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Viele persönliche Kontakte motivieren

Bürgerliche Hilfsangebote Viele persönliche Kontakte motivieren

Die Menschen, die sich in Oberweimar als Flüchtlingshilfe zusammengefunden haben, sind weiterhin sehr motiviert, persönliche freie Zeit in die Hilfe für die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft zu investieren.

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Das Haus in der Obergasse in Oberweimar bietet auch einen Versammlungsraum, den die Freiwilligen der Flüchtlingshilfe dienstags nutzen, um Absprachen zu treffen und zu planen.

Quelle: Götz Schaub

Oberweimar. Menschen helfen einander. Vor allem in Notsituationen. Da spielt es keine Rolle, woher die Hilfesuchenden kommen. So einfach ist das. Und doch hängt hinter diesen kurzen prägnanten Aussagen ganz viel Engagement und auch Durchhaltewillen. Denn Flüchtlingen effektiv zu helfen, ist für viele Menschen in und um Oberweimar zum Teil ihres Alltags geworden – mit offenem Ende.

„Ja, unsere Aufgabe kann  durchaus noch lange dauern, das ist uns bewusst und treibt uns aber auch gleichzeitig an, nicht nachzulassen“, sagte Werner Knobloch aus Oberweimar, der sich wie rund 70 weitere Bürger in der Flüchtlingshilfe engagiert. Die Menschen, vornehmlich aus Syrien, aber auch aus  Eritrea, Somalia, Afghanistan, Pakistan, Irak und Äthiopien, die in Oberweimar leben und auf den Bescheid ihres Asylverfahrens warten, gehören mittlerweile zum normalen Erscheinungsbild im Dorf. Es haben sich zwischen Helfern und Flüchtlingen durchaus auch richtige Freundschaften gebildet mit gegenseitigen privaten Besuchen, informiert Wiltrud Lambinet-Potthoff, die selbst aus Niederweimar kommt.

Regelmäßige Treffen und eine gute Kommunikation  

Jeden Dienstag treffen sich rund 20 freiwillige Helfer im Versammlungsraum der Unterkunft in Oberweimar, um aktuelle Dinge zu besprechen, zu planen und zu organisieren. Denn es kommen auch immer wieder neue Flüchtlinge, während andere als anerkannte Asylsuchende wieder ausziehen. Manche davon entscheiden sich, bestimmt auch unter dem Eindruck der positiven Erfahrungen, in der Nähe zu bleiben.

Die Bürger, die sich in Oberweimar engagieren, kommen nicht nur aus dem Ort selbst, sondern auch aus anderen Ortsteilen der Gemeinde Weimar, auch aus Fronhausen, Marburg und Gießen. Ihnen allen ist bewusst, dass Integration keine schnelle  Sache ist. Das A und O sei aber der Kontakt zwischen hiesigen Bürgern und Flüchtlingen. Dass kleine Kinder Platz im Kindergarten bekommen, Kinder im Schulalter an Unterricht in der Schule teilnehmen können.

Die Zusammenarbeit mit Sozialarbeitern, dem Vermieter der Unterkunft und natürlich mit Weimars Jugendpfleger Marcus Ott und weiteren in der Flüchtlingshilfe Tätigen laufe sehr gut. Das erleichtere auch die Arbeit und halte die Motivation hoch. „Die wirkliche Integrationsarbeit beginnt doch erst, wenn die Anerkennungen auf dem Tisch liegen“, sagt Knobloch.  Auch wenn die Menschen aus den fernen Ländern in Oberweimar als Selbstversorger leben und ihre Wohnungen sehr zu schätzen wissen, benötigen sie zur Bewältigung der sich ihnen stellenden Aufgaben Hilfe. Bei Arztbesuchen, bei Briefen von Behörden, beim Deutsch lernen.

Neue Erfahrungen für Flüchtlinge und Helfer

Die Begegnungen sind vielfältig und basieren auch bei den Flüchtlingen auf Freiwilligkeit. Etwa zum Begegnungscafé in das Pfarramt Oberweimar zu kommen oder zum Strickcafé am Sonntag, wo Anziehsachen für Babys gefertigt werden. – Denn es wird auch Nachwuchs erwartet. Schwangere erfahren  dabei  die Versorgung wie jede Frau in diesem Land. Dazu gehören auch Ultraschalluntersuchungen, für die werdenden Mütter durchaus eine ganz neue Erfahrung.

Neue Erfahrungen machen aber auch die zahlreichen Helfer. Es entwickeln sich viele neue soziale Kontakte im Ort und darüber hinaus. Und die vielen positiven Erfahrungen im täglichen Umgang mit den Flüchtlingen bereichern den persönlichen Erfahrungsschatz, und sei es nur um die Erfahrung, dass Mitmenschlichkeit fernab von Sprache, Kultur und Religion immer funktioniert, wenn man  sie nur praktiziert. 

von Götz Schaub

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