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Verkehssünder kann es nicht lassen

Aus dem Gericht Verkehssünder kann es nicht lassen

Erst nach ausgiebiger Ermahnung gab ein Mann aus Marburg zu, mit dem Auto ohne gültige Fahrerlaubnis in Heskem unterwegs gewesen zu sein und dabei fast einen schweren Verkehrsunfall verursacht zu haben. Nur haarscharf konnte der Angeklagte bei hoher Geschwindigkeit eine heftige Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug verhindern.

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Nur sehr knapp konnte der Angeklagte, der ohne Führerschein unterwegs war, einer Kollision entgehen. Er rutschte mit seinem Auto von der Fahrbahn und landete auf dem Dach.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Ende 2014 war der 29-Jährige bei Heskem-Mölln mit dem Auto unterwegs, obwohl er den Führerschein unlängst wegen einer Fahrt unter Drogeneinfluss verloren hatte. Trotzdem setzte er sich wiederholt hinters Steuer, geriet an diesem Dezembertag von der Fahrbahn ab und rauschte auf einen Acker, verfehlte eine entgegenkommende Frau nur sehr knapp.

Sein Wagen überschlug sich und blieb auf dem Dach liegen. Dass er ohne Papiere von der Polizei erwischt werden könnte, veranlasste ihn zu einer folgenschweren Entscheidung: Er verließ den Unfallort und informierte einen Bekannten, trug diesem auf, sich fälschlich als Fahrer des Unfallwagens auszugeben. Der Bitte kam der Kumpel scheinbar nach, wollte sich am vergangenen Freitag vor Gericht jedoch nicht äußern.

„Ich bin auf den Führerschein angewiesen“

Auch der Angeklagte schaltete von Anfang an auf stur, bestand darauf, nicht selber gefahren zu sein, wobei einige Beweise gegen ihn sprachen. Der Grund für die Hartnäckigkeit: Der Autohändler bangt um seinen Arbeitsplatz, hoffte bis zuletzt, dass er um eine weitere Fahrsperre herumkommt. „Ich bin auf den Führerschein angewiesen“, betonte der Mann.

Die Fahrerlaubnis verlor er einige Zeit zuvor, nachdem er sich im Heroinrausch hinters Steuer setzte. Mittlerweile befindet sich der sechsfach vorbestrafte Angeklagte im Methadonprogramm. Zum Tatzeitpunkt stand er noch unter Bewährung. Nach ausgiebiger Besprechung mit seinem Verteidiger überwand sich der Beschuldigte und gestand die Unfallfahrt.

Fahrsperre und Geldstrafe für den Angeklagten

Ein weiterer Anklagepunkt wurde während der Verhandlung zu seinen Gunsten eingestellt: Auch in Marburg war der Mann widerrechtlich herumgefahren. Beim Abbiegen in die Temmlerstraße erwischte ihn die Polizei. Auch in diesem Fall bestritt er eine Straftat, gab seine Spritztour schließlich nur zähneknirschend zu. Die Staatsanwaltschaft ließ dafür Milde walten. „Späte Reue ist auch eine Reue“, so der Anklagevertreter, der den starrköpfigen Täter zur Vernunft bringen konnte und sich für eine Geldstrafe aussprach.

Bei der Verhängung der Fahrsperre endete die Güte des Gerichts, um die kam der Verkehrssünder nicht herum. Trotz der späten Einsicht kam ihm das Gericht entgegen. Strafrichterin Blumentritt verurteilte den Angeklagten wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu 100 Tagessätzen á 25 Euro. Vor Ablauf eines Jahres erhält der Mann seinen Führerschein nicht zurück. „Die Sache hätte böse ausgehen, die Frau hätte tot sein können“, ermahnte die Richterin den Mann, den gerichtlichen „Warnschuss“ ernstzunehmen.

von Ina Tannert

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