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Vier Familien in der Endloswarteschleife

Kindergarten-Wahl Vier Familien in der Endloswarteschleife

Ein Waldkindergarten, ja das wäre etwas für mein Kind, dachten sich vierElternpaare aus Ebsdorfergrund. Warum? Wegen des besonderen pädagogischen Konzepts. Doch der Weg dorthin wird ihnen von der eigenen Gemeinde verstellt

Ebsdorfergrund. In Marburg-Cappel eröffnet im August ein neuer Kindergarten. Ein besonderer Kindergarten, nämlich ein Waldkindergarten. Dieser unterscheidet sich von normalen Kindergärten durch sein pädagogisches Konzept, das ganz vereinfacht gesagt auf Naturerlebnisse aufgebaut ist.

Vier Familien aus der Gemeinde Ebsdorfergrund zeigten sich davon angetan und fragten für ihre Kinder Plätze an. Ja, kein Problem, Plätze sind vorhanden, bekamen sie zur Antwort. Doch sie müssten zur Anmeldung einen Kostenübernahmebescheid ihrer Wohnortgemeinde vorlegen. Denn nur so könne der Kindergarten, der von einem Verein getragen wird, die Kosten von der Stadt Marburg erstattet bekommen. Warum von der Stadt Marburg?

Nun, besucht ein Kind einen Kindergarten außerhalb der eigenen Wohngemeinde, so muss diese Wohngemeinde nach Paragraf 28 Hessisches Kinder- und Jugendhilfegesetzbuch der Standortkommune einen Kostenausgleich zahlen. Das wird ja nicht so schwer sein, diese Unterschrift zu besorgen, dachten sich die Eltern, wurden dann aber eines Besseren belehrt.

„Wir haben uns frühzeitig gekümmert und den Antrag auf Kostenübernahme am 19. Februar gestellt“, sagt eine Mutter gegenüber der OP. Jetzt Mitte Juni, wissen die Eltern immer noch nicht, ob das mit Cappel was wird. „Das ist eine sehr unbefriedigende Situation“, sagt ein Vater.

Die Eltern sind ratlos und fühlen sich machtlos. Im März wurden sie von Bürgermeister Andreas Schulz zu einem Gespräch gebeten. Dabei machte er darauf aufmerksam, dass der von der evangelischen Kirche übernommene Kindergarten Rauischholzhausen sich in die Richtung eines Waldkindergartens entwickeln könne, die Eltern sollten sich selbst mal ein Bild vor Ort verschaffen.

Das taten sie auch, doch trotz eines ergiebigen und sehr informativen Gesprächs mit der Gesamtleiterin der Kindertagesstätten Heike Schick entschieden sich die Eltern, bei ihrem ursprünglichen Vorhaben zu bleiben. „Uns wurde gesagt, wir sollten uns bis zum 8. April entscheiden und diese Entscheidung dann der Gemeinde mitteilen. Wir dachten, damit wäre die Sache für uns dann erledigt“, sagt eine der Mütter.

Bürgermeister fragt Kommunalaufsicht um Rat

Aber nein, am 28. Mai erhielten die Familien ein Schreiben der Gemeinde mit der Mitteilung, dass der Gemeindevorstand entschieden habe, die notwendige Unterschrift auf Kostenübernahme nicht zu leisten. Ein Schock für die Eltern. „Wir haben immer noch die freie Kindergartenwahl“, sagt ein Vater. Darunter versteht er, dass er sein Kind auch in eine andere Kommune schicken kann, wenn dort ein Platz frei ist und etwas angeboten wird, was in der eigenen Kommune nicht angeboten werden kann.

„Der Waldkindergarten verfolgt ein besonderes pädagogisches Konzept, was wir in Ebsdorfergrund in dieser Form nicht haben“, sagt der Vater. „Wenn wir es hätten, würden wir unser Kind auch dort hinbringen. Wir wollen ja nicht aus der Gemeinde raus, weil wir es wollen, sondern weil wir es in diesem Fall müssen.“

Stellt sich nun die Frage, warum der Gemeindevorstand das nicht gelten lassen will. Andreas Schulz sagt: „Die Gemeinde hält die gesetzlich vorgeschriebenen Plätze für Kindergärten vor, muss aber dennoch mehr als 60000 Euro extra für Kinder zahlen, die in anderen Kommunen betreut werden.“

Wie sind die dort hingekommen? Schulz: „Die Eltern dieser Kinder wünschten sich Öffnungszeiten, die wir hier in Ebsdorfergrund nicht anbieten können.“

Ein besonderes pädagogisches Konzept will der Gemeindevorstand offenbar nicht gelten lassen. „Ich kann es rechtlich nicht abschließend bewerten“, gibt Schulz zu. Deshalb habe er als Bürgermeister die Kommunalaufsicht des Kreises angeschrieben, mit der Bitte um Auskunft.

Landrat Robert Fischbach bestätigt gegenüber der OP den Eingang des Schreibens. „Der Vorgang wird nun geprüft. Und wie üblich werden auch alle Seiten dazu gehört und dann eine Stellungnahme erarbeitet“, sagt Fischbach.

Für die Eltern bedeutet dies, zunächst einmal weiter zu warten. Sie fühlen sich langsam wie in einer Endloswarteschleife. Auch wenn sie es bedauern, dass ihr Anliegen, die Gemeinde Ebsdorfergrund finanziell belastet, halten sie das Verhalten des Gemeindevorstandes für nicht tragbar und fühlen sich in ihrer Freiheit, ihre Kinder in den Genuss eines Waldkindergartens kommen zu lassen, beschnitten.

Es gibt nur jetzt zum Start des Waldkindergartens die Möglichkeit, die Kinder dort sicher anzumelden, denn für die nächsten Jahre liegen in Cappel schon Wartelisten vor.

PS: Ein Kind, das im August dort hingehen wird, kommt aus Kirchhain. Die Ohmstadt hat den Eltern dieses Kindes ohne Weiteres die Unterschrift zur Kostenübernahme gegeben.

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von Götz Schaub

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