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Traktoren, Trachten, viele Tassen voll mit Kaffee

Dorfjubiläum Traktoren, Trachten, viele Tassen voll mit Kaffee

Kehna, wie es einmal war und wie es heute ist: Ländliches Leben und eine inklusive Dorfgemeinschaft reichten sich beim Jubiläumsfest am Wochenende die Hand – und vermochten hunderte Besucher zu begeistern.

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Landwirtschaftliche Vorführungen erinnerten an die bäuerliche Kultur im Ort, von der Kehna über die Jahrhunderte geprägt wurde. Mit Traktor und Band wurde die Maschine zum Dreschen vor 70 Jahren angetrieben. Um das Band zum Laufen zu bringen, mussten die Landtechnikfreunde Niederwalgern sich kräftig anstrengen.

Quelle: Patricia Kutsch

Kehna. „Da kann ich nur sagen: Hut ab!“ Mit ihren 81 Jahren ist Änni Mann die älteste Bewohnerin von Kehna – und für den Festausschuss sowie die Dorfgemeinschaft, die für die Jubiläumsfeier am Wochenende alles in liebevoller Arbeit vorbereitet hatten, war sie voller Anerkennung. „Die haben ordentlich was auf die Beine gestellt.“

Beim Jubiläumsfest „875 Jahre Kehna“ bewiesen die alteingesessene Dorfgemeinschaft und die sozialtherapeutische Lebens- und Arbeitsgemeinschaft „Gemeinschaft in Kehna“, wie viel Potenzial im Zusammenwirken von Altem und Neuem steckt. So präsentierte sich das gut 80 Einwohner zählende Dorf mit belebten Straßen und Programm auf vielen Höfen – bereichert von Chören und Musikern aus dem Umland und mit regem Publikumsandrang schon in den Vormittagsstunden.

Kehna, wie es einmal war und wie es heute ist: Ländliches Leben und eine inklusive Dorfgemeinschaft reichten sich beim Jubiläumsfest am Wochenende die Hand – und vermochten hunderte Besucher zu begeistern.

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Zum Miteinander gehörten an diesem Tag viele wohlwollende Töne – und auch kritische, die das Dorfleben voranbringen könnten. Pfarrer Dirk Wilbert ließ im Festgottesdienst im Zelt auf dem Hof Lachte anklingen, dass man sich in Kehna nicht immer wohlgesonnen sei. Mit einer Bilderbuchgeschichte ermutigte Wilbert die Menschen dazu, aus Steinen, die oft schon seit Generationen zwischen Familien lägen, neue Brücken der Begegnung zu bauen. Spontane Unterstützung für seinen Vortrag bekam der Pfarrer von Thorsten Bock, einem Mitglied der „Gemeinschaft in Kehna“, der den Gottesdienstbesuchern die Bilder zu der Geschichte beschrieb – das bereitete den Zuhörern viel Freude.

Bürgermeister Peter Eidam, selbst ein Mann vom Dorf, wusste gleich, worum es geht. „So ist das – und das gehört halt auch dazu, dass man sich nicht immer versteht“, meinte er und befand, dass Kehna sehr stolz auf sich sein dürfe. Allein schon, weil der Wandel vom früheren Bauerndorf zum inklusiven Wohn- und Arbeitsort gelungen sei. Weil das Dorf sich für die Mitglieder der Gemeinschaft geöffnet und sich selbst damit neue Perspektiven eröffnet habe. Weil Kehna „Kaffee für Millionen – Tassen – produziert“, knüpfte er an die Arbeit der Kaffeerösterei an. Und weil es ein „bescheidenes, nicht mehr weltabgeschiedenes Zentrum mit Inklusion und altehrwürdiger Ort von Welt mit Kaffee-Online-Shop“ sei.

"Ich finde die Gemeinschaft hier sehr gut"

Was Inklusion bedeutet, wie das Miteinander von behinderten und nicht behinderten Menschen sich gestaltet, das wurde im ganzen Ort deutlich – und auch auf der Bühne im Festzelt. In den Reigen der Festredner und Ehrengäste reihte sich Danny Greif, ein Mitglied der Gemeinschaft, ein. Er sei seit 2009 in Kehna zu Hause, berichtete er den Zuhörern. Er habe nach seinem Schulabschluss einen Ort zum Wohnen und Arbeiten gesucht – und in Kehna gefunden. „Ich finde die Gemeinschaft hier sehr gut“, sagte er und erzählte, wie glücklich er darüber sei, dass die Straße im Ort erneuert und mit einem abgesenkten Bürgersteig ausgestattet wurde. Mit seinem Rollstuhl könne er nun alle drei Höfe der Gemeinschaft erreichen, „dadurch habe ich mehr Lebensqualität“. Unterwegs im Dorf waren auch die Festbesucher. Zwischen Kaffeeröstvorführungen, Besichtigungen der Weberei, einer Traktor- und Landmaschinenausstellung mit alten Schätzen von Deuz und Hanomog sowie Vorführungen von Trachtentänzern gab es an der Dorfstraße und auf den Höfen viel zu sehen und zu hören.

von Carina Becker

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