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Teichmolch hat nachts die K 59 ganz für sich

Amphibienschutz Teichmolch hat nachts die K 59 ganz für sich

Der Teichmolch steht in Hessen mittlerweile auf der Vorwarnliste zur Roten Liste, auf der vom Aussterben bedrohte Tiere stehen. Ein guter Grund im Landkreis über die Nachtstunden eine zweite Straße zu sperren.

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Martin Agel, Schutzmann vor Ort (links), wird öfters danach schauen, ob das Nachtfahrverbot eingehalten wird, über das sich Peter Eidam (weiter von links), Kirsten Fründt, Björn Behrendt, Rita Rohrbach von der Gemeinde Weimar und Stefan Wagner freuen.

Quelle: Götz Schaub

Roth. Die K 59 wird von mehr Fußvolk als je gedacht überquert. Und dies vor allem nachts. Wenn dann ein Auto kommt, kann es leicht zu Dutzenden Toten kommen. Die Opfer schreien nicht, man hört sie also nicht und so gut wie immer, das muss jedem Autofahrer zugute gehalten werden, sieht man sie auch nicht, weil sie so klein sind. Die Rede ist von Teichmolchen, die sich dieser Tage wie auch die Erdkröten auf den Weg von ihren Winterquartieren zu ihren Laichgewässern machen.

In diesem Jahr beschlossen die Fachbehörden des Landkreises, die Gemeinde Weimar und der Naturschutzbund in einer Gemeinschaftsaktion, erstmalig die Kreisstraße 59 zwischen den Weimarer Ortsteilen Roth und Niederwalgern ab Mittwoch, 5. März, bis längstens zum 20. April jeden Abend ab 19 Uhr bis morgens um 6 Uhr für den Verkehr zu sperren. Damit soll den Teichmolchen Zeit gegeben werden, ungefährdet über die Straße zu kommen, denn sie sind nicht nur Opfer, wenn sie direkt überfahren werden, ihr kleiner Körper hält noch nicht einmal den Fahrtwind vorbeifahrender Autos aus.

„Seit fünf Jahren sind wir an der Straße schon aktiv und haben dort einen 300 Meter langen Schutzzaun installiert“, erzählt Stefan Wagner von der Ortsgruppe Fronhausen des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). So konnten in den vergangenen Jahren schon viele Tiere vor einem möglichen frühen Tod gerettet werden, aber jenseits des Zaunes waren auch hunderte tote Tiere zu beklagen. 2009 zählten die Naturschützer an ihrem Fangzaun 7966 gerettete Teichmolche, ein Jahr später 6885. Dann der Einbruch: 2011 nur noch 3459 und 2012 gab es dann den absoluten Tiefstand von 1940.

Nicht nur Teichmolch, sondern auch Erdkröte freut sich

Kaum zu glauben, aber 2013 waren es wieder 7039 Exemplare, die eingesammelt und über die Straße getragen wurden. In diesem Jahr wurden schon acht frühe Wanderer gerettet. Nun soll also die Straßensperrung für weit bessere Ergebnisse sorgen. „Wir können anhand unserer Aufzeichnungen sagen, dass an der K 59 die Anzahl der geretteten Teichmolche deutschlandweit einmalig ist“, sagt Björn Behrendt vom Nabu Fronhausen. „Jetzt kommt es auch darauf an, bei den Autofahrern für Verständnis zu werben“, sagte gestern Weimars Bürgermeister Peter Eidam. Auf dieses Verständnis setzt auf jeden Fall Landrätin Kirsten Fründt. Sie freut sich, dass die Straßensperrung so schnell und unbürokratisch eingerichtet werden konnte und nannte diese Form des Miteinanders beispielgebend.

Die Naturschützer wurden übrigens durch Bürger auf die Problematik aufmerksam, die ihnen vor Jahren mitteilten, dass auf dieser Straße enorm viele tote Tiere liegen würden.

In den Genuss der autofreien Straße kommen neben den Teichmolchen auch die Erdkröten, und die haben es dann auch sehr verdient. Denn die Winterquartiere der Erdkröten liegen jenseits der Landesstraße 3093 und der Bahnlinie. Das bedeutet, das bis zur K 59 längst nicht alle Tiere durchkommen. Im letzten Jahr wurden 1211 Kröten in Fangeimern gezählt und auf die andere Straßenseite getragen.

„Da soll noch mal einer was sagen, die Gemeinde Weimar hätte keine Kröten“, sagte Stephan Schienbein, Kreissprecher anlässlich eines Ortstermins zur erstmaligen Straßensperrung. Dieser Äußerung konnte sich nun auch Bürgermeister Eidam nicht verschließen. Man werde sich um die Kröten mit großer Aufmerksamkeit kümmern. Werktags sind die ehrenamtlichen Mitglieder des Nabu für die abendliche Straßensperrung ab 19 Uhr zuständig.

Mitarbeiter des Bauhofs bauen dann morgens um 6 Uhr die Sperrungen wieder ab. An den Wochenenden erledigen dies auch die Nabu-Mitglieder. Die Ortsverbindungsstraße zwischen Roth und Niederwalgern kann leicht umfahren werden: Von Roth aus einfach über die K 60 nach Wenkbach und von dort aus über die L 3093 nach Niederwalgern und umgekehrt. Lediglich Rettungsfahrzeuge dürfen die Straße zu jeder Zeit im Einsatz befahren.

  • Sollten Störungen an der aufgestellten Beschilderung beziehungsweise an den Warnlampen festgestellt werden, bittet die Gemeinde unter Telefon 06421/9740127 oder 974015 um Benachrichtigung.

von Götz Schaub

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