende hat ein kleiner Arbeitskreis einiges auf die Beine gestellt. Besonders aufwändig war die Arbeit an der rund 170 Seiten umfassenden Dorfchronik, die pünktlich zum Fest als gebundenes Buch zu einem Preis von voraussichtlich rund 17 Euro vorliegen wird. Marianne Dieterich war dabei die treibende Kraft. Das Buch kann während des Fests und auch noch danach beim Ortsvorsteher oder bei der Gemeinde Fronhausen im Rathaus erworben werden. Enthalten sind Geschichten und Berichte aus dem Dorf, „alles, was wir so zusammentragen konnten“, erzählt Marianne Dieterich.

Gedenkstein wird am Samstag enthüllt

Da berichten Menschen von ihrer Kindheit in Erbenhausen, andere haben Postkarten aus den Kriegsjahren beigesteuert, alte Dokumente und Skizzen, viele Fotos. „Von den alten Höfen ist von jedem etwas dabei.“ Und nicht nur Erbenhäuser haben mitgewirkt, sondern auch viele historisch bewanderte Gastautoren aus Nachbardörfern und -gemeinden, so auch der Kulturwissenschaftler Professor Siegfried Becker (Uni Marburg). Eine Überraschung hält der Festausschuss für alle Festbesucher schon am Ortseingang bereit. Ein Gedenkstein für Erbenhausen, gestiftet von einem Steinmetz, der nicht genannt werden möchte, wie Bernt Dieterich sagt.

Der Stein hat seinen Platz nahe des Backhauses - dort steht er derzeit in Plastikfolie gehüllt und somit vor allzu neugierigen Blicken geschützt. „Er ist aus Sandstein gefertigt und stammt aus Niederweimar - die Jahreszahlen von Erbenhausen sind eingemeißelt“, verrät der Ortsvorsteher. Wie genau der Stein aussieht, erfahren Erbenhäuser und Gäste am Samstag. Dann kommt der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow zur Enthüllung. Und anschließend wird im Festzelt an der Brücke gefeiert. „Das Zelt kriegen wir Erbenhäuser allein nicht voll“, sagt Bernt Dieterich lachend und hofft auf viele Besucher.

von Carina Becker

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