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Überdachter Tunnel ersetzt Freiland

Vogelgrippe Überdachter Tunnel ersetzt Freiland

„Wir müssen das Beste ­daraus machen“, sagt Günter Jung. Mit seiner Familie hält er in Bellnhausen 2000 Hühner, die normalerweise draußen sind. Ersatz für den sonst großzügigen Auslauf bietet eine Notkonstruktion.

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Von oben durch ein dickes grünes Fleece geschützt und von vorne durch ein Gitter gesichert: Eine Hühnerherde von Jungs Hof in Bellnhausen hat Auslauf in einem Tunnel, bis die Stallpflicht wieder aufgehoben wird.Foto: Carina Becker-Werner

Bellnhausen. Seit Dienstag haben die Campinghühner in Bellnhausen das Campen eingestellt. Gezwungenermaßen. Aufgrund der Vogelgrippe gilt derzeit Stallpflicht. Hähne und Hennen, die sonst den täglichen Auslauf gewohnt sind, das Scharren und Picken unter freiem Himmel, müssen nun ganztags im Hühnermobil bleiben. Das ist ein Stall auf Rädern, der regelmäßig seinen Standort wechselt. Dort halten die Tiere sich sonst nur nachts auf - „und tagsüber mal zwischendurch zum Körnerpicken, oder um Wasser zu trinken“, wie Besitzer Günter Jung der OP berichtet.

„Man merkt es ihnen deutlich an“, sagt Jung über seine Hühner, „sie sind gestresst und aggressiv, wollen unbedingt raus“. Um für seine Tiere die Situation erträglicher zu machen, hat Jung probeweise einen Freilauf-Tunnel für 350 Hühner gebaut. Es ist eine Konstruktion aus einfachem Material, die es im Baumarkt gibt. Aus Stahlgitter-Matten, Holzpflöcken und einer dicken Fleece-Matte ist ein Tunnel entstanden. Der ist gut einen Meter hoch und mehrere Meter lang und breit, sodass die Hühner vom Campingmobil in den überdachten Auslauf wechseln können. Dadurch haben sie zusätzliche 40 Quadratmeter Platz zu den 60 Quadratmetern, die das Hühnermobil auf zwei Ebenen bietet. „Das verschafft etwas Entspannung“, erklärt Jung. Der Boden in dem Tunnel hat er mit Stroh ausgestreut, damit die Hühner etwas zum Scharren haben.

Zusätzliche Abwechslung bietet der Landwirt seinen Tieren durch Kürbisse, die aufgeschnitten ins Gehege gelegt werden, durch Rübenschnitzel und altes Brot. „So haben sie beim Futter die Auswahl und langweilen sich nicht so sehr.“ Der Tunnel ist bislang ein Versuch. „Ich will schauen, ob er sich in der Praxis bewährt, bevor ich an den drei weiteren Campingmobilen solche Auslaufmöglichkeiten schaffe“, sagt Jung. Denn auch wenn die selbstkonstruierten Tunnel eine verhältnismäßig günstige Alternative zu großen Zelten oder ähnlichem seien, fielen schon jetzt einige hundert Euro Materialkosten an.

Jung hofft, dass die Stallpflicht bald wieder aufgehoben wird. „Es ist schon umständlich für uns“, berichtet er über die Fütterung im Campingmobil, das derzeit bestückt werden muss, wenn die Hühner sich zum Schlafen gesetzt haben. „Sonst flattern die uns gleich hier raus auf die Wiese“, sagt er.

Der Händler denkt auch an den Eierverkauf. „Länger als 12 Wochen hat die Stallpflicht wohl nie gedauert.“ Drei Monate lang dürften die Eier auch als Freiland-Eier deklariert werden, wenn die Hennen aufgrund einer vorübergehenden Stallpflicht drinnen gehalten werden, danach nicht mehr, berichtet Jung, der seinen Kunden gern baldmöglichst wieder Eier von tatsächlich freilaufenden Hühnern anbieten will.

Für Regine Bremer aus Oberwalgern macht es vorerst keinen Unterschied. Sie gehört zu den Kunden, die am Freitagnachmittag an Jungs Eierautomaten ihren Einkauf erledigen. „Ich hole die Eier immer hier, weil ich dann genau weiß, wo sie herkommen und wie die Tiere gehalten werden“, erklärt Bremer und fügt an: „Ich sehe ja, dass die Hühner derzeit nicht auf die Wiese kommen - deshalb vertraue ich darauf, dass keine Gefahr besteht.“

von Carina Becker-Werner

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